Aufrufe
vor 1 Jahr

SPORTaktiv Dezember 2016

  • Text
  • Sportaktiv
  • Dezember
  • Zeit
  • Menschen
  • Ziel
  • Stunden
  • Bewegung
  • Kilometer
  • Wirklich
  • Langlaufen
  • Magazin

PERSONALITY IM

PERSONALITY IM BLICKPUNKT DIE „EHREN- AMTLICHEN“ „ES WAR MIR IMMER EINE EHRE! “ SIE FÖRDERN DIE HOBBYS DER ANDEREN und opfern dafür ihre eigene Freizeit. Sie arbeiten hinter den Kulissen und stehen doch oft öffentlich in der Kritik. Ihr Lohn? Ein Händedruck. Denn Sportfunktionär zu sein ist ein unbezahltes „Ehrenamt“. Der Wiener Werner Brunner ist einer von den rund 500.000 Funktionären, die Österreichs Sport am Leben erhalten. Herr Brunner, erlauben Sie uns gleich eine provokante Frage: Herzensangelegenheit, Lebenswerk oder einfach nur Gewohnheit – was bewegt einen Menschen, mehr als 53 Jahre, also fast ein ganzes Leben lang, Funktionär bei einem Sportverein zu sein? Ob Sie es glauben oder nicht: Es war immer und ist auch heute noch eine echte Herzensangelegenheit. Unter anderen Befindlichkeiten kann man so eine Aufgabe nicht machen. Damit man eine Vorstellung bekommt: Wie viele Stunden Freizeit haben Sie in all den Jahren in Ihre Vereinstätigkeit gesteckt? Keine Ahnung, ich hab da nie Buch geführt. Es gibt Zeiten vor Veranstaltungen oder bei der Entwicklung neuer Projekte mit einem besonders hohen Zeiteinsatz. Bei „normalem“ Betrieb konnte ich die Aufgaben mit einem vernünftigen Zeitmanagement ganz gut neben meiner doch intensiven Berufstätigkeit erledigen. Wie hat das begonnen mit Ihrer Vereinskarriere bei WAT Brigittenau? Ich war bereits als Kleinkind Mitglied im WAT Brigittenau und bin es heute, nach 50 Jahren, noch immer. Das mit der Vereinsarbeit hat schon mit 17 Jahren begonnen, als geprüfter „Kindervorturner“. Dann hab ich bald Administratives – meine erste Funkti- Der „Ehrenamtliche“ WERNER BRUNNER, geboren 1942, lebt in Wien-Brigittenau; verheiratet, Großvater von Zwillingen. Beruflich: seit rund 40 Jahren in der Buchbranche tätig (Schwerpunkt Kinder- und Jugendbuch), zuletzt selbstständig mit einer Werbe-/Marketing-Agentur für Verlage und Buchhandlungen. Sportlich: als Aktiver Geräteturnen, Handball, Leichtathletik, Tennis; aktuell: regelmäßige Gymnastik („Reine Männersache“ im WAT Brigittenau), Skilaufen, Wandern, Radfahren. Funktionärskarriere: vom „Kindervorturner“ als 18-Jähriger über den sportlichen Leiter bis zum Obmann und heute Ehrenobmann im WAT Brigittenau. Aktuell: Geschäftsführender Obmann im ASKÖ Brigittenau, Vizepräsident des Gesamt-WAT. on war Statistikführer! Und damit war ich dann im Ausschuss vertreten. Vielleicht war es auch der Einfluss meines Vaters, denn er war auch „immer“ Funktionär im WAT Brigittenau. Bei Ihrer Auszeichnung 2013 zu Österreichs „Topfunktionär des Jahres“ hieß es in der Laudatio, dass Sie schon in jungen Jahren treibende Kraft im Verein waren. Andere wollen dort bloß Spaß am Sport haben ... Mich hat dieses Vereinsgeschehen, diese Gemeinschaft, in der ich ja aufgewachsen bin, sehr interessiert. Die Freude, etwas zu gestalten, zu organisieren, die Neugierde auf Neues, die Möglichkeit, etwas zu entwickeln und umzusetzen war schon faszinierend für mich. Alles Weitere hat sich dann ganz einfach ergeben. Mir war auch bald klar, dass Ideen einzubringen einfach, die Umsetzung aber doch etwas schwieriger ist. So habe ich gelernt, eine Idee zu haben – und sie auch durchzuziehen. Aber damit das nicht falsch rüberkommt: Ich hab im Verein auch immer genug Zeit gehabt, um selbst Sport zu betreiben. 53 Jahre als Funktionär – da gab es sicher viele Höhen und Tiefen. Was waren die schönsten und was waren die bittersten Stunden im Laufe Ihrer Tätigkeit beim WAT Brigittenau? INTERVIEW: Gerhard Polzer 94 SPORTaktiv

