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SPORTaktiv April 2018

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zieht der mythos noch?

zieht der mythos noch? 65.000 LAUFEN ALLEIN BEI DEN BEIDEN GROSSEN FRÜH- LINGS-MARATHONS IN LINZ UND WIEN MIT. DOCH AUF DER VOLLEN DISTANZ SIND ES IM- MER WENIGER. WAS IST VOM MYTHOS MARA- THON GEBLIEBEN? WIR HABEN DREI UNGE- WÖHNLICHE FREIZEIT - MARATHONIS BEFRAGT. VON CHRISTOF DOMENIG 42.195 m Du hältst aktuell bei 126 Marathons. Die Highlights? Irrsinnig toll war New York als ganz junger Bursche. Natürlich ist es auch eine große Sache für mich, dass ich bei jedem einzelnen Wien-Marathon, meinem Heimatlauf, gefinisht habe. Da gibt es ja außer mir nicht mehr so viele andere. BERNHARD BRUCKNER DER PREMIEREN- MUSKELKATER Bernhard Bruckner, aus Deutsch Wagram (NÖ), 126-facher Marathon-Finisher, Obmann des „100 Marathon Club Austria“. Bernhard, was war dein erster Marathon? Der erste Wien Marathon 1984 war auch mein erster. Er war am 27. März ’84, ich war 17 und habe bis dahin gar nicht gewusst, was ein Marathon ist. Ich bin also recht unbedarft an die Sache herangegangen. Ein Freund und ich haben versucht, vorm Rennen die Strecke abzulaufen und wir haben uns prompt verlaufen. Im Rennen ist es mir eigentlich gut gegangen und ich habe 3:27 Stunden gebraucht. So hat das Unheil seinen Lauf genommen. An was ich mich noch gut erinnern kann, ist der Muskelkater nach der Premiere. Mein Bruder musste mir abends aus der Jeans heraushelfen. Was hat dich so beeindruckt, dass du vom Marathonlaufen nicht mehr losgekommen bist? Das Ambiente hat mir schon wahnsinnig gut gefallen, auch wenn es 1984 mit heute nicht vergleichbar war. Es sind vielleicht 1000 mitgelaufen. Im Ziel war es aber ein Wahnsinn, pure Euphorie. Im Vorjahr bist du zehn Marathons an zehn Tagen hintereinander gelaufen. Wie kam’s dazu? 100-Kilometer-Läufe hab ich schon absolviert, oder 175 Kilometer in 24 Stunden. Als ich von dem „10 in 10“ in Bad Blumau gehört hab, habe ich mir gedacht, das probiere ich. Es war schon eine große Herausforderung vom Kopf her. Es war mörderisch heiß, und ich bin außerdem täglich die rund 160 Kilometer von Deutsch Wagram nach Bad Blumau gependelt. Wir waren zehn Starter, alle gute Freunde. Es war ein tolles Erlebnis und weil ich im Schnitt 4:30 gelaufen bin – normale Marathons gehen in 3:30 – hatte ich diesmal nicht einmal einen Muskelkater. Du hast seit 1984 alle Zeiten im Freizeitlaufen miterlebt. Gibt es für dich heute noch den Mythos der 42,195 Kilometer? Klar, den gibt’s noch. Natürlich hat er sich etwas verkleinert. Zwischen 2000 und 2005 musste jeder einen Marathon gelaufen sein. Heute gibt es auch andere Angebote. Viele haben wahrscheinlich auch nicht mehr so viel Zeit, um ein halbes Jahr gezielt zu trainieren. Vielleicht boomen deshalb Fun- und Hindernisläufe. Aber, dass „Marathon“ einen anderen Klang hat, als Halbmarathon oder 10 Kilometer, daran hat sich nie etwas geändert. Fotos: Österreichischer Frauenlauf/Agentur Diener, privat 54 SPORTaktiv

Jede Teilnahme ist einzigartig, aber spezielle Highlights gibt es natürlich. Am meisten beeindruckt hat mich meine 1. Marathon-Teilnahme in New York 1986. Das Einbiegen zur Zielgeraden in den Central Park werde ich nie vergessen. Meine Marathon-Bestzeit von 3:16:42 h bin ich 1994 in Wien gelaufen. Und der Chicago-Marathon bei Schnee, bei dem ich den 30. Rang bei den Frauen erzielen konnte. ILSE DIPPMANN KÖNIGSDISZIPLIN DES LAUFSPORTS Ilse Dippman, Initiatorin und Veranstalterin des Asics österreichischen Frauenlaufs, hat seit 1986 31 Marathons gefinisht. Darunter 10 x den New York-, 8 x den Chicago-Marathon. Frau Dippmann, welche Beziehung haben Sie zu 42,195 Kilometern als Laufdistanz? Eine ganz besondere, weil ich bei meinem 1. Marathon in New York die Frauenlauf-Idee überhaupt erst kennengelernt habe. Marathon ist für mich seit jeher ganz eng mit Wien und New York verbunden. Was macht für Sie den Erlebniswert eines großen Marathon-Events aus? Mich fasziniert an den großen, internationalen Marathons vor allem, dass alle die gleiche Distanz laufen. Bereits bei der Abholung der Startnummer, am Start und entlang der Strecke herrscht eine spezielle Atmosphäre und ein Gänsehautfeeling. Alle sind gleich angespannt und verfolgen dasselbe Ziel: 42,195 km! Diese Stimmung hat man nur bei reinen Marathon-Veranstaltungen. Welches besonders emotionale Erlebnis aus Ihren Marathonteilnahmen fällt Ihnen als Erstes ein? Auf der „ganzen“ Marathondistanz sind Starterzahlen seit Längerem rückläufig. Warum haben die 42,195 km für Freizeitsportler an Attraktivität eingebüßt? Die Teilnahmezahlen sind nur dort rückläufig, wo man zwischen unterschiedlichen Distanzen wählen kann. Ganz im Gegensatz dazu wachsen die Marathons in New York, Chicago, Paris, Berlin. Der Mensch geht den Weg des geringsten Widerstands. Wenn ich bei einem Marathon dabei sein kann und „nur“ 5 km laufen muss, wo ist da die Motivation? Warum sollte frau/man einmal einen „42er“ laufen? Marathon ist die Königsdisziplin des Laufsports. Es gehört viel Überwindung, Disziplin und ein halbes Jahr bis Jahr Vorbereitung dazu. Aber es ist ein unbeschreibliches Erlebnis, wenn man auf die Zielgerade einbiegt. Wie viel von den weltweiten großen Marathons, die Sie gelaufen sind, steckt im österreichischen Frauenlauf? Für mich bedeutet die Teilnahme an Marathons immer viel Inspiration und auch Motivation, den Asics österreichischen Frauenlauf auf ein noch höheres Niveau zu bringen. Mit 35.140 Teilnehmerinnen im Vorjahr freue ich mich, dass wir hier auch zur Weltspitze gehören. SPORTaktiv 55

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