Aufrufe
vor 1 Jahr

SPORTaktiv Dezember 2017

  • Text
  • Sportaktiv
  • Dezember

Nein, das wäre nicht

Nein, das wäre nicht notwendig gewesen. Eigentlich hätte der vereiste Zielhang der Streif einem schon ausreichend Respekt abverlangt. Wie eine senkrechte Wand stellt er sich vor einem auf. Im Licht der Stirnlampen spiegelt sich der pickelharte Untergrund, das blanke Eis funkelt teilweise sogar in polarem Hellblau. Und da soll ich rauf? Als würde die Kulisse nicht schon laut genug schreien, dass es sich hier um keinen normalen Event handelt, stürzen mir jetzt auch noch menschliche Körper entgegen. Weiter oben waren sie Opfer des rutschigen Untergrunds geworden. Ausgerutscht. Jetzt donnern sie wie abgebrochene Felsstücke ungebremst aus der Dunkelheit Richtung Tal, begleitet von alarmierenden „Aaaachtung!“-Rufen. Panikhaft springen Läufer vor mir auf die Seite. Wie eine menschliche Abrissbirne schlägt der Gestürzte eine Schneise ins Teilnehmerfeld. Wenig später der nächste „Achtung!“-Ruf. Das war’s dann mit dem Ehrgeiz, möglichst schnell oben zu sein. Die Devise mutiert zu „möglichst unverletzt“. Also raus aus der Ideallinie, weg vom direkten Weg hinauf, rüber an den Rand und rein ins hügelige (aber noch immer prächtig vereiste) Rough. Auch dort liefern die Zacken der Steigeisen zwar nur bedingt Halt, auch dort rutschen die Spitzen der Stöcke immer wieder ab, aber in Serpentinen und im Gänsemarsch kommt es zumindest zu keinen gröberen Zwischenfällen mehr. Nur eines hat sich schon auf den ersten Metern bestätigt: Die Streif ist die härteste Abfahrtsstrecke der Welt. Nicht nur talwärts. Sechs Weltcupstrecken, vier Länder Willkommen zum „Vertical up“. Die Streif ist Teil dieser Laufwettkampfserie auf insgesamt sechs Weltcupstrecken in vier Ländern, darunter auch die Klassiker in Gröden (Saslong) und Wengen (Lauberhorn), die es jeweils „vertical up“ so schnell wie möglich zu bezwingen gilt. Hundertschaften von Läufern und Skitourengehern haben sich an diesem Distanz: 3312 Meter und 805 Meter zwischen Streif-Zielraum und -Starthaus.Es gilt, so schnell wie möglich hinauf zu kommen. Wie, ist egal: Es herrscht freie Wahl der Mittel, solange der Antrieb per Muskelkraft erfolgt. Fotos: Vertical Up 144 SPORTaktiv

AUFI MUASS I DIE STREIF RUNTERFAHREN (ODER RUTSCHEN) KANN JA BALD WER. ABER RAUF LAUFEN? DIE „VERTICAL UP“-SERIE BIETET DIE MÖGLICHKEIT, ES AUSZUPROBIEREN. VON KLAUS HÖFLER SPORTaktiv 145

Magazin

SPORTaktiv April 2016
SPORTaktiv 1 2016
SPORTaktiv Bikeguide 2016
SPORTaktiv Laufguide 2016
SPORTaktiv Winterguide 2015