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SPORTaktiv Juni 2016

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ALLSPORT ERFOLG MIT

ALLSPORT ERFOLG MIT LANGZEITPLAN VOM ZUFALLSPRODUKT ZUR SERIENREIFE. Als Hommage an die Fußball-Euphorie, die bei der EM in Frankreich ihren Höhepunkt erreichen wird, blickt SPORTaktiv in seiner „Verbandsserie“ diesmal hinter die Kulissen des ÖFB – um auch den tausenden kleinen Fußballvereinen darzustellen, wie es möglich ist, dass sich Österreichs Fußball-Nachwuchsarbeit in 10 Jahren aus dem Keller zu den Sternen emporgearbeitet hat. FOTOS: gepa-pictures TEXT: Klaus Molidor 108 SPORTaktiv

FOTO: gepa-pictures Die Warteschleife des ÖFB sagt alles aus über das neue Selbstbewusstsein des Fußballverbandes. „I am from Austria“ läuft da. So nach dem Motto. „Seht her, wir sind wieder wer.“ Und tatsächlich hat sich der Österreichische Fußball-Bund gemausert, vor allem, was die Nachwuchsarbeit betrifft. Früher ging es gemächlich dahin. Erfolge passierten nach und basierten auf dem Zufallsprinzip. War zufällig ein starker Jahrgang dabei, konnte sich eine österreichische Nachwuchsauswahl schon einmal für ein Großereignis qualifizieren. Aber wie gesagt: eher zufällig. Der Beginn des neuen Kurses im ÖFB wurde im Jahr 1999 eingeläutet. „Mit der Gründung der ersten Akademie von Frank Stronach wurde die Möglichkeit geschaffen, professionell mit jungen Spielern zu trainieren. Die Kombination von schulischer wie sportlicher Ausbildung, Unterbringung und individueller Betreuung war optimal“, sagt Thomas Janeschitz, der damals auch als Akademie-Trainer tätig war. Damit wurden die Strukturen Schritt für Schritt verbessert. So wurden die Bundesligisten verpflichtet, Fußballakademien zu führen und der Passus sogar zur Lizenzbestimmung erhoben. „Heute muss bei jedem Profiverein im Nachwuchs eine bestimmte Anzahl an hauptberuflichen Trainern arbeiten.“ RUNDUM ERFOLGREICH Die in den Akademien gelebte Ausbildung griff auch bei den Nachwuchsteams des ÖFB. Heuer hat sich die U17 für die Europameisterschaft in Aserbaidschan qualifiziert und dort das Viertelfinale erreicht, die U19 wird im Juli bei der EM in Deutschland vor 50.000 Fans gegen den Gastgeber antreten, die U21 ist auf dem Weg zur EM-Endrunde. Auch bei den Frauen steht das A-Team vor der Qualifikation für die EURO, das U19-Team der Frauen hat sich für die EM-Endrunde im Juli in der Slowakei qualifiziert. Und natürlich: Das Herren-Nationalteam hat zum allerersten Mal sportlich die Teilnahme an einer EM-Endrunde geschafft. „Ich war selbst überrascht von der Geschwindigkeit und der Leidenschaft, mit der dieses Konzept dann tatsächlich umgesetzt wurde“ ÖFB-TRAINER THOMAS JANESCHITZ ÜBER DAS ERFOLGSPROJEKT 12 Im Jahr 2009 wurde Thomas Janeschitz von ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner als Chef der ÖFB-Trainerausbildung präsentiert. „Die Breite der Erfolge macht schon stolz“, sagt Janeschitz, der sich nach sieben Jahren jetzt nicht ungern voll auf das Amt als Co-Trainer unter Teamchef Marcel Koller konzentriert: „Mittlerweile ist es aufgrund der geringeren Anzahl der Teilnehmer fast schwieriger, sich mit einer Nachwuchsmannschaft für ein großes Turnier zu qualifizieren als mit dem A-Team.“ In den Jahren seiner Amtszeit als Ausbildungsleiter hat sich die Trainerarbeit stark verbessert und braucht den internationalen Vergleich nicht mehr zu scheuen. Im Gegenteil. „Die UEFA hat uns für unsere Arbeit in der Trainerausbildung gelobt“, sagt Janeschitz. Möglich wurde das, weil es vom Verband ein klares Bekenntnis zu einer Reform gegeben hat. Und mit Willi Ruttensteiner einen Sportdirektor, der sich traute, das auch umzusetzen. Leicht hat es Ruttensteiner da nicht immer gehabt, vor allem, weil es den Faktor Zeit im Sport und im Fußball im Besonderen nicht gibt. Allen Unkenrufern zum Trotz, hat Ruttensteiner am Konzept festgehalten – und erntet jetzt die Früchte. Überhaupt ist der Ansatz viel ganzheitlicher geworden. Sportwissenschaft, Sportpsychologie, Trainingslehre – all das hat sich weiterentwickelt. Polysportive Ausbildung heißt das Zauberwort. Also nicht nur Fußball allein, sondern auch Rumpfstabilität, Gleichgewicht etc. Wurde Konditionstrainer Roger Spry anfänglich beim Nationalteam noch als „Gymnastiklehrer“ abgetan, ist seine umfassende körperliche Ausbildung der Spieler heute unumstritten. „Das hat es zu meiner Zeit nicht gegeben“, sagt Janeschitz, der seine eigene Fußballer-Karriere Mitte der 1980er-Jahre begonnen hatte. „Mit 64 Kilo war ich eher filigran. Wer weiß, wie weit ich es gebracht hätte, wenn es damals schon so eine individuelle Förderung gegeben hätte.“ ERFOLGSMODELL „PROJEKT 12“ Ein ganz entscheidender Faktor in der Nachwuchsarbeit der letzten Jahre ist das „Projekt 12“, das 2009 von Ministerium, ÖFB und Bundesliga ins Leben gerufen und erst kürzlich wieder verlängert wurde. In dieses Jugendförderprogramm werden Spieler aufgenommen, die Potenzial fürs Nationalteam haben und dafür individuell und bestmöglich auf der körperlichen, fußballspezifischen und mentalen Ebene gefördert werden. Aktuell gehören dem „Projekt 12“ 35 Spielerinnen und Spieler an, auch prominente Namen wie David Alaba und Marko Arnautovic haben das Projekt bereits durchlaufen. Aktuell wird beispielsweise Philipp Lienhart, der im Nachwuchs von Real Madrid spielt und von Cheftrainer Zinedine Zidane schon mit Einsätzen bei den Profis bedacht wurde, gefördert. Aber auch Valentino Lazaro vom Meister Salzburg ist dabei, sowie einige andere Spieler mit Bundesliga-Erfahrung wie Austria-Tormann Osman Hadzikic oder Sturm-Mittelfeldspieler Sandi Lovric. DIE STÄRKEN FÖRDERN Eines der Erfolgsgeheimnisse: Bei „Projekt 12“ werden in erster Linie die Stärken jedes Einzelnen gefördert und nicht (wie im Schulsystem oft üblich) die Schwächen verbessert – und damit zwangsläufig das schlummernde Potenzial der Stärken vernachlässigt. Trainer und Betreuer analysieren die jungen Spieler ganz genau und stecken ihnen individuell abgestimmte Ziele. Ziele, die im Mannschaftstrai- Nr. 3; Juni / Juli 2016 109

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