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SPORTaktiv Juni 2016

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ALLSPORT ZWEI BAUMEISTER

ALLSPORT ZWEI BAUMEISTER des österreichischen Fußball-Wunders: Teamchef Marcel Koller und sein „Co“ Thomas Janeschitz, der vor Jahren als Chef der Trainerausbildung die richtigen Weichen stellte. ning so nicht erreichbar wären. Alle Daten kommen in eine der modernsten Datenbanken Europas, in der der ÖFB seit 2002 jedes Testergebnis der Spieler dokumentiert. „Die Entscheidungen, wie es weitergeht, ob ein Spieler einmal oder zweimal pro Wochenende spielt, müssen dann von den Trainern immer so getroffen werden, dass in erster Linie der Spieler profitiert“, sagt Janeschitz. Überhaupt mussten vor allem auch die Nachwuchstrainer im Lauf der Zeit ihren Stil anpassen. „Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Zu meiner Zeit war alles viel autoritärer. Heute reicht die Position allein nicht mehr aus, um Respekt zu bekommen“, sagt Janeschitz. „Die Jungen hinterfragen viel mehr und viel schneller. Der Trainer von heute muss den Spielern auch Werte fürs Leben mitgeben.“ Auch dieser Wandel hat sich vollzogen. „Die Trainer, die heute eine Ausbildung machen, wissen, dass es nicht mehr reicht, einmal Fußballer gewesen zu sein“, sagt Janeschitz. „Da hat sich in der Einstellung enorm viel verbessert. Auch die Bereitschaft zu lernen und sich zu entwickeln, ist viel größer geworden.“ Weil man eben auch im Nachwuchs vom Trainerberuf leben kann. Nicht alle natürlich, „aber trotzdem ist es wichtig, dass in den Klubs hauptberufliche, gut ausgebildete Trainer arbeiten, die ihr Wissen dann an die vielen ehrenamtlichen Trainer weitergeben.“ Eine der großen Säulen von Janeschitz’ Arbeit war und ist die Praxisnähe in der Ausbildung. Sein Credo: Er hat – in allen Ausbildungsstufen – lieber weniger Lehrstoff, den aber dafür praxisnah und qualitativ hochwertig vermittelt. All das war aber nur umzusetzen, weil man alle Landesverbände mit ihren Instruktoren und die Bundessport akademien (BSPA) mit ins Boot geholt hat. „Auf dem Papier sieht so ein Konzept schnell einmal gut aus. Es geht dann aber eben darum, dass es auch gelebt und in die Tat umgesetzt wird. Von der Geschwindigkeit und der Leidenschaft, mit der das dann geschehen ist, war ich selbst überrascht.“ ERFOLGSGENERATIONEN Die Ausbildung hat sich also stark verbessert, sowohl in der Breite als auch in der Tiefe. Trotzdem ist es für junge Spieler heute noch schwieriger, den Durchbruch zu schaffen – gerade weil es die Akademien gibt und die Talente schon früh zusammengezogen und gefördert werden. „Und durch Schule und Fußball ist die Belastung für die Jugendlichen schon sehr groß“, sagt Janeschitz. Daher wird bei der Auswahl in den Akademien nicht ausschließlich auf die fußballerische Eignung geschaut, sondern auch, ob die Spielerin oder der Spieler den Anforderungen gewachsen ist.“ Selbst renommierte Trainer in Europa schwärmen von Österreichs „goldener Generation“, die derzeit international für Furore sorgt. Für die Verantwortlichen im ÖFB aber ist es genauso wichtig, dass dahinter bereits weitere Generationen heranwachsen, die sich nicht zu verstecken brauchen. Im aktuellen U21-Nationalteam spielen wie im A-Team auch, fast ausschließlich Legionäre. „Sicher werden wir auch wieder Täler zu durchschreiten haben“, sagt Janeschitz. „Aber dank unserer soliden und qualitativen Ausbildung werden die Täler flacher ausfallen als bisher.“ Oder, wie es Willi Ruttensteiner einmal in einem Interview so plastisch erklärt hat: „Der Trainer ist zuständig für das nächste Spiel – der Sportdirektor ist zuständig für das nächste Jahrzehnt.“ Zurück in der Warteschleife beim ÖFB. „Dei hohe Zeit is lang vorüber“, singt Rainhard Fendrich da gerade. Ein Satz, der für Österreichs Nachwuchsfußball ganz sicher nicht gilt. Denn dessen „hohe Zeit“ bricht gerade erst an. Das ist der Österreichische Fußball-Bund Gründungsdatum: 18. März 1904 Zum ersten Mal Fußball gespielt wurde in Österreich im Jahr 1870; der erste Verein, der „First Vienna Football Club“, wurde 1894 gegründet. Mittlerweile sind in Österreich rund 600.000 Spieler in rund 2.300 Vereinen angemeldet. Damit ist der ÖFB mit Abstand der größte Sportverband Österreichs. Präsident: Dr. Leo Windtner Generaldirektor: Generaldirektor/ CEO: Alfred Ludwig Verbandsadresse: Österreichischer Fußball-Bund (ÖFB), Ernst-Happel-Stadion, Sektor A/F, Meiereistraße 7, 1020 Wien. Der ÖFB hat auch Landesverbände in allen neun Bundesländern. KONTAKT: ÖFB, Tel.: 01/727 18-0 E-Mail: office@oefb.at WEB: oefb.at FOTO: gepa-pictures 110 SPORTaktiv

