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SPORTaktiv April 2020

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Brennstoff. Dann stellt

Brennstoff. Dann stellt der Körper seinen Stoffwechsel vom Anabolismus auf den Katabolismus um: Nun gewinnen wir unsere Energie ausschließlich aus Proteinen und Fett – und davon haben wir mehr als genug. Mein Fettanteil liegt laut Impedanzanalyse bei 21,1 Prozent. Und das, obwohl ich 2019 mit jeweils einem Triathlon über die Kurz-, Mittelund Langdistanz nicht unbedingt untätig war. Die Zufuhr an Kohlenhydraten wird beim Fasten unterbrochen, mein Fettstoffwechsel intensiviert. Das kann ich als Ausdauersportler natürlich nur begrüßen. Der Grund, warum ich hier bin, ist aber ein anderer: Ich möchte entgiften. Was also geschieht nun in meinem Körper? Man stelle sich eine Stadt vor, in der so viel konsumiert wird, dass die Müllabfuhr gerade so hinterherkommt. Die Mitarbeiter schieben Extraschichten, sie sind gestresst und konzentrieren sich auf den größten Müll. Für eine grundlegende Reinigung fehlen jedoch die Kapazitäten. Deshalb sind alle froh, wenn mal für ein paar Tage keine neuen Müllsäcke in den Straßen landen. Endlich wird die Stadt mal wieder rich- tig sauber. So weit die Kurzbeschreibung. Es lohnt sich aber, in die Tiefe zu gehen: Denn während wir hier draußen ein Riesengeschrei um das Thema Recycling machen, erneuern wir uns dort drinnen schon seit jeher auf faszinierende Weise wie von selbst. Es geht um das kleine Wunder der „Autophagie“. Diese startet der Körper nach einer Nahrungspause ab 14 bis 18 Stunden. Gealterte, funktionslose oder falsch zusammengebaute Zellbestandteile werden mit einer passgenauen Membran umgeben. Innerhalb dieser temporär angelegten Hüllen zersetzen Enzyme den Zellmüll und stellen die Grundbestandteile zur Wiederverwertung bereit. „So werden unsere Zellen effizienter“, erklärt mir Doc Fegerl: „Alte und defekte Mitochondrien werden entsorgt, und die gut funktionierenden Minikraftwerke vermehren sich.“ Das alles ist kein Hokuspokus. Sondern ein biochemischer Prozess, für dessen exakte Beschreibung der japanische Forscher Yoshinori Osumi 2016 den Nobelpreis erhielt. Wow! Ich erneuere mich, indem ich nicht esse. Das fühlt sich gut an. Ich mache es mir in einem Sessel bequem HEILFASTEN Die nicht religiös motivierte Form des Fastens lässt sich bis Hippokrates zurückverfolgen, sie kann neben einer Steigerung des Wohlbefindens bei zahlreichen Beschwerden und Krankheitsbildern sinnvoll sein. Viele Hotels bieten Fastenkuren an. Im VIVA- MAYR bietet sich die Möglichkeit einer umfassenden Betreuung durch Ärzte und Therapeuten, 110 Mitarbeiter kümmern sich um maximal 70 Gäste. Eine Kur ist für wenigstens sieben Tage vorgesehen und wird individuell zusammengestellt. Pro Tag ist mit Kosten von 500 Euro zu rechnen. Mehr Infos: www.vivamayr.at und gönne mir einen Lavendel-Rote-Bete-Tee. In den kommenden Tagen geschieht viel. Eigentlich wollte ich lediglich nichts essen. Aber hier im VI- VAMAYR habe ich die Möglichkeit, eine Vielzahl an Behandlungen und Therapien zu testen. Vom täglichen Elektrolyse-Fußbad zur Unterstützung 20 SPORTaktiv

