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SPORTaktiv Februar 2021

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Ohne viel Anlaufzeit. So

Ohne viel Anlaufzeit. So steigt man in ein Gespräch mit Toni Palzer ein, auch wenn es als Telefoninterview zwischen Homeoffice und Gardasee stattfindet, wo er gerade auf Trainingslager weilt. Der Draht zum Bayern ist sofort da, null Stargehabe, wohltuend authentisch. „Der Palzer-Toni, bloß a junga Bua“, sagt der 27-Jährige oft schelmisch über sich selbst. Der Schmäh rennt. Ohne viel Anlaufzeit. So wird Toni Palzer im April auch seinen spektakulären Wechsel in den Radsport vollziehen. Zwei Tage nach unserem Gespräch: Während einer Trainingsausfahrt am Gardasee knallt ein Auto in die Trainingsgruppe des deutschen Teams. Drei Radprofis müssen schwer verletzt ins Spital, Gehirnerschütterungen, Frakturen bei Rückenwirbel-, Halswirbel- und Brustwirbelsäule. Trainingsgast Palzer stürzt auch, kommt aber mit leichten Blessuren davon. So schnell hätte der Traum schon wieder vorbei sein können. Mitten im Profileben. Ohne viel Anlaufzeit. DAS ANGEBOT LEBENS TRAUM 2021 ETWAS ANDERES MACHEN? ANTON PALZER (27) GEHT ES RADIKAL AN, LÄSST SEINE KARRIERE IM SKI- BERGSTEIGEN HINTER SICH UND WECHSELT IN DEN PROFIRADSPORT. WINTER ZU SOMMER, EINZELKÄMP- FER ZU TEAMPLAYER. DER BAYER IM INTERVIEW ÜBER SEINE (DE-)MOTIVATION, DAS „KONSTRUKT TONI“ UND SEINE „VOM HERRGOTT GESCHENKTE PUMP’N“. VON CHRISTOPH HEIGL Viele Menschen ändern in diesen Zeiten ihre Gewohnheiten, fangen Neues an, lassen Lästiges weg. War Corona bei deinem Umstieg auch ein Thema? Der letzte Schupfer? Nein, gar nicht. Ich bin 27 Jahre alt und seit 13 Jahren in der deutschen Nationalmannschaft der Skibergsteiger. Ich habe viel gesehen und kann auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Was ich alles gewonnen hab? Mei, das weiß i jetzt gar nit genau (lacht) – aber für mich persönlich war ich sehr erfolgreich. Und ich war bereit für etwas Neues. Skibergsteigen ist meine Leidenschaft und das wird es auch immer bleiben. Das ist eine so tolle Sportart, da werden unglaubliche Leistungen erbracht, aber ich sehe für mich keine große Entwicklung mehr im Sport. Ich denk mir, der Herrgott hat mir eine massive „Pump’n“ geschenkt, und warum sollte ich die nicht in einer anderen Sportart ausprobieren? (lacht) Bis zum Unfall mit dem Auto lief im ersten BORA-hansgrohe-Teamcamp alles bestens. Wie ist es für einen Skibergsteiger, plötzlich neben Radstars wie Peter Sagan und Emanuel Buchmann Rennrad zu fahren? Supergut. Fast alles ist neu für mich und ich versuche, alles aufzusaugen. Wir sitzen fünf Stunden täglich am Rad und spulen unsere Programme ab. Macht mega Spaß, so hab ich mir das vorgestellt. Und jeden Tag wird mir mehr bewusst, dass es die richtige Entscheidung war. Meine Motivation für den Wintersport ist einfach nicht mehr die gleiche wie vor fünf Jahren. Diesen Winter ziehe ich die Weltcupsaison aber noch durch, auch weil im März die Weltmeisterschaften in Andorra auf dem Programm stehen. Der Deal mit BORAhansgrohe wird offiziell mit 1. April schlagend, auch für meine Partner und Sponsoren eine saubere Lösung, das war mir wichtig. Du musst 100 % für den Wintersport trainieren und gleichzeitig 100 % für den Sommer. Wie kann das klappen? Weil ich mit Helmut Dollinger aus Tirol für beides denselben Trainer habe, ist das kein Problem. Mit ihm habe ich im Vorjahr schon begonnen, mich gezielt auf die Skibergsteiger-Weltmeisterschaften vorzubereiten. Weil er auch Trainer im BORA-hansgrohe Team ist, begann die Idee des Umstieges zu reifen. Ab Sommer wurde es immer konkreter und da habe ich schon viele Stunden am Rennrad trainiert – von April bis Oktober 15.000 km und 600 Stunden. Radtraining ist fürs Skibergsteigen gut und umgekehrt, wir stimmen das gut ab. 8 SPORTaktiv

VIELES GEBE ICH FÜR EINEN NEUEN LEBENSTRAUM AUF, WEIL ICH SONST NIMMER GLÜCKLICH BIN. Foto: Philipp Reiter Toni Palzer ist einer der besten Skibergsteiger der Welt. Mit Radsport hatte der Ausnahmeathlet bislang nur vorm TV, im Training und bei Hobbyrennen zu tun. SPORTaktiv 9

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