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SPORTaktiv August 2016

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BIKE WER DARF WAS? RAD

BIKE WER DARF WAS? RAD UND RECHT. Rund ums (sportliche) Radeln im Straßenverkehr wird – Stichwort „nebeneinander fahrende Rennradfahrer“ – heiß diskutiert und gestritten. Höchste Zeit, mit einer Juristin einmal zu klären, was Radsportler aller Kategorien laut Straßenverkehrsordnung dürfen und was nicht. Beginnen wir aus aktuellem Anlass mit einem Facebook-Posting von Extremradsportler Christoph Strasser: „Rennradfahrer auf Trainingsfahrten dürfen auf Österreichs Straßen nebeneinander fahren, auch wenn ein Radweg vorhanden ist. Gleichzeitig sollten Radsportler nicht bedingungslos auf diesem Recht beharren, sondern sich auch in die Lage anderer Verkehrsteilnehmer hineinversetzen und auf engen Straßen trotzdem Platz machen!“ Der Steirer erntete dafür einen regelrechten „Shitstorm“ mit unzähligen erbosten Reaktionen. Nicht nur auf Facebook, auch per E-Mail bekam der RAAM-Sieger trotz der durchaus differenzierten Aussage deftige Beschimpfungen von Autofahrern ab, die sich offenbar generell von Rennradlern provoziert fühlen. „Echt arg“, meint der Grazer zu den Reaktionen – „aber auch ein Spiegelbild dessen, wie es auf unseren Straßen zugeht. Schimpfen, schneiden, abdrängen – ein- bis zweimal pro Woche erlebe ich heftige Dinge auf meinen Trainingsfahrten, weil es wieder irgendjemandem ein Dorn im Auge ist, dass ich auf der Straße trainiere. Die kleinen Boshaftigkeiten, die dabei tagtäglich vorkommen, zähle ich gar nicht mehr.“ (Renn-)Radfahrer und der Straßenverkehr – ein heißes Eisen. Bei dem man trotz aller Dispute ans Miteinander appellieren muss. Schließlich steht auch in der Straßenverkehrsordnung, Paragraf 3, das „Gebot gegenseitiger Rücksichtnahme“. TEXT: Christof Domenig 52 SPORTaktiv

FOTOS: Thomas Polzer, ÖAMTC Abgesehen davon wollen wir hier Klarheit schaffen darüber, was Radfahrer von Rechts wegen wirklich dürfen, und was nicht. Nicht nur, was die Rennradler betrifft, sondern auch Mountainbiker, Trekkingbiker oder bikende Familien. Kurz: alle, die in der Freizeit sportlich mit dem Rad unterwegs sind. Mag. Eva Unger von der ÖAMTC-Rechtsberatung half uns dabei, die folgenden 15 Fragen im Sinn der Straßenverkehrsordnung (StVO) zu beantworten. Die Expertin MAG. EVA UNGER ist Juristin beim ÖAMTC. KONTAKT: www.oeamtc.at 1) DÜRFEN RENNRADFAHRER AUF DER STRASSE FAHREN, AUCH WENN EIN RADWEG VORHANDEN IST? „Rennradfahrer auf Trainingsfahrt sind von der Radwege-Benützungspflicht ausgenommen.“ So heißt es konkret in der Straßenverkehrsordnung. Sie können also, müssen aber nicht einen vorhandenen Radweg nutzen. Warum die meisten lieber auf der Straße fahren, liegt gerade bei kombinierten Geh- und Radwegen auf der Hand (siehe auch Frage 8). Entscheidender Faktor ist das Rennrad, das von Rechts wegen so definiert ist: Eigengewicht bis 12 kg, Felgendurchmesser bis 630 mm, Felgenbreite bis 23 mm. Der „geschwungene Rennlenker“ als Entscheidungskriterium wurde vor einigen Jahren abgeändert – Räder mit „allen Lenkerformen, wie sie bei Rennen verwendet werden“, sind nun mit eingeschlossen. Und als Kriterium für eine Trainingsfahrt sind „insbesonders jene Verhältnisse maßgeblich, die mit jenen bei einer radsportlichen Veranstaltung vergleichbar sind, wie Ausrüstung und gefahrene Geschwindigkeit“, erklärt Juristin Eva Unger. Aber, was ist zum Beispiel mit den neuen „Komfortrennrädern“ mit breiterer Bereifung? Oder das Fahren in normalen Sportschuhen, oder das lockere Dahinrollen im gemütlichen Tempo? „Das Rennrad ist im Prinzip exakt definiert – der Begriff ,Trainingsfahrt‘dagegen eher ungenau. Insgesamt kommt es auf die Gesamtumstände an, ob eine Trainingsfahrt vorliegt oder nicht“, meint die Rechtsexpertin. Heißt in der Praxis (die auch nicht allen Rennradfahrern bewusst ist): Käme es zu einem Streitfall, müsste ein Gericht entscheiden, ob eine Trainingsfahrt im rechtlichen Sinn vorlag oder nicht. 2) DÜRFEN RENNRADFAHRER AUF DER STRASSE NEBENEINANDER FAHREN? Ja, auf den erwähnten Trainingsfahrten dürfen Rennradfahrer auf der Straße nebeneinander fahren. Die Benutzung des äußersten rechten Fahrstreifens ist dabei vorgeschrieben. Die allgemeine Verkehrssituation (z. B., ob es sich um eine enge, kurvenreiche Straße handelt oder eine Gerade mit weiter Sicht) ist dabei von Rechts wegen unerheblich. Vernünftigerweise sollten Rennradfahrer dennoch nicht in jedem Fall auf ihrem Recht beharren, sondern die Gesamtsituation in ihre Entscheidung, ob Hintereinander- oder Nebeneinanderfahren angesagt ist, mit einbeziehen. So, wie es auch Christoph Strasser in seinem Posting gefordert hat. 3) WIE WEIT RECHTS MÜSSEN RADFAHRER UNTERWEGS SEIN? So weit, wie es möglich ist, ohne andere oder sich selbst zu gefährden. Zu geparkten Autos sollte der Abstand min- Nr. 4; August / September 2016 53

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