meiner Entgiftung über Massagen und Leberwickel bis hin zur Kryotherapie in einer auf –110 °C gekühlten Kammer, die Entzündungen entgegenwirkt. „Unsere Gäste verbessern ihre Gesundheit und erhöhen ihr Wohlbefinden“, sagt Geschäftsführer Dr. Dieter Resch: „Für viele ist die Fastenkur der Start in ein bewussteres Leben.“ Durch die Anpassung von Stoffwechsel und Ernährung könnten Sportler zudem „ihre Leistungsfähigkeit erhöhen und im Falle einer Verletzung auch schneller regenerieren“. Der latent übersäuerte Sportlerkörper wird die basische Aufmerksamkeit in jedem Fall genießen. Darüber hinaus bietet sich im Haus die Möglichkeit für Faszientraining, Leistungs - diagnostik und Höhentraining (IHHT) zur Steigerung der Zellenergie. Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück auf null: Inzwischen ist es Donnerstag – und ich habe seit 100 Stunden nichts gegessen. Natürlich ist Fasten kein Zuckerschlecken. Zum Aufwachen gibt’s keinen Kaffee, sondern eine Tasse mit abführendem Magnesiumzitrat. Auch daran gewöhne ich mich. Und meine Laune ist beinahe euphorisch. Ich fühle mich frei und energetisch, es ist, als würde die Welt, durch die ich hier in Bademantel und Schlapfen wandle, an allen Ecken und Enden glänzen. Hungergefühl? Fehlanzeige. Dafür steigt mir beim Genuss der Brühe, die ich vor ein paar Tagen noch als geschmackloses Wässerchen wahrgenommen habe, der feine Geruch von Sellerie in die Nase. Beim Fasten erholen sich aber nicht nur unsere Sinne. Auch die Seele nutzt die Chance, mal wieder den Staub aus den Schubladen zu wischen, zu entgiften und Ballast loszuwerden. Doc Fegerl fragt mich: „Träumen Sie schon intensiv?“ – Das wäre durchaus üblich. Der dominante Sympathikus lässt dem Parasympathikus den Vortritt. Die Abteilung Attacke macht Pause. Die Regeneration übernimmt. Im Fettgewebe und Zellgedächtnis gespeicherte Erinnerungen kommen zum Vorschein. Alte Pfade werden gelöscht. Träume entstehen. Am Freitagmorgen achte ich darauf. Und sieh an, da war ein Traum: Ich sitze auf einem Eisbären und versuche, ihm mit einem Farbpinsel Formeln und Kreise auf die Flanke zu malen. Der Eisbär zeigt sich nicht sonderlich kooperativ, immer wieder muss ich zusehen, dass ich nicht abgeworfen werde. Was das bedeutet? Keine Ahnung. Ich kann aber versichern, dass ich nie zuvor von einem Eisbären geträumt habe. Kommen wir zum Ende dieser Geschichte. Ich habe 3,8 Kilogramm abgenommen. Aber darum geht es nicht. Viel wichtiger ist, dass ich verstanden habe, meine Gesundheit mehr denn je als ganzheitliches Phänomen zu betrachten. Ein kleines Beispiel: Doc Fegerl zeigt mir, dass er meinen Rippenbogen auf der rechten Seite leichter eindrücken kann, als auf der linken. Hier sammeln sich Gase, die durch schwer verdauliche Rohkost entstehen. Mein Brustkorb schützt den aufgepumpten Dickdarm. Diese Inflexibilität im Thorax wirkt wiederum einer aufrechten Haltung entgegen. Soll heißen: Esse ich abends einen Salat, ist das schlecht für meinen Rücken. Bleiben wir beim Essen: Am Freitag erhalte ich wieder feste Nahrung. Einen Kautrainer, dazu Avocado-Mousse und ein Löffelchen gelben Saiblingskaviar. Ich nehme ein einzelnes Kaviar-Ei in den Mund und lasse es platzen. Der Geschmack ist extrem intensiv. Ich verstreiche ihn mit der Zunge im ganzen Mund. Später liege ich in meinem Zimmer auf dem Bett. Der Nebel hängt über dem Tal, hoch oben spitzt die Sonne durch die Wolken. Später glitzert der See. Ich freue mich darauf, in Zukunft bewusster zu essen. Den Wert der Enthaltsamkeit zu schätzen. Und spätestens im kommenden Jahr das nächste Mal zu fasten. SPORTaktiv 21

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