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SPORTaktiv Februar 2019

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DAS ZIEL VOR AUGEN

DAS ZIEL VOR AUGEN ÖSTERREICHS BESTE LANGDISTANZ-TRIATHLETIN KONZENTRIERT SICH AB SOFORT AUFS MARATHONLAUFEN. EVA WUTTI ÜBER IHREN NEUBEGINN IM LAUFSPORT, DAS ZIEL OLYMPIAQUALIFIKATION UND DARÜBER, WAS SICH FREIZEIT SPORTLER VON IHR ABSCHAUEN KÖNNEN. VON CHRISTOF DOMENIG E rst Marathon, dann Ironman. Im Hobbysport ist diese Reihenfolge nicht unüblich, ein Langdistanz-Triathlon wird oft zur neuen Herausforderung und Motivationsquelle, wenn man den Marathon geschafft hat. Im Profisport schaut die Sache ein wenig anders aus. Eva Wutti ist Österreichs erfolgreichste Langdistanz-Triathletin der letzten Jahre und hat sich die Olympiaqualifikation für Tokio 2020 zum Ziel gesetzt. Nicht etwa im olympischen Triathlon, sondern im Marathon, also einem von drei Ironman-Teilen. Wuttis Cheftrainer kennen unsere Stammleser übrigens als einen unserer (schreibenden) SPORTaktiv-Experten: Sportwissenschafter, Lauf- und Triathlontrainer Herwig Reupichler von der Sportunion Steiermark. Der Sportunion-Landesverband unterstützt Wutti mit seinen Experten vom „SpoWiMed“- (=Sportwissenschaft- und -medizin)-Zentrum auf dem Weg nach Tokio. Kurzer Rückblick: 2018, also noch während ihrer letzten Triathlon saison, ist Wutti schon beim Vienna City Marathon gestartet und hatte die EM-Quali- fikation im Visier. Bei dem ungewöhnlich heißen Marathon im April letzten Jahres verpasste sie die Qualifikationsnorm von 2:37 Stunden lediglich um 59 Sekunden. Cheftrainer Reupichler weiß: „Für Olympia ist vermutlich eine Zeit von 2:35, eventuell auch etwas darunter nötig. Der Wien-Marathon 2019 ist die erste Möglichkeit dazu, aber es gibt im Herbst 2019 und sogar Frühling 2020 auch noch die Möglichkeit, die Qualifikationszeit zu erbringen. Vom Potenzial her ist es auf alle Fälle machbar.“ Für dieses Laufspecial haben wir bei Neo-Marathona Eva Wutti etwas genauer nachgefragt: Über ihre Motive, zum Laufen zu wechseln, darüber, was sie generell im Sport motiviert und was Freizeitsportler sich von ihr abschauen können. Eva, deine Wurzeln liegen ja im Laufsport. Kurz: Wie hast du sportlich begonnen? In der Sporthauptschule habe ich bei den damaligen Nestlé-Schülerläufen mitgemacht und war immer ganz vorne dabei. Über diese Erfahrung bin ich zum Leichtathletikverein gekommen. Mir hat Laufen immer schon Spaß gemacht. In der Schulzeit haben viele gesagt: Nur laufen, 600 Meter zum Beispiel, ist so schlimm. Das hab ich überhaupt nicht so empfunden. Du bist dann hauptsächlich auf der Mittelstrecke gelaufen? Stimmt, ich habe bis etwa zum Alter von 17 Jahren Mittelstrecken-Wettkämpfe, das waren damals 1000 Meter, bestritten. Diese Rennen waren in Österreich allerdings mäßig stark besetzt und im Verein war ich in meinem Alter am Ende allein, so habe ich den Spaß daran verloren. Ich habe zwar ein paar Monate später wieder angefangen, aber da da war ich auch schon bei einem neu gegründeten Triathlonverein dabei und bei dem bin ich dann geblieben. Mit Erfolg, wie man weiß ... Was hat dich jetzt aber dazu motiviert, den Triathlonsport aufzugeben und über den Marathon die Olympiaqualifikation anzustreben? Ich habe schon 2015 mit dem Marathon geliebäugelt. Jetzt passt es wirklich Fotos: VCM_Herbert Neubauer, SPORTUNION Steiermark 76 SPORTaktiv

mit dem Umstieg. Ehrlich gesagt haben mir die fünf- bis sechsstündigen Einheiten am Rad zum Schluss halt nicht mehr so viel Spaß gemacht. Auch Hawaii hat mich nicht so sehr begeistert. EVA WUTTI ist 29 und gewann zwischen 2013 und 2017 vier Ironmanund zwei Ironman-70.3-Bewerbe, 2015 und 2017 den Ironman Austria. Seit 2016 ist die Kärntnerin, die in Barcelona lebt, Mutter einer Tochter. 2018 startete sie beim Wien-Marathon und verpasste mit 2:37:59 das EM-Limit um 59 Sekunden. 2019 Umstieg auf den Marathon mit Ziel Olympiaqualifikation für Tokio 2020. www.evawutti.at Für die olympische Distanz hätte ich mich im Schwimmen stark verbessern müssen. Der Marathon hat mich dagegen immer schon fasziniert, er war auch im Ironman immer meine Stärke. Was genau ist es, das dich am Marathon fasziniert? Ich glaube, jeder der laufsportbegeistert ist, hat den Marathon irgendwo im Kopf. Es ist einfach die uralte olympische Disziplin, die Königsdisziplin von Olympia. Die Strecke ist fair, man kann Leistung sehr genau messen. Im Triathlon ist ein Vergleichen viel schwieriger, weil es viel stärker von äußeren Bedingungen abhängt. Im Marathon sind Leistungen und Fortschritte viel besser und fairer messbar. Du giltst als Sportlerin, die sich bis zum Letzten verausgaben kann, sagt dein Trainer. Siehst du dich selber auch so? Na ja, ich glaube, ich kann das schon ganz gut. Es ist mir in Triathlonrennen tatsächlich zweimal passiert, dass ich kollabiert bin, ohne dass ich zuvor gemerkt hätte, dass ich gegen die Wand laufe. Ich weiß aber jetzt nicht, ob das unbedingt gut oder schlecht ist. Sicher ist jedenfalls, dass ich mein Ziel vor Augen habe und das bestmöglich zu erreichen versuche. Auch du hast wahrscheinlich dennoch ab und zu mit Trainingsunlust zu kämpfen? Wie motivierst du dich dann? Ich denke, es ist verständlich, dass man nicht jeden Tag gleich motiviert ist, wenn man um sechs Uhr früh mit den Einheiten beginnt. In Momenten, wo ich weniger Freude am Training habe, führe ich mir vor Augen, was für ein Privileg es ist, dass ich nur Sport machen darf. Viele würden das auch gern, müssen aber neben dem Sport 40 Stunden einem Job nachgehen. Für einen Profi finde ich „keine Lust“ aber ehrlich gesagt eine schwache Ausrede – und unfair, etwa auch Sponsoren gegenüber. Sollte der Tag kommen, wo ich keine Lust zum Sport habe, müsste ich wohl darüber nachdenken, ob ich das Richtige mache. Du hast eine zweieinhalbjährige Tochter. Wie lassen sich Mutterschaft und Profisportlerleben vereinbaren? SPORTaktiv 77

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