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Betriebliches Gesundheitsmanagement Magazin

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IRGENDWANN KOMMT DER

IRGENDWANN KOMMT DER ZUSAMMENBRUCH ARBEITSPSYCHOLOGE JOHANN BERAN ERKLÄRT IM INTERVIEW, WARUM WIR WÄHREND DER ARBEIT HIN UND WIEDER SPRINGEN MÜSSTEN UND WAS PASSIERT, WENN WIR ZU WENIG AUF ERHOLUNG ACHTEN. 4 BGM

Fotos: istock, Johann Beran Herr Beran, Sie sagen: Das Gehirn des Menschen ist nicht beschleunigbar. Das hat sich seit der Steinzeit nicht geändert. Wie schaffen wir dann aber immer mehr in immer kürzerer Zeit? Johann Beran: Es geht sich eh nicht aus. Oder anders gesagt: Es geht sich insofern aus, als dass die Pharmaindustrie viel verdienen wird. Sie werden eine Zeit lang sehr viele Reserven lockermachen, sie werden dann eine Zeit lang schlechter schlafen und irgendwann kommt die Erkrankung. Das ist im Organismus so, weil wir relativ viel Kraft haben. Wenn wir jung sind, sind die Batterien gut geladen. Da können wir mit unserem Organismus ein bissl viel Blödheiten aufführen, aber die Ressourcen werden knapper und de facto ist Beschleunigung nur punktuell und nur für kurze Zeiträume möglich. Wir sind zu Spitzenleistungen imstande, aber eben nicht dauernd. Kann sich das über ein ganzes Arbeitsleben in dem Takt ausgehen? Nein und das merkt man auch an den Burnout-Zahlen. Das werden immer mehr und vor allem trifft es immer öfter Junge. Ich hab im letzten Jahr drei junge Menschen direkt vom Arbeitsplatz in die Psychiatrie bringen müssen, weil es dann plötzlich nicht mehr funktionierte. Es ist eine Illusion, dass unser Gehirn so unglaublich viel leisten könnte. Das sind zwei, drei Stunden über den Tag verteilt insgesamt – das ist der gleiche Status als zu der Zeit, als wir noch in der Savanne gelebt haben. Ich renne ja auch nicht den ganzen Tag vor irgendwelchen Viechern weg oder hinterher. Und dann brauchen wir eben unsere Ruhepausen. Das Gehirn braucht diese Ruhepausen öfter, als man glaubt, weil wir bei dem unglaublichen Input, den wir da haben mit all den vielen Daten und Möglichkeiten, die wir uns in den letzten Jahrzehnten geschaffen haben, sehr viel mehr an Daten verwalten müssen. Wenn man sich vorstellt dass unser Bewusstsein ein kleines Männchen ist, das vor dem Fenster steht und lauter Packerln reinschmeißt, dann wäre es irgendwann gut, wenn JOHANN BERAN ist Arbeits-, Gesundheits- und Notfall-Psychologe in Wien und betreut unter anderem große Firmen wie Siemens in Weiz. www.praxis-beran.at der einmal aufhört, damit herinnen die Packerln einmal weggeräumt werden können. Das sind die Phasen, in denen das Gehirn die verschiedenen Schwingungsmuster fährt. Wo wir verarbeiten können müssen. Oder wie Sie sagen: Wenn das Pendel extrem in die Belastung ausschlägt, muss es danach gleich weit in die Erholung ausschlagen. Das ist die Balance. Ich kann nicht sagen, die eine Waagschale ist ganz furchtbar schwer und die andere wird schon irgendwie. Es muss einfach ausgeglichen sein. Und ausgeglichen heißt ausgeglichen. Daran lässt sich nicht rütteln. Aber wie kann man das den Wirtschaftskapitänen und Geschäftsführern so veranschaulichen, dass es wirklich ein Umdenken gibt? Womit man sie entängstigen kann, ist, dass der Ausgleich eine qualitative Komponente ist und nicht immer eine quantitative. Ich kann eine Stunde hohe Konzentration mit fünf Minuten Herumhüpfen ausgleichen. Wenn ich mich konzentriere, schaltet der Organismus das Kämpfen-Flüchten-Muster ein und dann muss ich auch irgendwann kämpfen und flüchten. Das mache ich nicht den ganzen Tag, sondern ein paar Minuten. Dann sind die Stresshormone wieder weg, der Organismus geht ins System-Reset und ich kann wieder klar denken. Nur: Mein Gehirn sagt mir nicht, dass es sich verändert hat. Also wenn mein Gehirn jetzt langsamer wird oder gar offline geht, bin ich der Letzte, der das mitkriegt. Das gilt auch für Führungskräfte. Wir werden dann automatisch langsamer und unkonzentrierter, auf jeden Fall unproduktiver. Das ist nicht das, was sich ein Unternehmen wünscht. Wenn man Führungskräften die eigenen Messbilder vor Augen führt, kann man sie vielleicht doch überzeugen, dass es andere Möglichkeiten gibt, als immer mehr in immer weniger Zeit. Leute, die Sie konsultieren, haben den ersten Schritt schon getan und wissen, dass sie etwas ändern müs- BGM 5

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