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SPORTaktiv Dezember 2017

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LAUFEN, LAUFEN, LAUFEN.

LAUFEN, LAUFEN, LAUFEN. JEDEN TAG, FAST VIER JAHRE OHNE UNTERBRE- CHUNG UND AUF DER GANZEN WELT. PHILIPP GRILL AUS OBERÖSTERREICH HAT SOGAR FORREST GUMP ÜBERRUNDET UND DABEI VIEL ÜBER SICH UND DIE WELT GELERNT. VON KLAUS MOLIDOR RUNNING MAN AUS ROHRBACH Jetzt tauchen sie wieder auf, die Fragen der Freunde und Bekannten. „Wie lange noch?“ wollen sie von Philipp Grill wissen. „Wie lange willst du noch jeden Tag laufen gehen?“ Die Standardantwort war dann jahrelang: „So lange wie Forrest Gump“. Drei Jahre, zwei Monate und 14 Tage. So lange ist die von Tom Hanks dargestellte Figur im Hollywood-Klassiker aus dem Jahr 1994 gelaufen. Diese Marke hat Grill im Frühjahr 2017 erreicht. Trotzdem läuft er immer noch jeden Tag zumindest acht Kilometer. Dabei wollte er eigentlich „nur“ abnehmen. Mit mehr als 90 Kilo war es Zeit, etwas zu tun. Regelmäßig. „Weil du einen Plan brauchst, um nicht gleich wieder mit dem Sport aufzuhören.“ Am Anfang hieß es durchbeißen, dann wurde es mehr und mehr Genuss. „Wenn ich im Herbst in der Früh loslaufe, im Tal der Nebel liegt und die Sonne aufgeht – das ist ein Naturerlebnis, da geht’s dir einfach gut.“ Zeiten, Rekorde, Wettkämpfe: Das war anfangs nichts für den 30-Jährigen aus Rohrbach (OÖ). Laufen, damit es ihm besser geht war sein Ziel. Eine Woche lang jeden Tag, einen Monat, ein Jahr. Nach eineinhalb Jahren haben ihn 48 SPORTaktiv

„OB ICH 8 ODER 30 KILOMETER LAUFE, ENTSCHEIDE ICH ERST UNTERWEGS.“ seine Freunde „Forrest“ gerufen. War ihm egal, ist ihm egal. Die Kilos sind gepurzelt, die Laufleistung ist gestiegen. Fotos: liana.at, Tobi Reiter Der eigene Körper ist der Trainer 40 Kilometer waren es bei seinem ersten Wings for Life World Run. Zum besseren Verständnis: Wer bei diesem Rennen 40 Kilometer schafft, muss den Marathon in 3:08 Stunden laufen können. „Aber ich laufe immer ohne Trainingsplan“, sagt Grill. Sein bester Trainer ist in der Zeit einer geworden, den er Tag für Tag besser kennengelernt hat: der eigene Körper. „Wenn ich vorhabe 30 Kilometer zu laufen und merke, dass die Beine schwer sind, dass die Leichtigkeit fehlt, dann belasse ich es eben bei 8 Kilometern. Und umgekehrt“, erzählt er. Einmal wollte er dennoch wissen, was mit gezielter Trainingssteuerung drinnen ist. Nachdem er beim zweiten World Run 44 Kilometer geschafft hat, sollten es beim dritten 50 werden. „Da hab ich eine Leistungsdiagnostik gemacht und nach Plan trainiert.“ Nach ein paar Wochen begann es aber zu zwicken. Keine großen Probleme, aber ein Warnschuss. „Also hab ich den Plan verworfen und wieder auf mich selbst gehört.“ Dabei ist Philipp Grill ein Kind der Zeit. Er arbeitet in der IT-Branche und ist immer auf der Suche nach neuen Technologien. Und er hat auch ein soziales Leben. „Es ist mir enorm wichtig, Freunde zu treffen, nach der Arbeit etwas zu unternehmen.“ Laufen findet daher dann statt, wenn alle noch schlafen. SPORTaktiv 49

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