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SPORTaktiv Dezember 2019

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KLAUS HÖFLER,

KLAUS HÖFLER, SPORTAKTIV-LAUFEXPERTE, „DER MANN FÜRS GROBE“: „Mein Schweinehund ist vieles – nur sicher kein Zwitter aus Schwein und Hund. Schweine finde ich in ihrem Mix aus tolpatschig wirkender Neugier und gatschverliebter Faulheit viel zu sympathisch und gegen Hunde kann man sowieso nichts haben. Die zweifelnde, zaudernde Stimme im Kopf kommt eher von einem rachitischen Giftzwerg mit nasalem Kreissägentimbre, der irgendwo zwischen Mittelohr und Kleinhirn herumhüpft, als hätte er sich gerade in einen Ameisenhaufen gesetzt. Also: ein Mann. Und er sagt selten Nettes. Was mir im Training oder Wettkampf hilft? Raus aus dem Gedankengefängnis, rein in die Freiheit des Augenblicks. Ein bewusster Blick auf wuchtige Gipfelpanoramen, funkelnde Bergseen oder verlaubte Waldwege lässt den Bleib-doch-stehen-Wicht im Kopf noch lächerlicher wirken. Ein Filetieren des großen Ziels in kleine, erreichbare Etappen und damit die Dichte an Erfolgserlebnissen maximieren. Oder einfach das Hirn abschalten, den Blick zwischen die Schulterblätter des Vordermanns einhaken, die letzte Kraft für ein Nach-oben-Ziehen der Mundwinkel verschwenden – und locker weiterlaufen.“ on“), um sich aufzuraffen und aktiv zu werden. Der Schweinehund wacht quasi über unseren Zustand in Ruhe, er ist unser Botschafter der Komfortzone und will nicht, dass wir sie verlassen. „Dabei ist es so wichtig, dass wir die Komfortzone verlassen. Unser Extremorgan Gehirn ist so konzipiert, dass es mit seinen 100 Milliarden Nervenzellen nur dann wächst, wenn wir uns bewegen“, weiß Kogler. „Jeder Gang hinaus in die Kälte ist eine neue Verknüpfung, eine neue Synapse.“ Muss man den Schweinehund „bekämpfen“? Warum so aggressiv? Kogler nennt drei Schritte im Umgang mit dem inneren Schweinehund. Als Erstes braucht es ein gewisses Maß an Aggression, also – wenn man so will – den Kampf: Geh raus! Mach Training! Hör zu rauchen auf! Beweg dich! Danach braucht es als Zweites die Disziplin, dem natürlichen Drang („Komfortzone“) nicht nachzugeben. „Emotionskontrolle“ nennt Kogler diesen Schritt. Nach der Disziplin kommt Phase drei: die Freude, die Belohnung. „Das kann die soziale Anerkennung sein, etwas geschafft zu haben, ein Ziel erreicht zu haben, die Traumfigur, die neue 10-km-Bestzeit, rauchfrei zu sein oder auch – wie in der Profiwelt – die monetäre Entlohnung in Form von Preisgeld und Siegerschecks. „Welche Motivation stärker zieht, ist von Typ zu Typ unterschiedlich“, sagt Kogler. Seine besten Tipps haben wir im Infokasten rechts zusammengefasst. Einer, der sich stunden-, tage-, ja, monatelang mit seinem Schweinehund befasst haben muss, ist Michael Strasser. Der Niederösterreicher hat mit dem Rennrad Russland und Afrika durchquert (in Rekordzeit) und 2018 einen neuen Weltrekord durch Nord- und Südamerika aufgestellt, als er in 84 Tagen von Alaska nach Patagonien geradelt ist („Ice2Ice“). Auf den 22.600 Kilometern musste er viel verarbeiten: Eis und Schnee, Grenzkontrollen, Bürokratie, Gegenwind, Unfälle, Erschöpfung, Lebensgefahr. „Das Wort gefällt mir zwar nicht, aber der Schweinehund ist mein inneres Ich. Ich spreche mit dieser inneren Stimme, frage, wie es so geht und wie sehr ich uns belasten darf“, erzählt Strasser. „Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören. Wenn ich krank bin, GEHT RAUS UND BEWEGT EUCH. DER REST KOMMT VON SELBST. DR. ALOIS KOGLER ist Sportpsychologe, Arbeitspsychologe, Verhaltenstherapeut, Autor. alois.kogler@teamspirit.at www.teamspirit.at 16 SPORTaktiv

Foto: www.eko-life.at, Klaus Höfler, Samuel Renner trainiere ich nicht mehr – das habe ich auch erst lernen müssen. Der Körper ist eben keine Maschine, meiner zumindest nicht.“ Ein Beispiel, wie er den Schweinehund austrickst, hat der studierte Architekt aus seinem Trainingsalltag parat. „Ich mag Stabi-Übungen und Core- Training nicht besonders. Also habe ich mich am USI Wien gleich als Übungsleiter einteilen lassen. Wenn du der Instruktor bist und 150 Leute kommen wegen dir, kannst du nicht absagen“, lacht er. Wobei Strasser auch das Wort „Training“ nicht sonderlich mag. „Ich habe einen starken inneren Antrieb für Bewegung und durfte das schon als Kind lernen, wie gut es tut, sich bewegen zu können. Die Menschen sollten nicht immer von ,Training‘ sprechen. Sie sollten davon sprechen, wozu wir eigentlich gebaut sind – und das ist sicher nicht, zehn Stunden pro Tag vor dem PC zu sitzen. Geht raus und bewegt euch, der Rest kommt von selbst.“ Das kennt auch Sportpsychologe Kogler. „Freude an der Bewegung“ bzw. „Bewegungslust“ nennt er diesen starken Motivator, wenn es uns einfach Freude bereitet, in Bewegung zu sein und eine sportliche Betätigung auszuüben. TRICKS GEGEN DEN SCHWEINE- HUND VON DR. ALOIS KOGLER 1. Gruppenzwang! Training in der Gruppe, im Team, als Paar. Motto: „Gemeinsam sind wir stärker.“ Auch Whatsapp-Gruppen sind ein Anfang, Ausreden gelten nicht … 2. Pläne schmieden! Training dokumentieren, Tagebuch führen, Einheiten im Kalender eintragen, Regelmäßigkeiten und Routine einführen. 3. Ziele! Mehrere ineinandergreifende Ziele zu formulieren, erhöht die Chance. Ein Ziel allein („Abnehmen“) ist nicht so stark. Dazu z.B.: gesünder ernähren, öfter laufen, neue Sportarten erlernen. 4. Multi-Sport! Mehrere unterschiedliche Bewegungsabläufe nebeneinander machen, z.B. nicht nur Laufen als Ziel nehmen, sondern auch Schwimmen, Yoga, Krafttraining, Tennis etc. versuchen. Noch ein paar Tipps aus der Praxis? Der Chefredakteur von SPORTaktiv, Name und Anschrift der Redaktion bekannt, motivierte sich einst zum Start seiner Laufkarriere, indem er sich mit sündhaft teuren Laufschuhen unter Druck setzte. Hat funktioniert. Ein schöner Rat kommt auch via Facebook von Userin Bianca. „Mein Schweinehund heißt Rainer. Und seit ich ihn mit Namen ansprechen kann, ist er viel netter, nicht mehr so dominant und viel einsichtiger.“ Also, jetzt ist die Zeit. SPORTaktiv 17

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