Ein Leben für das „Ehrenamt“: Werner Brunner ist seit mehr als 50 Jahren Sportfunktionär mit Leib und Seele. FOTOS: privat Also ein Ranking der Höhepunkte kann ich da nicht erstellen, dafür habe ich zu viel Schönes erlebt. Die vielen neuen Initiativen, die von mir eingebracht und von den Menschen auch angenommen wurden, waren natürlich schon etwas Besonderes. Oder die vielen organisierten Sportveranstaltungen, die in erster Linie zur Bewerbung der Angebote des Vereines dienten. Und selbstverständlich hat es auch persönliche Enttäuschungen gegeben. An „bittere“ Erlebnisse kann ich mich nicht erinnern – aber vielleicht habe ich sie auch verdrängt ... Funktionär sein ist ein Ehrenamt. War es für Sie wirklich immer eine „Ehre“? Ja, absolut! Es war und es ist eine Ehre, solche Tätigkeiten ausüben zu dürfen. Allein das Bewusstsein, eine Aufgabe tatsächlich ehrenamtlich, also ohne jede Bezahlung und ohne jeden Kostenersatz zu erfüllen, ist für die eigene Wertschätzung wichtig. Hat Sie die Arbeit für den Verein, die Arbeit mit den Sportlern, mit dem Nachwuchs, auch in Ihrem Berufsleben geprägt, beeinflusst? Unbedingt. Man lernt Teamarbeit, Verantwortung zu übernehmen aber sie auch bewusst zu delegieren, Fairness und Solidarität zu üben, gemeinsam definierte Ziele zu verfolgen. Sich beim Erreichen der Ziele gemeinsam zu freuen, bei Nichterreichen gemeinsam andere Weg suchen. Alles das sind Eigenschaften, die im Verein gelebt werden. Und ich habe mich immer bemüht, auch im Alltag und im Beruf danach zu leben. Trotz allem: Würden Sie sich wünschen, einiges von dieser aufgewendeten Zeit besser in andere Dinge investiert zu haben? In andere Hobbys, in mehr Zeit mit der Familie …? Für andere Hobbys sicher nicht. Nur für meine Frau und für unsere Tochter hätte ich, aus heutiger Sicht, mehr Zeit einbringen müssen. Aber ich hole nun diese entgangenen Freuden mit unseren Enkelkindern und der gesamten Familie nach. Stichwort Familie: Wie hat eigentlich Ihre Familie Ihr großes Engagement für den Sportverein mitgetragen? Meine Familie ist auch ein Teil dieser Riesenfamilie WAT Brigittenau. Daher war mein Engagement für sie irgendwie selbstverständlich. Der WAT Brigittenau hat Sie zum „Ehrenobmann“ ernannt. Bloß ein Titel zum Abschied oder sind Sie, mit all Ihrer Erfahrung und Ihren Verbindungen, noch immer für den Verein tätig? Aus den operativen Vereinstätigkeiten im WAT Brigittenau habe ich mich vor einigen Monaten zurückgezogen. Aber durch meine Funktionen im ASKÖ Brigittenau als geschäftsführender Obmann und als Vizepräsident im Gesamt-WAT ergeben sich auch immer wieder Schnittpunkte zum WAT Brigittenau. Außerdem kümmere ich mich dort organisatorisch um ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt: die sportliche Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Nr. 6; Dezember ‘16 / Jänner ‘17 95

Magazin

SPORTaktiv April 2016
SPORTaktiv 1 2016
SPORTaktiv Bikeguide 2016
SPORTaktiv Laufguide 2016
SPORTaktiv Winterguide 2015