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SPORTaktiv August 2021

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VON WUNDERN UND TEMPELN

VON WUNDERN UND TEMPELN UND NEUEN PERSPEKTIVEN WIE GEHT LEGALES BIKEN IN ÖSTERREICH? FORTSETZUNG UNSERER SERIE ZUM THEMA MOUNTAINBIKEN MIT EXKURSEN IN DIE WACHAU, NACH MÖDLING UND NEUEN IDEEN FÜRS GANZE LAND. VON CHRISTOPH HEIGL Wie macht’s ihr das bitte? Diese Frage bekommen die Macher der „Trailarea Göttweig“ oft gestellt. Wir stehen unweit der Donau am Parkplatz („Base“) unterhalb des imposanten Stiftes Göttweig in Niederösterreich und Martin Samek holt aus zu einer Story, die ungefähr so unglaublich klingt wie viele Geschichten aus dem Alten Testament. Fotos: Christoph Heigl 72 SPORTaktiv

Blick vom Husarentempel bei Mödling auf Wien. Überraschung: Hier kann man exzellent biken. Und man darf es auch. Kirche goes Bike. Es war nämlich das Benediktinerstift Göttweig, das die Initiative zu den legalen Mountainbike-Trails ergriff. Der ganze Göttweiger Berg, schon ab 2000 vor Christus besiedelt, ist im Besitz des Stiftes, das selbst auf eine knapp 1000 Jahre alte Geschichte zurückblicken kann. Klar, dass bei so einer Historie auch jahrhundertealte Wege über den gesamten Berg laufen, der sich mit seiner Höhe von 430 Meter nur etwa 200 aus der Ebene erhebt. Tiroler würden es wohl „Hügel“ nennen. Aber Mountainbiker aus der gesamten Region entdeckten die Göttweiger Pilgerpfade und Wanderwege als ideale Bike-Trails für sich – zunächst illegal. Als Konflikte mit Wanderern entstanden, kam es aber nicht wie zu erwarten zum Streit und zu juristischen Schritten des Stiftes, sondern ganz im Gegenteil zu einem großzügigen Angebot. „Das Stift würde Teile des Stiftswaldes zur Verfügung stellen, um Mountainbiketrails bauen zu lassen“, erzählt Samek die Vorgeschichte. „So ist unser Verein ,Trailwerk Wachau‘ entstanden.“ Es wird aber noch besser, denn der Leiter des Forstamtes des Stiftes stellte sich als begeisterter Mountainbiker aus Ramingstein (S) heraus. Sein Name: Pater Maurus. Mit ihm gibt es bestes Einvernehmen, der Pater hilft sogar beim Ausräumen des Altholzes. Ebenso unerwartet: Die Trails sind kein touristisches Projekt und werden nicht kommerziell vermarktet und verwertet. „Es kommen schon so viele zu uns, viel mehr müssen es nicht werden“, meint Vereinsobmann Samek mit Augenzwinkern über das „Geheimprojekt“ in der Wachau. Der „Mehrwert“, den die Trailarea in der Konfliktvermeidung liefert, sei schon Erfolg genug. „Ein herausragender Kompromiss für Radfahrer“, titelte „Die Presse“. So geheim ist es also nicht und somit darf verraten werden: Seit 2018 sind am Göttweiger Berg 16 Bike-Trails mit einer Gesamtlänge von mehr als 20 Kilometern (!) entstanden, die Strecken tragen Namen wie Schickhnway, Potschnweg, Brettljausn, Pandemie, Warteschleife und Anno1083 (das Gründungsjahr des Stiftes). SPORTaktiv-Selbsterfahrung: Die Trails sind sehr kreativ und spielerisch angelegt, von leicht (Kinder) bis richtig schwer, machen trotz weniger Höhenmeter im ständigen Auf und Ab viel Spaß, auch bergauf. Ebenfalls vorbildlich: Der Verein appelliert auf seiner Website an die Biker: „Unsere Projekte bekommen viel Vertrauensvorschuss, bitte bestätigt durch euer Verhalten, das wir Mountainbiker dieses Vertrauen auch verdienen.“ Im südlichen Niederösterreich findet sich ein weiteres Projekt, dass zeigt, dass SPORTaktiv 73

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