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SPORTaktiv August 2016

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ALLSPORT „Die Familie

ALLSPORT „Die Familie ist und bleibt das Fundament“ UNIV.-PROF. DR. PETER KAPUSTIN WAR 27 JAHRE LANG VORSTAND DES INSTITUTS FÜR SPORTWISSENSCHAFT AN DER UNIVERSITÄT WÜRZBURG, ARBEITETE ALS SPORTPÄDAGOGE IN DEN LETZTEN 30 JAHREN MIT VIE- LEN FAMILIENGRUPPEN AUS ÖSTERREICH UND BAYERN. „Alle Erfahrungen bestärken mich immer wieder in der Erkenntnis, dass die Familie trotz zunehmender Lebensstilveränderungen in der Verantwortung für die Erziehung und Bildung ihrer Kinder bleiben wird. Die musische Bildung, zu der auch die Bewegungs-, Spiel-, Tanz- und Sporterziehung zählt, ist eine hervorragende Chance zur Stärkung des Familienlebens und zur Stärkung emotionaler Bindungen im Familienkreis.“ Sportorientierte Familienaktivitäten erfordern nicht nur das Verantwortungsbewusstsein der Eltern oder auch Großeltern für die ganzheitliche Gesundheit, die Erziehung und Förderung ihrer Kinder bzw. Enkelkinder – „sie eröffnen auch den Erwachsenen nachhaltige und emotionsstarke Erlebnisse im Miteinander und Füreinander.“ Mit Gesundheit sei aber nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch das psychische und soziale Wohlbefinden gemeint – „also Wachstum, Organentwicklung, Immunkräfte, Selbstvertrauen, Lebensfreude, Erfolgserlebnisse, Integrationsfähigkeit, Kreativität.“ Für die gesundheitsorientierte Bewegungsund Sporterziehung unserer Kinder stehen aus Sicht von Peter Kapustin Eltern, Schule und Sportvereine in einer Verantwortungsgemeinschaft. „Kinder wachsen ja in den Einflussbereichen verschiedener ,Lebensinseln‘ auf: Familie, Kindergarten, Schule, Tagesstätte, Sportverein, Religionsgemeinschaften, aber auch in der digitalen Medienwelt. Die Frage ist: Sind diese Lebensinseln stark genug mit ,Brücken‘ verbunden? Gemeint ist damit, ob die Verantwortlichen, also Eltern, Erzieher, Lehrer, Kindertrainer usw., sich kennen, sich gemeinsam ihrer Verantwortung bewusst sind und auch koordiniert handeln.“ Oder anders gesagt: Um eine erfolgreiche, gesunde und sportliche Entwicklung unserer Kinder bwerkstelligen zu können, muss es eine Vernetzung ihrer Lebenswelten geben. Die Hindernisse liegen nach Ansicht des Sportpädagogen an der unzureichenden Einsicht von immer noch zu vielen Verantwortlichen in den Behörden, in der Schulpolitik, in Kommunen, im Finanzwesen – aber letztlich auch im mangelhaften Interesse der Eltern zum Beispiel am Schulsport ihrer Kinder. „Es gibt ja kaum Eltern, die sich über ausfallende Sportstunden oder die Qualität des Schulsports Gedanken machen oder sich gar mit diesbezüglichen Fragen an die Lehrkräfte bzw. Schulleitung wenden – obwohl sie vielleicht selbst sehr wohl die Sportprogramme von Vereinen oder Fitnessclubs in Anspruch nehmen.“ „Sportliche Eltern sollen auch ihre Kinder bewegen“ WOLFGANG KONRAD IST ORGANISA- TOR DES VIENNA CITY MARATHON UND INITIATOR DER AKTION „MOVE YOUR KIDS“ „Leider hat sich in unserer Gesellschaft das Abschieben von Verantwortung fest eingenistet. Allein die Schule hat sich von einer reinen Bildungseinrichtung auch zu einer Erziehungseinrichtung gewandelt. Erziehung findet in manchen sozialen Schichten nicht mehr im Elternhaus statt, sondern in der Schule. Und genauso ist es mit der Bewegung und dem Sport.“ Auch das war ein Beweggrund, warum Wolfgang Konrad das Projekt „Move your kids“ ins Leben gerufen hat. „Wir wollen mit dieser Kampagne die Eltern motivieren, gemeinsam mit ihren Kindern Bewegung bis hin zum richtigen Sport zu betreiben. Wir sprechen ja beim Vienna City Marathon ein bereits sportives Publikum an, Tausende davon sind schon Eltern. Diese sport- und freizeit orientierten Eltern motivieren wir, neben ihren eigenen Bewegungseinheiten auch noch Zeit für die eigenen Kinder aufzubringen und in gemeinsame Bewegung zu investieren.“ FOTOS: Sportforum Schladming/gepa-pictures, privat 84 SPORTaktiv

