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SPORTaktiv Freerideguide 2018

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JENSEITS DER CHICKEN

JENSEITS DER CHICKEN LINE DIE TEILNAHME AN DER FREERIDE WORLD TOUR BLEIBT EINER KLEINEN AUSWAHL VON WELTKLASSESPORTLERN VORBEHALTEN. EINER VON IHNEN IST DER VORARLBERGER FABIO STUDER. ZUR TOUR-TEILNAHME HABEN IHM SEINE RENNLAUF-VERGANGEN- HEIT UND SEIN GROSSES TRICK- REPERTOIRE VERHOLFEN. VON STEFAN DORFSTETTER Wenn du bombensicher am Ski stehst, wenn du starke Nerven hast und Erfahrung im extrem steilen Gelände, dann kannst du dich den Nordhang der Bec des Rosses-Nordwand runtertrauen. Vermutlich würdest du vorsichtig und mit zitternden Knien durch die 50° steile Einfahrt rutschen. Dann würde es in kurzen, kontrollierten Schwüngen durch das Couloir in der Hangmitte gehen, das die Pros als „Chicken Line“ verspotten. Erst im unteren, flacheren Hangbereich würde sich deine Anspannung lösen und du würdest deine Ski in großen Radien laufen lassen. Am Bec des Rosses zeigt sich, wohin sich die Standards im Skisport entwickelt haben: Was heute eine Mutprobe für ambitionierte Freizeitsportler ist, war noch vor 30 oder 40 Jahren ziemlich am Limit dessen, was im Skifahren möglich schien. Für die Profis, die heute das Limit markieren, ist der felsdurchsetzte Extremhang über dem Westschweizer Skiort Davos ein großer Abenteuerspielplatz, auf dem es in atemberaubender Geschwindigkeit über hohe Cliffs und durch steile Passagen geht. Doch es ist ein Abenteuerspielplatz ohne Sicherheitsnetz. Wer im Labyrinth aus Cliffs und Couloirs die Orientierung oder auch nur kurz die Kontrolle über die Ski verliert, gerät in Lebensgefahr. An diesem so bedrohlichen wie spektakulären Hang tragen jeden April einige der besten Freerider der Welt das Finale der Freeride World Tour aus. Solide Ausbildung Szenenwechsel. In einem gemütlichen Café in der Nähe des Bodensees treffen wir uns zum Frühstück mit Fabio Studer – einem, der zu diesem Kreis der Besten gehört. Es ist Ende August und Fabio ist gerade erst aus Thailand zurück und in zwei Tagen reist er nach Argentinien, in den Winter auf der Südhalbkugel, um die neuesten Völkl-Ski zu testen und zu Fotoshootings im Powder. Blue-Tomato-Rider Fabio ist, wie man so sagt, ein „kompletter“ Skifahrer – einer, der auf Skiern alles probiert hat und alles kann. Und dem das Skifahren (fast) in die Wiege gelegt wurde. „Ich komme aus einer Skifahrerfamilie. Meine Eltern waren beide Skilehrer und mit zwei Jahren hab ich mit dem Skifahren angefangen“, erzählt er. Wie die meisten Weltklasse-Freerider folgte den ersten Rutschversuchen eine solide Ausbildung im alpinen Skilauf: In seiner Kindheit und Jugend trainierte er Rennlauf und nahm an Skirennen teil – die beste Grundlage für eine perfekte Skitechnik – begeisterte sich aber bald auch für Sprünge und coole Tricks. Im Alter von 16 Jahren tauschte er deshalb die Renn- gegen Freestyle-Ski. Und damit begann Fabios Erfolgsgeschichte: Bei Contests im Park und im Backcountry stand er regelmäßig am Podest, er fand Sponsoren, war an Videoproduktionen beteiligt und in der Szene stieg er zu einer fixen Größe auf. So wurden die Organisatoren der World Tour auf ihn Fotos: Anton Nelson, Blue Tomato 42 SPORTaktiv

FABIO STUDER fährt seit 2013 auf der Freeride World Tour und hat einen dritten Gesamtrang zu Buche stehen. Freeride World Tour Die Freeride World Tour gilt als Weltmeisterschaft im Freeriden. Jeden Winter werden vier Contests an wechselnden Orten gefahren, nur das Finale findet jedes Jahr am gleichen Hang statt, nämlich am Nordhang des Bec des Rosses im schweizerischen Verbier. An jedem der Contest-Orte gibt es getrennte Bewerbe für Skifahrer und Snowboarder, jeweils für Herren und Damen. Qualifizieren kann man sich über die Contests der World Qualifier Tour. Diese Bewerbe sind unterschiedlich anspruchsvoll, zu den einfachsten kann sich jeder ohne Voraussetzung anmelden. Über die Platzierung entscheiden Punkterichter („Judges“). Bewertet werden die Flüssigkeit der Fahrt, die Orientierung im Gelände, Sprünge („Airtime“) und Tricks sowie die Ausführung der Landung. Anders als der alpine Skiweltcup wird die World Tour von keinem Verband organisiert, sondern von einem privaten Veranstalter. SPORTaktiv 43

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