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SPORTaktiv Bikeguide 2018

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ZWEI HERZEN IN EINER

ZWEI HERZEN IN EINER BRUST Haben Sie den Aufkleber „Achtung, bikerfeundlicher Jäger“ am Auto? Nein, aber manchmal wäre der nicht schlecht (lacht). Wie kürzlich, als ich als Jäger vom Hochstand runterkomme und mich von Weitem ein Mountainbiker auf der Forststraße sieht. Der hat auf der Stelle umgedreht und ist davongerast. Dabei wollt ich ihm zurufen: Vor mir brauchst ka Angst ham, i tua da nix! Verstehen alle Jagdkollegen ihre Biker-Sympathien? Manche haben nicht unbedingt Verständnis dafür. Wer mir mit Schwarz-Weiß-Denken und Gut-und-Böse- Mustern kommt, ist bei mir aber eh beim Falschen. Aber angefeindet werde ich nicht, ganz im Gegenteil. Wie sind Sie zum Biken gekommen? Ich bin Mountainbiker der ersten Stunde, schon seit Ende der 1980er. Damals bin ich mit meinem Scott Boulder völlig konfliktfrei auf Forststraßen gefahren, kaum jemand hat Mountainbiken gekannt. Die Liebe zur Natur hat sich dadurch und auch durchs Berggehen weiter vergrößert. Und seit wann sind sie Biker UND Jäger? Ich wollte einfach noch mehr über die Natur, über die Tiere und ihre Lebensweise wissen. Wobei ich am Anfang noch gesagt hab: Ich will auf keinen Fall schießen (lacht). Jäger bin ich seit zehn Jahren. Seitdem verhalte ich mich in der Natur ganz anders, die Zusammenhänge sind mir klarer. Ich nehme mich zurück. Mit der Stirnlampe abends oder nachts durchs Gelände fahren, das mache ich nicht mehr. Jetzt schlagen eben zwei Herzen in meiner Brust. Und damit wird mir die Unwissenheit auf beiden Seiten bewusst: Der Jäger hat wenig Verständnis für das ungezügelte Freizeitverhalten der Natur- 68 SPORTaktiv

ANDREAS WERNIK IST JÄGER UND MOUNTAINBIKER. ER KENNT AUF BEIDEN SEITEN DIE REGELN UND DIE SCHWARZEN SCHAFE. DER ZERRISSENE IM INTERVIEW ÜBER SINGLETRAILS, ROTWILD UND RANGE ROVER. INTERVIEW: CHRISTOPH HEIGL FOTOS: THOMAS POLZER nutzer, der Naturnutzer wenig bis kein Wissen über den Förster und Jäger. Hatte der Mountainbiker Wernik Konflikte mit Jägern? Ja klar, ich bin mehrmals angehalten worden, einmal vor 20 Jahren unmissverständlich sogar mit einer Waffe. Aber ich hatte immer Respekt und habe nie jemanden beschimpft. Und wenn ich jetzt als Biker im Wald angehalten werde, versuche ich es mit Aufklärung meiner Jagdkollegen. Zum Beispiel, dass in der prallen Mittagssonne das Wild eh nicht unterwegs ist. Also mehr mit Hausverstand als mit Gesetzen. Es ist leichter, wenn auf beiden Seiten Verständnis da ist. Gibt es mehr Konflikte im Wald als früher? Natürlich. Die Bevölkerung wird laut Studien bald zu 75 Prozent in städtischen Ballungsräumen leben. Diese Menschen wollen dann zum Ausgleich in die Natur und das ist auch gut so, weil es auch im Sinne der Prävention und Gesundheit ist, dass wir, vor allem die Kinder, uns mehr bewegen. Vor 40 Jahren hat es Wanderer und Schwammerlsucher gegeben. Heute sind Unmengen an Läufern sowie Walker, Geo-Cacher, Schneeschuhwanderer, Skitourengeher, Quadfahrer und E-Biker unterwegs. Die Zahl und Aufenthaltsdauer der Menschen in der Natur hat sich enorm vergrößert, der Naherholungsraum Wald ist aber gleich geblieben. Das führt zu Konflikten. Und weil alle berufstätig sind, drängt es sie in den Tagesrandzeiten in den Wald. Wenn ich um 5 Uhr früh am Hochstand sitze, biken schon die Ersten mit Stirnlampen Richtung Berg. Und um 21 Uhr kommen die Letzten von den Hütten. Ich verstehe das, aber den Wildtieren bleibt weniger Ruhezeit. SPORTaktiv 69

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