„Laufen und Laufrad statt Kinderwagen und Auto“ JAN HOLZE, VORSTANDSMITGLIED DER DEUTSCHEN SPORTJUGEND, MIT SCHWERPUNKT „KINDERWELT IST BEWEGUNGSWELT“. „In den ersten Lebensjahren sind Eltern die wichtigste Orientierungsgröße für ihre Kinder, bevor diese sich nach dem Eintritt ins Schulleben und dem Pubertätsbeginn zunehmend an ihrer peer-group orientieren. Die Aufgabe der Eltern ist es daher, den Kindern einen bewegten Lebensstil vorzuleben und den Alltag mit Kindern bewegungsreich zu gestalten. Konkret bedeutet dies Laufen und Laufradfahren statt Kinderwagen und Auto. Kinder begreifen die Welt und die ihr zurgrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten vor allem durch Bewegung, Spiel und Sport. Kinder verstehen das Geheimnis der Schwerkraft nicht durch theoretische Wissensvermittlung, sondern indem sie erleben, dass Gegenstände, die sie in die Luft werfen, immer wieder zu Boden fallen, und indem sie erfahren, dass sie Kraft aufbringen müssen, um sich und ihren Körper im Raum zu bewegen.“ An die Sportvereine sandte Jan Holze die Botschaft: „Kleinkinder gehen noch nicht allein in den Sportverein. Die Angebote des organisierten Sports müssen daher auf Kinder und auf Eltern gleichermaßen abgestimmt sein.“ Wer eine aktive Gesellschaft mit bewegten Kindern möchte, müsse aber auch die politischen Rahmenbedingungen entsprechend gestalten, appellierte der Deutsche. „Dazu gehört auch, dass Sport und bewegtes Lernen als Bausteine in der Ausbildung von Erziehern und Lehrern fest verankert sind; aber auch eine bewegungsfreundliche Stadtplanung sowie die Bereitstellung von Sportinfrastruktur wie Turnhallen und Schwimmbäder.“ Dabei gehe es nicht darum, ob die Eltern selbst Sport mögen. „Jedes Kind hat unabhängig von den Neigungen seiner Eltern ein Recht auf Bewegung. Wie viel Sport ein Kind machen sollte, hängt vom Kind ab. Es gibt keinen goldenen Mittelweg – jedes Kind ist anders.“ Für alle gleich aber ist der Wert und der Nutzen, den der Sport stiftet: „Teamfähigkeit, Willensstärke sowie der Glaube an die eigene Stärke und Gestaltungskraft sind Werte, die der Sport vermittelt und die gerade für junge Menschen wichtig sind.“ „Die ganze Familie trägt zur sportlichen Entwicklung bei“ PROF. DR. ANDREAS HOHMANN IST PROFESSOR FÜR SPORT- WISSENSCHAFT AN DER UNI BAYREUTH. Der deutsche Sportwissenschafter befasste sich mit der oft kritisierten Rolle von überehrgeizigen Eltern speziell im Nachwuchsleistungssport, stellte gleich zu Beginn klar: „Sicher, im negativen Fall können überehrgeizige Eltern ihr Kind auch überfordern. Damit verbunden sind die Gefahren der Bevormundung der Kinder und der unzulässigen Beeinträchtigung der Autonomie des Trainers.“ Grundsätzlich aber könne die Rolle der Eltern und auch die Vorbildwirkung der Geschwister gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. „Neben dem zeitlichen und finanziellen Unterstützungsaufwand übernehmen Eltern häufig auch die Mediatoren-Funktion bei schulischen Problemen, oder auch wichtige Ämter im Verein bis hin zur Rolle des Trainers. Im Zuge der allmählichen ,Versportlichung‘ der familiären Lebenswelt trägt die gesamte Familie mit ihren Planungs- und Kompensationsleistungen sehr positiv und meist uneigennützig zur erfolgreichen Entwicklung eines Kindes im Nachwuchsleistungssport bei.“ EINWURF Kaiserliche Geste mit großen Folgen Vor genau 250 Jahren öffnete Kaiser Joseph II. sein einstiges Jagdrevier im Wiener Prater für das einfache Volk. Es ist wohl nicht vermessen zu behaupten, dass sich mit dieser Geste das Freizeit- und Bewegungsangebot für viele Bürgerinnnen und Bürger aller Gesellschaftsschichten und jeden Alters schlagartig erhöhte. Bis heute sind im Wiener Prater so viele Sportstätten, Laufstrecken, Rad- und Reitwege auf kompaktem Raum komprimiert wie sonst wohl in keinem europäischen Hauptstadtzentrum. So war es nur folgerichtig, den diesjährigen „Tag des Sports“, der aufgrund des provisorischen Parlamentsumzuges nicht mehr am Heldenplatz stattfinden kann, ins Areal des Praters zu verpflanzen. Dort, wo Sport wirklich stattfindet, dort, wo ohnedies Tag für Tag und das ganze Jahr über von Zigtausenden Einheimischen und Gästen Sport betrieben wird, ist auch der „Tag des Sports“ bestens aufgehoben. Die 16. Ausgabe dieser Großveranstaltung wird natürlich auf bewährte Konzepte aufbauen. Es soll wieder eine große Leistungsschau aller Verbände werden, die Besucherinnen und Besucher aller Altersgruppen sollen sich wieder umfassend über die enorme Palette an Möglichkeiten zur körperlichen Betätigung informieren können – und vor allem: Sie sollen die Möglichkeit haben, gleich vor Ort die verschiedensten Sportarten auszuprobieren. Aufgrund der neuen Location können auch die zahlreichen umliegenden Vereinsgelände in den Veranstaltungsablauf eingebunden werden. Ich bin überzeugt, dass dieses neue und engagierte Konzept von vielen Menschen angenommen wird und freue mich schon auf den 24. September! Mit sportlichen Grüßen, Dr. Samo Kobenter Sektionschef BMLVS Nr. 4; August / September 2016 85

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