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SPORTaktiv April 2016

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Wenn sich die ersten Frühlingsboten zeigen, zieht es viele Sportler wieder nach draußen. Das wissen wir! Darum haben wir uns in der April/Mai-Ausgabe von SPORTaktiv auch intensiv mit den beliebtesten Outdoorsportarten beschäftigt. Weißt du, wie du deine Wander-, Kletter- und Klettersteigausrüstung wieder fit für die Saison machst? Von uns bekommst du die Checklisten für deine komplette Bergausrüstung. Außerdem geben die Naturfreunde-Profis Antworten auf 16 wichtige Fragen für einen guten Start in die Berge. Ebenfalls in der April/Mai-Ausgabe erklärt: das Eigengewichtstraining! Wir verraten dir, wie wirksam und einfach es tatsächlich ist. Und wer schon immer mehr über Eisenpräparat, Vitamin-C-Tablette und Co. wissen wollte, der erfährt im aktuellen Magazin alles über Sinn und Unsinn der Nährstoffsupplementierung.

RUN DIE LAUFSCHUH-

RUN DIE LAUFSCHUH- REVOLUTION DIESE ERKENNTNIS BETRIFFT ALLE LAUFSPORTLER WELTWEIT! Bei einem internationalen Laufschuh-Symposium im Rahmen der ISPO München einigten sich praktisch alle vortragenden Experten auf dieses Urteil: „Die Laufschuh- Industrie und die Laufschuh-Beratung befand sich in den letzten Jahrzehnten schlichtweg auf einem Irrweg“! FOTO: istock, kk TEXT: Gerhard Polzer 36 SPORTaktiv

