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SPORTaktiv April 2018

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EIN MANN UND 1865

EIN MANN UND 1865 KILOMETER ER LÄUFT GERN, WIE SO VIELE. ER LIEBT DEN HIMALAYA, WIE SO VIELE. DOCH, WIE GERADE MAL EIN DUTZEND MENSCHEN IM JAHR, VERBINDET DER DEUT- SCHE AUTOR PETER HINZE BEI- DES IN EXTREMSTER FORM: 95.551 HÖHENMETER, 1865 KM, 87 TAGE. THE GREAT HIMALAYA TRAILRUN. VON OLIVER PICHLER The Great Himalaya Trailrun führt von Ost nach West durch Nepal. Start ist im Basislager des Kangchendzönga-Gebirges. Ziel in Darchula. Die Richtung ist klar, die Strecke nicht fix. Die extreme Natur erzwingt Flexibilität. Pro Jahr wagen sich nur 20 bis 30 Personen an diese weit über die körperliche Leistung hinausgehende Herausforderung heran. Nicht einmal die Hälfte schafft es. Das liegt, so Hinze, „am Schicksal“. Wie ist denn die Idee entstanden, quer durch den Himalaya zu laufen? Den Himalaya, wie wir ihn kennen, gibt es in fünf bis zehn Jahren nicht mehr. Durch moderne Straßen, dramatischen Klimawandel und Smartphones ändert sich enorm viel. Die bekannte „Romantik“ geht verloren. Deshalb wollte ich die Weltregion einmal besonders intensiv erleben und sehen, welche Menschen und welche Traditionen es gibt. Und das gelingt, wenn du läufst? Für mich ist Trailrunning Bewegung in der Natur, Menschen treffen und Landschaftsgenuss. Im Himalaya spielt der Rekord keine Rolle. Hätte ich es einzig als hochsportliche Herausforderung gesehen, wäre die Strecke zehn Tage schneller zu schaffen gewesen. Die Eindrücke dieser drei Monate waren enorm stark. Es gab so viele intensive Erlebnisse, dass ich 62 SPORTaktiv

Peter Hinze wollte die Region in ihrer ursprünglichen Art noch kennenlernen. Denn: „Den Himalaya wie wir ihn kennen, gibt es in fünf bis zehn Jahren nicht mehr.“ wir einen anderen Zugang zur Bevölkerung, zumal wir mehr als die Hälfte der Tage bei Bauern oder Händlern gegessen und übernachtet haben. Vielerorts gibt es keine Lodges. Fotos: Peter Hinze anfangs dachte, sie für mich behalten zu müssen. Beispielsweise? Wir haben etwa zwölf Tage lang keinen Ausländer gesehen. Oder: Du bist in einer ganz anderen Kommunikationswelt – von einem Tag auf den anderen auf null. Und man hat nur das, was man selbst mithat. Geht ein Schuh kaputt, kann man keinen neuen kaufen. Wie kann man sich den Great Himalaya Trail vorstellen? Tourismus in abgelegene Teile Nepals zu bringen, war vor Jahren die Idee, die dem Trail zugrunde liegt. Und doch gibt es keine ausgeschilderte Route. Auf der gesamten Strecke habe ich vielleicht drei Schilder zum Trail gesehen. Er ist eine Verknüpfung bestehender Wanderrouten, Handels- und Fahrwege. In welchen Höhenlagen seid ihr unterwegs gewesen? Meist zwischen 3500 und 4300 m. Zwölf Passüberquerungen führten bis über 5000 m. Höchster Punkt war ein Pass mit 5755 m Höhe. Am tiefsten waren wir nahe Mane Bhanjyang auf 357 m. Tagsüber hatte es da Temperaturen über 35 Grad Celsius. Wie hat sich denn dein Team zusammengesetzt? Ich war meist mit drei Einheimischen unterwegs, der Orientierung, der Sprache und des Gepäcks wegen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass ich in der Region etwas hinterlasse. Wenn man zu viert isst und übernachtet, bringt das dem Gastgeber mehr. Wie haben die Einheimischen auf euch reagiert? Man ist ein Fremder. Und doch spürten wir hohen Respekt, wenn wir erzählten, woher wir zu Fuß kommen. So hatten Zurück zur sportlichen Herausforderung, so viele Tage am Stück zu laufen. Wie gelingt das unter Bedingungen, die im Westen unvorstellbar sind? Für Außenstehende ist es sicher verrückt. Doch es ist erstaunlich, wie schnell sich der Körper darauf einstellt, täglich bis zu 12 Stunden sehr beansprucht zu werden. Das dauert nicht einmal zwei Wochen. Zuhause würde mich das gleiche Pensum wahrscheinlich mehr anstrengen. Wo liegen die Gründe dafür? Die Umwelt in Nepal hat einen großen Einfluss. Man ist nach zwei Wochen so entspannt und eins mit der Landschaft, dass man die sportliche Belastung nicht mehr als solche empfindet. Dann hat man eine Flow-Phase erreicht, die für mich Motivation ist, weiter zu laufen. Wie bist du diesen Mega-Trail angegangen? Man kann nicht ins Blaue hineinlaufen. Viele Nepalreisen seit 1982, Wissen um das Land und der gute Kontakt zu Einheimischen haben es erst möglich gemacht. Trotzdem hat die Vorbereitung SPORTaktiv 63

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