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SPORTaktiv Dezember 2016

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BIKE Ob Rennradfahrer

BIKE Ob Rennradfahrer oder Mountainbiker. Das „Watt-Training“ wird auch für leistungsorientierte Hobbyradler immer interessanter. Eine Frage der Leistung WATTMESSUNG STATT PULSMESSUNG. Im Profi-Radsport ist wattbasiertes Training seit Langem üblich. Mit dem Fallen der Preise für die benötigte Technik steigt aber auch das Interesse der Hobbyradsportler an der Wattmessung. Wie sich mit wenig Zeitaufwand ein Mehr an Trainingseffekt erzielen lässt: Wir zeigen, was beim „Watttraining“ Stand der Dinge ist. FOTOS: Stages Cycling TEXT: Wolfgang Preß 72 SPORTaktiv

Ein kleiner Blick in die Sportgeschichte: Vor annähernd 20 Jahren, im April 1997, gewann der Däne Bjarne Riis den Frühjahrsklassiker „Amstel Gold Race“ in Holland. Er war der erste Sieger eines Profiradrennens, der mit einer Kurbel des deutschen Ingenieurs Ulrich Schoberer, genannt „SRM PowerMeter“, unterwegs war. Und damit war er auch der erste, der auf eine neue, wissenschaftliche Methode setzte: auf die wattbasierte Leistungsmessung. Mit dieser Methode konnte Riis zu jeder Zeit im Rennen genau sagen, wie viel Kraft er auf die Pedale brachte. Erinnern wir uns zum besseren Verständnis kurz an den Physik-Unterricht zurück: Watt ist die Einheit für die Leistung. Und diese definiert sich als „Energieumsatz pro Zeitspanne.“ So weit, so gut. Wie aber funktioniert diese Messung der fürs Vorankommen eingesetzten Energie nun genau bei einem Rad? Beim Treten registrieren spezielle Sensoren, genannt Dehnmessstreifen, je nach verwendetem System schon minimalste Verformungen in der Tretkurbel, in der Hinterradnabe oder in der Pedal achse. So wird das Drehmoment gemessen, und zusammen mit der durch einen weiteren Sensor ermittelten Trittfrequenz wird die Leistung errechnet, die in Watt auf dem Display angezeigt wird. Zuvor hatten Radsportler, um objektive Leistungsdaten zu erhalten, nur die Herzfrequenz als Basis. Diese unterliegt allerdings zahlreichen Einflussgrößen und ist kein wirklich verlässlicher Gradmesser für den „Output“, da der Herzschlag stets nur verzögert auf Belastungen reagiert. Die Wattzahlen aus einem „Powermeter“ zeigen dagegen eindeutig, was der Sportler in genau diesem Moment leistet: Fährt man einen Berg hoch, schnellen die Wattzahlen sofort nach oben, während die Herzfrequenz erst verzögert steigt. Der Puls unterliegt zudem vielen Einflüssen, die Verfälschungen verursachen können: Emotionen, Flüssigkeitsmangel, hohe Temperaturen oder auch die Ernährung. Ein einfaches Beispiel aus der Praxis zeigt den Unterschied: Wenn man im Hochsommer bei 35 Grad den Home trail entlang brettert, leistet das Herz Schwerstarbeit; die gleiche Strecke bei 15 Grad ist für das Herz weit weniger fordernd. Watt dagegen bleibt Watt – egal, ob es hagelt oder ob man gerade fünf Kaffee getrunken hat ... IDEALES TRAININGSINSTRUMENT „Das alles macht die Leistungsmessung zum idealen Trainingsinstrument“, sagt Björn Geesmann, Leiter des Sport-Diagnose-Instituts „Staps“ in Köln, wo sich unter anderem auch der Lienzer MTB-Marathon-Weltmeister Alban Lakata betreuen lässt. „Mit dieser Methode wird das Einhalten der Trainingsbereiche präziser, auch die möglichen Analysefunktionen mit einem Leistungsmesser werden um ein Vielfaches höher. Im Grunde wird Trainingssteuerung deutlich objektiver und somit auch qualitativ besser. Sowohl Intervall- als auch Grundlagentraining lassen sich exakter dosieren, unabhängig von externen Faktoren wie Wind, Streckenprofil oder Untergrund.“ Alban Lakata selbst sieht als größten Vorteil, „dass die Wattleistung unbestechlich ist und mir immer zeigt, wie fit ich wirklich bin. Und zwar unabhängig von äußeren Einflüssen. Oder auch von meiner subjektiven Wahrnehmung. Manchmal fühle ich mich total mies beim Training – und stelle nachher fest, dass meine Werte sogar richtig gut waren.“ DIE VORTEILE FÜR FREIZEITBIKER Alles klar soweit. Was aber haben wir Freizeitbiker davon? Dazu gleich die gute Nachricht: Die Technologien zur Wattmessung werden immer besser, aber auch immer günstiger – und so wird wattbasiertes Training auch für leistungsorientierte Freizeitbiker zunehmend interessant. Für Rennradfahrer wie auch für Mountainbiker, etwa aus der Marathon-Szene. Und da der Winter die ideale Zeit ist, nach Optimierungspotenzial zu suchen und folglich auch, um neue Trainingsmethoden für sich in Betracht zu ziehen, passt diese Geschichte perfekt zur Jahreszeit. „Dass Wattmessung im Freizeitsport bisher nur eine kleine Rolle spielt, hat vor allem mit den Kosten zu tun“, diese Überzeugung hört man oft. Rund 800 Euro aufwärts werden dafür heute noch fällig. Nicht wenig, aber bereits deutlich unter dem, was die Geräte vor wenigen Jahren noch kosteten. Und der Trend bei den Preisen zeigt weiter nach unten. Hobbyfahrer denken auch oft, dass sich bei ihren geringen Trainingsumfängen ein Wattmesser nicht lohnt – doch das ist ein Irrtum: Gerade, wer wenig Zeit ins Training investieren kann, sollte diese auch möglichst effizient nutzen. Die Powermeter-Messtechnik ist inzwischen ausgereift und in unterschiedlichen Varianten verfügbar. Standard sind Tretkurbel-Systeme wie zum Beispiel das „Powermeter“ von Stages Cycling, oder auch jenes der Sram-Tochterfirma Quarq. Beliebt, weil einfach zu nutzen, ist daneben auch die „Kraftmessnabe“, etwa von Powertap: Der Hersteller bietet dafür fertige Laufradsätze an, die man an unterschiedlichen Rädern nutzen kann. Nr. 5; 6; Oktober Dezember / November ´16 / Jänner 2016 ´17 73

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