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SPORTaktiv April 2019

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„ICH HAB FÜNFMAL DIE

„ICH HAB FÜNFMAL DIE KARRIERE BEENDET“ ÖSTERREICHS RADSPORT-DOYEN BERNHARD EISEL IM GROSSEN INTERVIEW: WELCHE ÄNGSTE ER 2018 DURCHLITT, WARUM ER SEINE LAUFBAHN DOCH NICHT BEENDEN WOLLTE, OBWOHL ER KEIN RENNEN VERMISSEN WÜRDE. UND ER VERRÄT: „DOPING-BEICHTEN KÖNNEN MICH NICHT MEHR SCHOCKEN.“ VON MARKUS GEISLER Fotos: GEPA Pictures (6), Markus Geisler 140 SPORTaktiv

er Radsport ist auch nicht mehr das, was er mal war. Findet zumindest Bernhard Eisel (38), als er von der UAE-Tour aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zurückkehrte. „Wir fuhren durch alle sieben Staaten, hatten mehr Transfers als Rennen, das ist schon sehr mühsam. Immerhin war das Wetter besser als daheim.“ Dabei ist die Stimmung des Dimension-Data-Fahrers eigentlich bestens, nachdem er einen „fantastischen Winter“ hatte, der ihm vor Augen führte, wie sehr er das Treten in die Pedale liebt. Und das nach einem Jahr, das ihn aufgrund eines subduralen Hämatoms an den Rand seiner Belastungsgrenzen und auch seiner Karriere führte, wie er im ausführlichen Interview verrät. Du hast, zusammen mit Paco Wrolich und anderen, vor Kurzem in Klagenfurt den RC KAC gegründet. Sollen die Eishackler jetzt mit dem Fahrrad zum Training kommen? (Lacht) Gute Idee, aber da muss ich einigen wohl erst das Radfahren beibringen. Nein, Spaß beiseite: Ich hatte während meiner schweren Verletzung vergangenes Jahr viel Zeit zum Nachdenken. Irgendwann kommt man in ein Alter, wo man dem Sport etwas zurückgeben möchte. Da kam ich auf die Idee: Radclub und KAC, da gibt es viele Synergien. Ich bin schon mit vielen Eishockeycracks gefahren, im Sommer können wir Trainingseinheiten für den Nachwuchs anbieten. Spielst du selber Eishockey? Na ja, wenn wir spielen, bin ich froh, dass ich den Stock zum Festhalten hab. Ich schaue aber gerne zu, hab Freunde beim KAC. Der Clou wird sein: Die Trikots der Radfahrer sind im Design der Kampfmannschaft, nur mit der Rückennummer 19 für unser Gründungsjahr. Der KAC ist eine echte Marke in Österreich, das hilft uns natürlich. Wenn du an deine eigene Zeit als Nachwuchsfahrer denkst – wie ist deine Begeisterung für den Radsport entstanden? Mein neun Jahre älterer Bruder war Radfahrer, das hat mir vieles eröffnet. Und ich muss ehrlich sein: Bei den Ballsportarten hat mir das Talent gefehlt, das ist bis heute so. Beim Laufen hätte ich vielleicht noch eine kleine Chance gehabt. Hast du damals schon die Lust an der Qual entdeckt, die man im Radsport ja braucht wie in kaum einer anderen Sportart? Nein, das lernt man erst im Laufe der Zeit. Bei mir stand immer der Spaß im Vordergrund. Das soll auch beim RC KAC so sein. Wir wollen nicht aus Kindern Profis machen, sondern ihnen Werte mitgeben, Manieren. Wir freuen uns über gute Ergebnisse, machen aber keine Krisensitzung nach dem Rennen, wenn es nicht gut gelaufen ist. Du selbst hast augenscheinlich auch noch Spaß und deinen Vertrag bei Dimension Data um ein Jahr bis Ende 2019 verlängert. Was sprach nach deinem Sturz bei der Fernfahrt Tirreno-Adriatico vor einem Jahr und der daraus resultierenden schweren Kopfverletzung dafür? Die Verletzung hat mir gezeigt, wie viel Spaß Radfahren machen kann, wenn man nicht den Druck und Stress als Profi hat. Ich bin einfach raus und war froh, wieder im Sattel sitzen zu dürfen. Ein tolles Gefühl. Ich hab mich viel mit dem Aufhören beschäftigt, hab dann aber gesagt: Ich möchte selbst entscheiden, wann es vorbei ist, und nicht durch eine Verletzung oder Krankheit gezwungen werden. Deswegen bin ich zurückgekommen. Und: Ich habe im Winter perfekt trainiert, das Trainingsprogramm zu 100 Prozent umgesetzt, das hat riesigen Spaß gemacht. Seit 2016 fährt Bernhard Eisel für das südafrikanische Team Dimension Data. SPORTaktiv 141

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