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SPORTaktiv Bikeguide 2020

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W ir alle fahren halt

W ir alle fahren halt verdammt gerne Bikes“, wird Jan Talavasek im Verlauf des Gesprächs noch sagen. Gefragt hatten wir nach den Gründen für den Erfolg der Räder. Ist es so einfach? Wohl nicht. „Innovate or die“ haben sich die Kalifornier schon vor Jahrzehnten auf die Fahnen geschrieben, also die permanente Neuerfindung. Wie schaut das 2020 in der Praxis aus? Auf der Suche nach den Ideengebern und Innovationen, die die Radbranche antreiben, haben wir trotz Produktionsstress und Coronakrise ein offenes Ohr bei Jan Talavasek gefunden. Er lässt uns die Tür einen Spalt weit offen und einen Blick hinter die Kulissen der Produktentwicklung werfen. Der Deutsche ist Entwicklungssleiter von Specializeds großer E-Bike-Abteilung und eine echte Koryphäe. Einst bei der deutschen Kultschmiede Votec, wurde Talavasek von Specialized-Gründer Mike Sinyard persönlich angeworben und arbeitete in den USA an der Entwicklung der normalen Mountainbikes. Ab 2010 dann auch am Prototyp des ersten E-Bikes „Turbo S“, eines Stadtflitzers, der 2012 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Gibt’s den noch? „Ja, klar“, lacht Talavasek, „der geht auch heute noch ganz gut, auch wenn das Konzept mit Nabenmotor natürlich seine Grenzen hat.“ 2011 war Talavasek in die Schweiz übersiedelt, wo er für Specialized mit Produktmanager Marco Sonderegger auf dem Gelände einer alten Papierfabrik in Cham die E-Abteilung („Grob gesagt alles, was Kabeln und Stecker hat“) aufbaute. „Damals haben wir zu viert begonnen, jetzt sind wir 30 Designer, Ingenieure und Entwickler“, erzählt er. Alles, was bei Specialized mit dem trendigen Thema E JAN TALAVASEK arbeitet seit 15 Jahren bei Specialized, zunächst als Bike-Entwickler in den USA, jetzt als Entwicklungsleiter für E-Bikes („Director Turbo Technology”) bei Specialized Europe in Cham (Schweiz), er ist einer der Väter des ersten Specialized-E-Bikes „Turbo S“ (2012), aktuell Chefentwickler von Levo, Kenevo, Creo und Co. 18 SPORTaktiv

Fotos: Specialized SO KOMMT DAS „E“ INS BIKE VOLL UNTER STROM IST DER ENTWICKLUNGSPROZESS BEI E-MOUNTAINBIKES. JAN TALAVASEK GEWÄHRT UNS EINEN EINBLICK BEI SPECIALIZED, EINEM DER GRÖSSTEN UND INNOVATIVSTEN HERSTELLER. HIER WIRD DIE ZUKUNFT VORANGETRIEBEN. VON CHRISTOPH HEIGL zu tun hat, kommt aus dem beschaulichen Cham. Am brandneuen E-MTB Levo SL steht „California Design, Swiss Engineered“ am Rahmen. Specialized ist eine große Nummer in der Radszene. Mit den 30 Entwicklern in der Schweiz kommt man weltweit auf bis zu 300 Mitarbeiter, die Research & Development machen, dazu externe Partnerfirmen. „Wir profitieren von einem wirklich starken Team“, sagt Talavasek. „Innovation Centers“ wie jenes in Cham hat man natürlich in den USA, in Deutschland, Taiwan, China und Vietnam. Die Mitarbeiter haben unterschiedlichsten Background. „In Cham ist so ziemlich alles vertreten: Industrial Design, Product-Managers, Project-Managers, Mechanical Engineers, Electronik- und Software-Engineers, Mechaniker, Techniker, Dealer-Service, Data- Support.“ Muss man dezidiert Radfahrer sein, um einen Job bei Specialized zu bekommen? „Bei uns haben alle die Leidenschaft fürs Radfahren, sonst überlebt man bei uns nicht“, scherzt Talavasek. Dass man in der Entwicklungsarbeit den ganzen Tag am Rad sitzt, ist aber nur eine romantische Vorstellung. „Wir fahren viel. Aber wir sitzen auch viel vor den Laptops, haben strikte Deadlines, komplexe Problemstellungen und Arbeitszeiten fern der Normalzeiten. Das passt nicht zu jedem.“ Specialized beherrscht einen Trick besonders gut: Obwohl es ein Millionenkonzern ist, schafft man es, kalifornischen Hippie-Charme und den Kultfak- tor einer gewitzten Garagenfirma (Firmengründer Sinyard startete 1974 mit dem Verkauf italienischer Komponenten aus einem Anhänger heraus) in die Gegenwart zu hieven. Hightech-Big-Business und Freak-Stuff, wie geht das? Zum einen mit Humor. „People say, I am good at making coffee“, steht etwa als Jobbeschreibung bei Talavaseks LinkedIn-Profil. „Und wir stellen nur Leute an, die genauso sind wie wir. Wir arbeiten in kleinen, dynamischen Teams und bewahren uns so den Start-up-Spirit. Nur, dass hinter der Start-up-Bude ein Riesenkonzern steht. Aber das ist einfach in der DNA von Specialized.“ Und dann ist noch der Umgang mit Mitarbeitern. „Klar hast du das Rad am Arbeitsplatz und du drehst bei schönem Wetter mal eine Runde. Das funktioniert ganz gut. Aber am Ende muss alles fertig sein und dann ist es doch ein knallhartes Business. Diese Spreizung ist brutal schwierig.“ Das Radgeschäft ist getrieben von ständigen Innovationen und ein sehr schnelllebiges Segment. „Und viele unserer Kunden sind ,early adopters‘ – die erwarten von uns, dass wir immer vorne dabei sind. Für uns ist das eine Ehre, wenn Kunden unsere Produkte kaufen, Rennfahrer auf unseren Bikes gewinnen und wir eine endlose Liste an Testsiegen, Awards und Preisen einheimsen. Ja, der Druck ist hoch, aber wieder: Das ist unsere DNA.“ Kreativität ist auch ein großes Thema SPORTaktiv 19

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