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SPORTaktiv Dezember 2017

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BEWEGENDE BEWEGERIN

BEWEGENDE BEWEGERIN PETRA THALLER MACHT SPORT MIT MENSCHEN, DIE AN KREBS ERKRANKT SIND. WEIL SIE SELBST ERFAHREN HAT, WIE GUT BEWEGUNG IN SCHWIERIGEN ZEITEN TUT, HAT SIE AUCH DIE BEWEGUNG „OUTDOOR AGAINST CANCER“ GEGRÜNDET. VON KLAUS MOLIDOR D ie Parabel von ihren Kindern gibt einen guten Einblick in den Menschen Petra Thaller. „Ich wollte immer zwei Kinder“, sagt sie, „weil, wenn ich mit ihnen allein bin, kann ich eines am linken Arm tragen und eines am rechten.“ Mute dir nur so viel zu, lade dir nur so viel auf, wie du alleine schaffen kannst – danach richtet die Münchnerin ihr Leben aus. Immer schon. Und erst recht, seit einem Arztbesuch vor ein paar Jahren. Thaller war gerade zurück aus Papua Neuguinea, von einer Expedition auf die Carstensz-Pyramide. Von 4884 Metern Seehöhe zurück an den Tiefpunkt. „Brustkrebs“, hat der Arzt damals gesagt, als Thaller ihn wegen der Schmerzen aufgesucht hat, die sie nach einem Ausrutscher auf der Expedition hatte. Und plötzlich: Chemo statt Carstensz, Operation statt outdoor. Aber schon am Tag nach der ersten Chemotherapie war sie mit einem Freund auf Skitour und stellte fest: geht doch. „Also hab ich weiter Sport gemacht. Bin laufen gegangen, walken, wandern“, erzählt Thaller. Auch die Arbeit als Chefredakteurin in ihrem Magazin „mountains4u.de“ hat sie nicht aufgegeben. „Ich hatte schon immer viel Energie“, sagt die 56-Jährige mit einem Blitzen in den Augen. Und ein Talent für das Ausblenden von negativen Dingen hat sie auch. „Als ich keine Haare hatte und vom Cortison aufgeschwemmt war, hab ich gewusst, dass ich scheiße ausschau. Da schau ich dann halt einfach nicht in den Spiegel oder betrachte mich nicht im Schaufenster.“ Die Bewegung tat ihr gut. Tut ihr gut. Darum hat sie auch weitergemacht damit. Die ganze Therapie ließ sich besser damit verkraften. Bis der besagte Skitouren-Freund gesagt hat: Nimm doch andere Patienten auch mit auf die Tour. „Meine Antwort war: niemals. Das 130 SPORTaktiv

Fotos: Christoph Schnurr, Christiane Kappes, wisthaler.com soll ja keine Selbsthilfegruppe werden“, sagt Thaller. Der Samen für „Outdoor against Cancer“ war aber gesät. „Ich wollte was Richtiges machen. Menschen motivieren, ihnen zeigen, dass das Leben mit der Diagnose nicht zu Ende ist.“ Die Namensfindung für ihr Projekt ging dann ganz pragmatisch vonstatten. „Outdoor“ ist ein sehr beliebter Suchbegriff bei Google. „Krebs“ wollte sie auf keinen Fall im Namen haben. Also: Outdoor against Cancer. Kurz darauf hat sie die ersten Sporteinheiten in München angeboten. Walken, dehnen, ein bisschen laufen, Kraft-Ausdauer- Übungen im Freien. Projekt wächst und wächst Dabei bleibt es nicht. Erste Zeitungen berichten über sie, im Bayrischen Rundfunk läuft ein Beitrag über die Frau, die Krebskranke zur Bewegung motiviert. Die Sportgruppen werden größer. Einer der Sportler ist Rocco, ein junger Mann mit Kopftumor. Keine Operation möglich, keine Chemotherapie kann das Gewächs unter seiner Schädeldecke eindämmen. Zaghaft absolviert er die ersten Einheiten, kommt wieder, bleibt dabei. „Irgendwann ist er zu mir gekommen und hat gesagt: Petra, der Tumor ist um 60 Prozent zurückgegangen“. Im Juli 2017 ist er einer von sieben Staffelläufern, die für Outdoor against Cancer den Großglockner-Berglauf absolvieren. Knapp 1500 Höhenmeter auf 13 Kilometern Länge von Heiligenblut hinauf bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2369 Meter. SPORTaktiv 131

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