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SPORTaktiv Dezember 2016

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OUTDOOR LEICHT TRAGEN

OUTDOOR LEICHT TRAGEN FUTURA 26 SERIE HIKING wort Gletscherspalten – dazu kommen. Um mit solchen Gefahren umgehen zu können, ist auch Wissen über die richtige Verwendung des Seils am Gletscher und das Beherrschen der nötigen Rettungstechnik notwendig, um im Falle des Falles rasch und wirkungsvoll reagieren zu können. Dass man den Umgang mit Pickel und Steigeisen gewohnt sein soll, versteht sich sowieso. Auf Skihochtouren müssen oft auch Kletterpassagen überwunden oder Schnee- bzw. Felsgrate begangen werden. Außer dem Beherrschen der Seil- und Sicherungstechnik ist damit natürlich auch meistens absolute Trittsicherheit und Schwindel freiheit erforderlich. Ein wichtiger Punkt ist die Orientierung: Neben der bereits vorab durchgeführten Tourenplanung ist die Verwendung von genauen topografischen Karten (Maßstab 1:25.000, Höhenschichtlinien alle 20 m) eine wichtige Voraussetzung dafür. Ein GPS-Gerät kann bei der Orientierung helfen – allerdings nur, wenn man gut damit umgehen kann, die richtigen Landkarten auch am Gerät verfügbar sind und idealerweise auch die Tourenplanung in Form von Routen oder Tracks am Gerät abgespeichert ist. GPS-Handy-Apps wiederum sind nur dann hilfreich, wenn sie auch offline funktionieren und die Landkarte anzeigen können. Denn im Hochgebirge hat man meist keinen Internet-Empfang. Generell gilt: Ein GPS-Gerät kann niemals eine Landkarte ersetzen, sondern stellt nur ein zusätzliches Hilfsmittel dar. MUT ZUM ABBRUCH Sollte bei einer Skihochtour die Sicht schlecht werden, gilt im Zweifel: Abbruch der Tour! Und zwar rechtzeitig, jedenfalls noch bevor ein vollständiger Orientierungsverlust eintritt. Bei solchen Entscheidungen ist es auch wichtig, nicht nur die momentane Situation zu betrachten, sondern auch die erwartbare Entwicklung der nächsten Stunden mit einzubeziehen. Bei der heutigen Treffsicherheit der Wetterberichte sollte eigentlich niemand mehr vom Eintreffen einer Kaltfront überrascht werden. Ebenfalls zu bedenken ist auf Skitouren, bei denen auf Berghütten übernachtet wird, dass man keinen täglichen Zugriff auf den aktuellen Lawinenlagebericht hat. Zwar bemühen sich die Hüttenwirte meist redlich, aktuelle Informationen zur Verfügung zu stellen, die Situation auf den einzelnen Hütten ist jedoch stark unterschiedlich, und der Empfang von Internet am Handy auf Berghütten nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel. Für Gruppen, die ohne organisierte Führung unterwegs sind, ist es daher unerlässlich, die nötigen Kenntnisse und Erfahrungen zu haben, um die Entwicklung der Schnee- und Lawinensituation zwischendurch auch selbst beurteilen zu können. NICHT NUR DER SPUR FOLGEN Ich denke, man hat nun einen Eindruck davon, warum mehrtägige Skihochtouren zu den Königsdisziplinen des Bergsports zählen. Das nötige Wissen ist komplex und kann genauso wie die Erfahrung nur über Jahre Tourenpraxis erworben werden. Kurse, in denen Grundlagenwissen vermittelt wird, werden von alpinen Vereinen wie den Naturfreunden oder von Alpinschulen angeboten. Für Neueinsteiger ist es wichtig, zunächst mit erfahrenen, besonnenen und kundigen Kameraden unterwegs zu sein. Für alle, die nicht das Glück haben, einen Routinier zu kennen und von ihm mit auf Tour genommen zu werden, sind heute zahlreiche organisierte Unternehmungen buchbar. Alpine Vereine wie die Naturfreunde bieten zahlreiche Touren in allen Anspruchsklassen an, auch bei Bergführerbüros sind Touren buchbar – und für individuelle Tourenwüsche kann man einfach einen Bergführer engagieren. Um sich zum selbstständigen Skibergsteiger zu entwickeln, reicht es dann aber nicht, einfach der Spur des Guides zu folgen. Jeder gute Berg- und Tourenführer wird gern alle Fragen beantworten. Für mich trifft das jedenfalls absolut zu. Ich habe in meinem Leben schon viele großartige Skihochtouren erleben dürfen. Die Erfahrungen daraus mit anderen zu teilen und mein Wissen an weniger routinierte Bergsportler weiterzugeben, das macht mir heute fast genauso viel Freude wie die Touren selbst! FOTOS: Peter Plundrak www.deuter.com 108 SPORTaktiv