Es muss nicht immer ein lauter Knall sein, mit dem eine echte Revolution beginnt! Im Gegenteil, es war sogar außergewöhnlich still im vollbesetzten Auditorium, als beim internationalen Laufschuh-Symposium in München gleich der erste Vortragende die Laufwelt sozusagen auf den Kopf stellte. Denn der Schweizer Wissenschafter Benno Nigg von der University of Calgary (Kanada) erteilte der jahrezehntelang üblichen Praxis, die Auswahl und Kategorisierung von Laufschuhen fast ausschließlich am Abrollverhalten des Fußes und seinem Pronationswinkel festzumachen, eine klare Absage: „Über viele Jahre haben wir geglaubt, dass es bei der Schuhwahl entscheidend ist, wie weit der Fuß beim Abrollen nach innen knickt und wie sehr diese Pronation durch vermehrte Stützung und Dämpfung im Laufschuh korrigiert werden muss. Heute wissen wir, dass der Grad der Pronation, aber auch die Dämpfung eines Laufschuhs nur wenig bis gar nichts mit der Häufigkeit von Laufverletzungen zu tun hat.“ Zur Untermauerung dieser These präsentierte Professor Nigg eine Studie, in der ganz klar festgestellt wurde, dass die vertikalen Impaktkräfte und selbst eine Über pronation des Fußgelenkes absolut keine Auslöser für Verletzungen darstellen! Es sei vielmehr das gesamte Bewegungsverhalten eines Läufers, das typische Laufverletzungen wie Läuferknie oder Hüftbeschwerden beeinflusst – „also das Zusammenspiel der Muskeln und der Gelenke sowie die inneren Kräfte und die Druckverteilung, die beim Laufen einwirken. Das sind die wesentlichen Variablen, die man sich anschauen muss, wenn man Laufverletzungen erklären bzw. mit der richtigen Schuhversorgung verhindern will“, schickte Benno Nigg als Botschaft an die vielen Laufschuh-Händler und -Berater, die im Auditorium saßen. Die aber mussten erst den logischen Umkehrschluss verarbeiten: Stimmt Niggs These, dann ist die bisher übliche Praxis, bei der Auswahl der Laufschuhe in erster Linie auf die mehr oder weniger starke Stützung des Schuhs zu setzen, mit der einer (Über-)Pronation entgegen­ gewirkt werden kann, hinfällig. Was aber kann dann künftig als Beratungskriterium beim Schuhkauf gelten, wenn Pronation und Aufprallkräfte keine Rolle spielen? Eine konkrete Lösung dieses Problems konnte auch Benno Nigg nicht liefern, setzte lediglich auf den Begriff „Komfort“: „Der beste Laufschuh für einen Läufer ist der, der dessen bevorzugten Bewegungsablauf zulässt und den der Läufer selbst am komfortabelsten findet.“ „Bei der Auswahl des Laufschuhs spielt nicht die Pronation des Fußgelenks eine Rolle, sondern die Analyse des Kniegelenks!“ BJÖRN GUSTAFSSON VOM BEWEGUNGSANALYSE-INSTITUT CURREX, HAMBURG EINTÖNIGES BEWEGUNGSMUSTER Falls im Anschluss an diesen Vortrag jemand die These des Schweizer Wissenschafters noch als „Einzelmeinung“ abtun wollte, so wurde er im Laufe des Symposiums eines besseren belehrt. Denn diese „Laufschuh-Revolution“ hat tatsächlich weltweit ihre Unterstützer! „Das 40 Jahre alte Paradigma der Laufindu strie war ein Irrtum“, stellte auch Dr. Simon Bartold, anerkannter Biomechaniker aus Australien, in seinem Vortrag fest – „es ist nun eindeutig erwiesen, dass selbst übermäßige Pronation keine wesentliche Ursache von Verletzungen oder Schmerzen ist. Somit sind auch die Kriterien der Dämpfung und der Stützung bei der Laufschuhwahl nicht entscheidend.“ Vielmehr sei das immer gleiche eintönige Bewegungsmuster, das viele Hobbysportler ganz automatisch beim Laufen haben, die Hauptursache für die Entstehung von Schmerzen und Verletzungen. „Wer Abwechslung in sein Lauftraining bringt“, sagte Bartold (der für Laufschuhhersteller Salomon an neuen Konzepten forscht), „wer zum Beispiel auf unterschiedlichem Untergrund läuft, der senkt sein Verletzungsrisiko sofort.“ Auch Spencer White, Entwicklungschef beim Laufschuhhersteller Saucony, bekannte auf dem Laufschuhsymposium, „dass wir in der Vergangenheit nicht das Beste getan haben! Es ist nicht die Frage, wie stark ein Läufer proniert, sondern wie der Körper mit dem Maß an Pronation umgehen kann. Wir müssen uns viel mehr auf die „,Stride Dynamics‘ konzentrieren.“ Heißt: Bei der Analyse des Laufstils eines Läufers ist der Blick nicht nur auf die Fußbewegung zu richten, sondern auf den ganzen Bewegungsablauf. „Dazu gehören die Rotation von Hüft- und Schulterachse, die gesamte Beinachse und der Aufsatzpunkt des Fußes in Relation zum Schwerpunkt des Körpers.“ White hatte noch zwei interessante Tipps auf Lager. Der erste ging an die Laufshops, die bei Laufanalysen künftig „die Videokamera nicht von hinten, sondern besser von der Seite auf den Läufer richten sollten, um den gesamten Bewegungsablauf und den Laufstil beurteilen zu können“. Und Tipp 2 ging direkt an die Adresse der Hobbyläufer : „Jeder Läufer profitiert am meisten, wenn er unterschiedliche Schuhe einsetzt. Wer mindestens zwei unterschiedliche Modelle zum Laufen verwendet, verringert seine Verletzungsanfälligkeit um fast 40 Prozent.“ KNIE STICHT FUSS! In einem weiteren Vortrag setzte Björn Gustafsson zum Thema Pronation sogar noch eins drauf. Denn der Gründer des Bewegungsanalayse-Instituts Currex in Hamburg präsentierte eine vielbeachtete Studie, nach der „Pronierer“ sogar weniger Verletzungen erleideten als „Normalfußläufer“. Gustafsson stellte klar: „Der Fuß ist ein Reaktor! Bei der biomechanischen Analyse ist nur der gemeinsame Blick auf Fuß, Knie und Beinachse erkenntnisreich.“ Wobei für die Currex-Analysten gilt: Knie sticht Fuß! „Das bedeutet: Bei der Auswahl des Schuhs und etwaiger Einlegesohlen ist vor allem die Analyse der Kniebewegung entscheidend.“ Abschließend brachte es auch Björn Gustafsson auf eine Formel: „Wenn wir den Komfort im Nr. 2; April / Mai 2016 37

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