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SPORTaktiv Dezember 2019

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BOTSCHAFTER DER

BOTSCHAFTER DER KOMFORTZONE DER INNERE SCHWEINEHUND IST UNSER BEGLEITER UND STÄNDIG BEI FUSS. WIE ER UNS SCHADET, WIE ER UNS SCHÜTZEN WILL UND WIE WIR IHN AUSTRICKSEN KÖNNEN. EINE EXPERTENRUNDE MIT DEM SPORTPSYCHOLOGEN ALOIS KOGLER UND ECHTEN SCHWEINEHUND-EXPERTEN AUS UNSERER SPORTLERSZENE. VON CHRISTOPH HEIGL Jetzt ist die Zeit. Die Zeit des schlechten Wetters, der unwirtlichen Umstände und die Zeit, hoch motivierte Neujahrsvorsätze abzufeuern. Und damit hat auch der innere Schweinehund Hochsaison. Denn dieser Hundling säuselt dir ins Ohr, dass du es eh nicht schaffst (so wie voriges Jahr), dass deine Motivation sicher nicht ausreicht, dass du nikotinsüchtig bleibst und ein Loser bist und das Wetter draußen sowieso die nächsten Wochen zum Vergessen ist. Danke, Schweinehund! „Der Schweinehund ist wirklich ein Hundling“, lächelt Sportpsychologe Alois Kogler beim Gedanken an dieses Getier. Der Grazer befasst sich schon lange mit dem Phänomen, das es sprachlich nur im Deutschen in dieser tierischen Ausprägung gibt, im Fachjargon der Verhaltensforschung aber in den Kapiteln der inneren Sprache, des inneren Befehls und der automatisierten Gedanken vorkommt. In der Schaltzentrale Gehirn kennt man so was wie das „menschliche Quadrat“ und jeweils Wechselwirkungen zwischen Gedanken, Gefühlen, 14 SPORTaktiv

unserem Handeln und unserem Körper. Oder wie es Kogler ausdrückt: „Wir können nicht denken ohne Gefühle.“ Jeder Gedanke erzeugt bei uns unweigerlich und automatisch ein Gefühl, ein positives oder ein negatives oder ein emotional neutrales Gefühl. Wer ist der Schweinehund? Wo sitzt er? „Der Schweinehund ist die personifizierte Figur unserer ständigen inneren Widerstände und Widersprüche“, mein Kogler, „letztlich sogar die symbolische Gestalt unseres Lebens.“ Denn unser Leben sei ein ständiges Auf und Ab, eine Abfolge aus Kriegen, Krisen und Konflikten. Wo er sich befindet, ist medizinisch gut erforscht. Das Phänomen Schweinehund sitzt im limbischen System unseres Gehirns, das Emotionen wie Liebe, Angst und Hass steuert, genauer gesagt in der Amygdala, nach ihrem Aussehen zu Deutsch „Mandelkern“, die nur etwa so groß wie ein Daumennagel ist, aber für unsere Emotionen, ihre Ausprägung und ihre Filterung verantwortlich ist. Während unser Großhirn extrem plastisch ist und lebenslanges Lernen und Wachsen ermöglicht, ist die Amygdala im Alter von etwa 14 Jahren bereits fertig ausdifferenziert – und der Schweinehund damit fertig abgerichtet. Foto: iStock Schwei | ne | hund Die Bezeichnung umschreibt – oft als Vorwurf – die Allegorie der Willensschwäche, die jemanden daran hindert, unangenehme Tätigkeiten auszuführen (Quelle: Wikipedia). Der Begriff kommt aus der Jagd und geht auf den zur Wildschweinjagd eingesetzten „Sauhund“ zurück, dessen Funktionen das Hetzen, Ermüden und Festhalten der Beute war. Ist der Schweinehund nur negativ? Kann er auch nett sein? Der renommierte deutsche Hirnforscher Gerhard Roth geht davon aus, dass unser Gehirn grundsätzlich träge ist, erzählt Kogler, immer also einen gewissen Anstoß und Motivation braucht. Und da kommt auch die (wie im namensgebenden Jagdjargon übrigens) positive Funktion des Schweinehundes zum Tragen. „Wenn die Stimme in uns sagt, geh nicht raus, es ist kalt und grauslich, ist es auch die schützende Funktion des Schweinehundes, der uns vor einer Verkühlung oder Verletzung bewahren will“, erzählt Kogler. „Angst ist immer ein Warnfaktor, so haben wir in dieser gefährlichen Welt überlebt. Es ist Evolution.“ Wenn unser Gehirn also grundsätzlich faul ist, braucht es Motivation von außen („extrinsische Motivati- SPORTaktiv 15

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