„HOCH TIROL“, „HAUTE ROUTE“ UND CO. Diese Skihochtouren kann Naturfreunde-Experte Peter Plundrak aus seiner eigenen Erfahrung heraus aufs Wärmste empfehlen: JE NACH SKITECHNISCHEM UND ALPINISTISCHEM KÖNNEN GIBT ES für fast jeden die passende Skihochtour: Von einfachen „Gletscherhatschern“ mit genussreichen Abfahrten über mäßig steiles Gelände bis zu anspruchsvollen Bergfahrten mit schwierigen Kletterpassagen, ausgesetzten Gratbegehungen im Schnee und Fels sowie extremen Steilabfahrten reicht die Bandbreite. HIER NUR EIN PAAR VORSCHLÄGE: DIE HAUTE ROUTE ist die traditionelle Skidurchquerung von Chamonix (F) nach Zermatt (CH) und die bekannteste aller Skihochtouren. Sie gilt im Allgemeinen (vor allem, wenn sie mit einer kundigen Führung unternommen wird) als nicht sehr schwierige Skidurchquerung. Der Anspruch besteht vor allem in der konditionellen Anforderung, eine ganze Woche durchzuhalten. Ein guter Skifahrer im freien alpinen Gelände, auch bei schwierigen Schneeverhältnissen, sollte man aber trotzdem auf jeden Fall sein. DIE „HOCH TIROL“ hat sich als „österreichische Haute Route“ einen Namen gemacht. Sie führt vom Südtiroler Ahrntal aus quer durch die Hohen Tauern, wobei mit dem Großvenediger, dem Sonnblick und dem Großglockner auch einige der schönsten und höchsten Gipfel unseres Landes erreicht werden. Der Anspruch ist mindestens gleich hoch, wenn nicht sogar noch etwas höher als bei der „originalen“ Haute Route. ALLEIN IN ÖSTERREICH sind auch viele andere Skidurchquerungen möglich, die man sich am besten je nach gewünschtem Anspruchsniveau individuell zusammenstellt (oder zusammenstellen lässt): IN DEN ÖTZTALER ALPEN (T) sind tolle Durchschreitungsvarianten möglich, wobei neben der Wildspitze auch andere klingende Gipfelnamen wie der Similaun, die Finailspitzen, die Weißkugel, die hintere Schwärze, der Hochvernagt, der Schalfkogel und die Hohe Wilde als Gipfelziele zur Auswahl stehen. DIE SILVRETTA (V, T) bietet ebenfalls viele Möglichkeiten, wobei der Große Biz Buin und die Dreiländersitze die bekanntesten Gipfelziele sind. DIE HOHEN TAUERN (K, S, T) ODER DIE STUBAIER ALPEN (T) bieten ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten für Skidurchschreitungen bzw. mehrtägige Skihochtouren. DIE ORTLERGRUPPE in Südtirol steht auch für rassige Skihochtouren zur Verfügung. Impressionen von oben. Jede Skihochtour lebt auch vom Gemeinschaftserlebnis. Wenn das Wetter passt, ist das Gipfelerlebnis mit Fernblick im Winter mit nichts zu vergleichen. Nr. 6; Dezember ’16 / Jänner ’17 109

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