WIE AUS DEM TALENT EIN „PROFI“ WIRD „PROJEKT 12“. Wir prüften am Beispiel der Fußballakademie Steiermark/ Sturm Graz nach, wie das Nachwuchsmodell des ÖFB in der Praxis abläuft. Und stießen tatsächlich auf ein multiprofessionelles Expertenteam. TEXT: Kordian Prokop FOTOS: Thomas Polzer Mit einer schnellen Körpertäuschung lässt Lorenz seinen Gegenspieler stehen und flankt vors Tor. Danach schnauft er tief durch, der schlaksige Blondschopf gibt auch im Training sein Bestes. Läuft alles nach Plan, wird er Flanken wie diese in drei, vier Jahren vor 30.000 Zuschauern schlagen. Lorenz Leskosek ist 16 und möchte einen der heißesten Jobs annehmen, von dem Jungs in seinem Alter träumen können: Der Verteidiger will Fußballprofi werden. Mehr als 13 Stunden in der Wo- che trainiert er dafür. Unterstützt wird er von Trainern, Ärzten, Physiotherapeuten, Sportpsychologen, einer Ernährungsberaterin – ja sogar von einem Sportwissenschaftler. „Unser Credo lautet, ganzheitlich auszubilden“, sagt Dietmar Pegam, Geschäftsführer und sportlicher Leiter der Akademie, die als Kooperation zwischen dem steirischen Fußballverband und Sturm Graz geführt wird. „Technik, Kondition und Spielintelligenz entscheiden ebenso, ob sich ein Sportler im Profifußball durchsetzen wird, wie Verletzungsfreiheit, die richtige Ernährung und der Umgang mit Druck.“ Im Fokus der Ausbildung steht die Entwicklung des einzelnen Spielers, die sogar vor den Mannschaftserfolg gestellt wird. „Jeder Fußballer ist anders – charakterlich, körperlich, fußballtechnisch“, sagt Arnold Wetl, der die U15 trainiert. Individualtrainer wie Ferdinand Feldhofer arbeiten mit einzelnen Spielern und in positionsspezifischen Kleingruppen an den ganz eigenen Stärken und Schwächen der Talente. „50 Ballkontakte im Mannschaftstraining sind zu wenig“, Nr. 3; Juni / Juli 2016 111

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