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SPORTaktiv April 2019

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TISCHTENNIS? KANN JA

TISCHTENNIS? KANN JA JEDER! WER DAS GLAUBT, SOLLTE SICH AUF EIN MATCH GEGEN ÖSTERREICHS NUMMER 1 DANIEL HABESOHN EINLAS- SEN. DANN ERFÄHRT MAN, WIE PHYSIKALI- SCHE GRENZEN VER- SETZT WERDEN UND KOPF UND BÄLLE ROTIEREN KÖNNEN. VON MARKUS GEISLER SCHLÄGER-TYP MIT SINN FÜR SPIN N etz. Out. Netz. Netz. Out. „Dein nächster Ball landet wieder im Netz“, ruft mir Daniel Habesohn mit einem verschmitzten Lächeln zu. Na warte, denke ich mir, jetzt schieße ich ihn zu Fleiß ins Out. Und dresche die Kugel kläglich in die Maschen. Ein Tischtennismatch gegen den derzeit besten Spieler Österreichs ist nicht nur das erwartet chancenlose Unterfangen, sondern auch eine beeindruckende Lektion darin, wie komplex diese Sportart wirklich ist. Mit welchem Schnitt kommt der Ball auf mich zu? Wie halte ich meinen Schläger, damit die Kugel nicht dauernd meinen Finger malträtiert? Wo genau an der Platte positioniere ich mich, um auf möglichst viele Aktionen des Gegners reagieren zu können? „Das Faszinierende an unserem Sport ist, dass es auf unendlich viele Details ankommt, die große Auswirkungen haben“, sagt Habesohn. Faszinierend, ja. Und nach meinem zehnten Ball ins Nirwana auch ein wenig frustrierend. Dabei hatte ich eigentlich vor, es nach meiner Box-Challenge in der vergangenen Ausgabe diesmal etwas ruhiger angehen zu lassen. Schließlich stehe ich seit meiner Kindheit immer wieder mal an der Platte und schupfe die Zelluloid-Kugel über das Netz. „Zelluloid war einmal, mittlerweile sind die Bälle komplett aus Plastik“, korrigiert mich Habesohn, während er eine Schere hervorkramt, um seinen frisch aufgetragenen Schlägerbelag auszuschneiden. Spätestens jeden dritten Tag wechselt er die Ober- 154 SPORTaktiv

Fotos: GEPA pictures (6), Getty Images Österreichs Top-Profi Daniel Habesohn weiht SPORTaktiv-Redakteur Markus Geisler in die Geheimnisse von Spin und Rotation ein. fläche, um wieder den besten Drive in seinen Schlägen zu haben. Wobei das Material ohnehin eine ganz entscheidende Rolle spielt. „Du wirst sehen, mit einem Profischläger sind deine ersten Bälle alle zu lang“, prophezeit Habesohn. Und in der Tat fühlt es sich zu Beginn so an, als würden wir mit einem Flummi spielen, aber der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewöhnungstier. Mit Daniel Habesohn habe ich mir natürlich auch gleich den gefährlichsten Schläger-Typen des Landes an die Platte geholt. Europameister mit der Mannschaft, zweimal und amtierender Europameister im Doppel mit Robert Gardos, dreifacher und amtierender Staatsmeister im Einzel, um nur die wichtigsten Titel zu nennen. „Ich spiele derzeit das beste Jahr meines Lebens“, sagt der 32-Jährige, der in der deutschen Bundesliga beim Post SV Mühlhausen unter Vertrag steht. Und im Einzelranking der stärksten Liga Europas auf Platz drei geführt wird. „Mit meinem Wechsel nach Deutschland bin ich noch einmal gereift, weil du dort permanent auf allerhöchstem Niveau gefordert wirst“, sagt der zweifache Familienvater, der ob seiner Klubverpflichtungen und Turnierteilnahmen ein prall gefülltes Miles- and- More-Konto hat. Heute ist ein Trainingstag in seiner Homebase im Sportzentrum Stockerau angesetzt, wo um neun Uhr in der Früh schon vier der sechs Tische besetzt sind. Das Aufwärmprogramm besteht aus Dehn- und Stabilisationsübungen, ehe ein Koordinations-Parcours aufgebaut wird. Sprünge über Hindernisse mit verschiedenen Höhen, Trippelschritte nach rechts und links und zwischendurch Tischtennisbälle fangen, die unangekündigt hineingeworfen werden. „Dadurch lernt man, sich auf viele Dinge gleichzeitig zu konzentrieren und trotzdem seine Übungen exakt auszuführen“, erklärt Daniel und schlägt vor, so langsam mal ein paar Bälle zu spielen. Wobei langsam ein sehr dehnbarer Begriff ist. Die ersten Bälle kommen mit wenig Schnitt auf meine Vorhand und trotzdem bringe ich kaum einen Ball retour. „Schlägerwinkel verkleinern, mehr durchziehen“, korrigiert mich Habesohn und siehe da: Ist das System erst einmal eingestellt, kommen sogar ein paar Bälle auf die Platte zurück. Was allerdings in erster Linie daran liegt, dass Daniel jeden Ball auf die exakt gleiche Stelle spielt, sodass unsereiner mechanisch immer den gleichen Bewegungsablauf üben kann. Was sich bei zunehmendem Speed fast so anfühlt, als wäre man wirklich Teil eines echten Tischtennismatches. Dass dem nicht so ist, wird spätestens klar, als Daniel anregt, jetzt ein paar Angaben zu servieren. Netz. Out. Netz. „Na gut“, zeigt mein Gegenüber Mitleid. „Ich spiele den Ball jetzt so, dass, wenn du mit der Vorhand auf die linke SPORTaktiv 155

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