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SPORTaktiv Juni 2016

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ALLSPORT MARTIN HARNIK

ALLSPORT MARTIN HARNIK ÜBER ... INSTINKT ER TRAF IN SEINEM ERSTEN LÄNDERSPIEL. Und auch bei seinem Erstliga-Debüt. Nun will unser Nationalspieler Martin Harnik mit Österreich bei der Europameisterschaft für Aufsehen sorgen. Dabei vertraut er auf seinen Instinkt. Und natürlich auf den Fußballgott ... Martin, in wenigen Tagen startet die EM in Frankreich. Geht der Puls beim Gedanken ans Auftaktmatch gegen Ungarn schon ein wenig höher? Die Vorfreude ist groß! Wir haben eine lange Qualifikation hinter uns und befassen uns seit Monaten mit dem Thema EM. Man kann davon ausgehen, dass es viele emotionale Momente geben wird. Klingt trotzdem relativ unaufgeregt ... Die Aufregung entsteht meistens erst bei der Besprechung vor dem Spiel. Im Bus auf dem Weg zum Stadion werden bei mir gerne mal die Beine unruhig. Ich versuche dann, mich mit Musik oder ein paar Videoclips abzulenken. Und wenn du auf dem Rasen stehst und die Hymne erklingt? Bin ich so auf das Spiel fokussiert ... da ist für Aufregung kein Platz mehr im Kopf. Einerseits will man in einem EM-Spiel alles geben. Andererseits sollte man auch nicht übermotiviert ins Spiel gehen. Wie kriegt man da die richtige Balance hin? Unser britischer Fitnesstrainer Roger Spry zeigt vor dem Spiel immer auf den Kopf und sagt: cool. Dann zeigt er auf die Beine und sagt: hot. Das ist wohl das beste Rezept. Generell läuft das aber gar nicht so bewusst ab. In einem Spiel gibt es nur wenige echte Schlüsselszenen, in denen du die Zeit hast, überhaupt nachzudenken. Vielleicht, wenn du alleine auf den Torwart zuläufst. Oder bei einem Elfmeter. Alles andere ist Instinkt. Und der Der Nationalspieler MARTIN HARNIK wurde am 10. Juni 1987 als Sohn einer Deutschen und eines Steirers in Hamburg geboren. Im August 2007 gab er für den SV Werder Bremen sein Debüt in der deutschen Bundesliga und machte gegen Tschechien sein erstes Spiel für die ÖFB-Auswahl. Im Jahr 2009 wurde er mit Bremen DFB-Pokalsieger. Von 2010 bis 2016 spielte er für den VfB Stuttgart. Für Österreich bestritt er bis heute 56 A-Länderspiele, in denen er 14 Tore erzielte. Martin Harnik ist verheiratet, mit seiner Frau Sharon lebt der gelernte Versicherungskaufmann in Remshalden (Baden-Württemberg). macht einen guten Fußballer aus. Mal ganz konkret: Du kannst auf einen Mitspieler passen oder einen Alleingang starten. Wie triffst du diese Entscheidung? Vielleicht habe ich genug Zeit, um abzuwägen, welche Entscheidung ich für die bessere halte. Aber meistens ist das Spiel viel zu schnell. Du machst es einfach! Da hätten wir wieder den Instinkt ... Und genau deshalb sind die schweren Tore oft die leichtesten. Weil du einfach abziehst – und vielleicht sensationell triffst. Wenn du aber ein sicheres Ding auf dem Fuß hast, von dem alle erwarten, dass du ihn reinmachst ... dann hast du etwas zu verlieren. Und das macht es nicht leichter. Bei deinem Länderspiel-Debüt gegen Tschechien im August 2007 hast du sechs Minuten nach deiner Einwechslung mit dem zweiten Ballkontakt den Ausgleich erzielt. War das leicht? Das war vor allem unglaublich! Du kommst rein und triffst direkt gegen Petr Czech, einen der besten Torhüter der Welt. Plötzlich denkst du dir: Cool, das ist ja gar nicht so schwer! Drei Tage später habe ich dann auch noch bei meinem Erstliga-Debüt in der deutschen Bundesliga getroffen. Da war ich natürlich im siebten Himmel. Aber die Realität holt einen schnell wieder ein. Ganz so leicht ist das Toreschießen leider doch nicht ... Im Fußball bist du abhängig von deinen Mitspielern. Wärst du manchmal lieber Einzelsportler und alleine für deinen Erfolg verantwortlich? FOTOS: Puma, gepa pictures TEXT: Axel Rabenstein 114 SPORTaktiv

Ganz und gar nicht. Als Jugendlicher habe ich intensiv Tennis gespielt. Auch in diesem fantastischen Sport hätte ich vielleicht die Möglichkeit gehabt, professionell aktiv zu sein. Mit 15 Jahren musste ich mich entscheiden, welchen Sport ich neben der Schule weiter betreiben möchte. Und ich habe mich gezielt für den Fußball entschieden. Warum also der Mannschaftssport? Weil du gemeinsam gewinnst und verlierst. Es macht mehr Spaß, mit anderen zu jubeln. Und in der Niederlage spendet dir ein Team auch Trost. Das sind Gefühle und Erinnerungen, die einem sehr nahe gehen. Wie nahe gehen einem die Fans? Wie stark beeinflusst das Publikum ein Spiel? Gute Stimmung kann dich richtig pushen. Du denkst nicht mehr nach, ob deine Beine schwer sind, ob du einen Sprint anziehst – du tust es einfach. Ein Pfeifen oder Raunen kann dich aber auch schnell verunsichern. Allerdings nur von den eigenen Fans. Das Pfeifen der gegnerischen Fans motiviert mich eher. Welcher Moment mit dem Nationalteam war besonders emotional? Da erinnere ich mich an unser Qualifikationsspiel gegen Russland. Bei einer Niederlage hätten sie uns in der Gruppe überholt. Der Schiedsrichter erkannte unser Tor zum 1:0 nicht an. Keine halbe Minute später haben wir erneut eine Chance, ich passe nach innen auf Rubin Okotie – der schiebt zur Führung und zum späteren Sieg ein. Das war ein gigantischer Moment. Da kriege ich jetzt noch Gänsehaut ... Es gibt diesen Spruch: So ist Fußball. Das heißt soviel, als dass auch mal das schlechtere Team gewinnt. Findest du das gut? Ich denke, das ist extrem wichtig für unseren Sport! Wenn eine Mannschaft jahrelang die Liga dominiert, wird es langweilig. Man sieht es an der Meisterschaftsfeier des FC Bayern München. Da geht irgendwann auch bei den Leuten das Interesse verloren. In England dagegen hat sich mit Leicester ein Überraschungsteam durchgesetzt. Ebendies macht den Fußball sehenswert. Und manchmal gewinnt der Underdog eben auch nur mit Glück. Ich finde das völlig okay. So wie sich die Griechen im Jahr 2004 zum EM-Sieg gemauert haben. Kann Österreich einen ähnlichen Coup landen? Die Griechen haben sich ihren Titel hart erarbeitet. Und es wäre realitätsfern, den EM-Titel ernsthaft in Betracht zu ziehen. Aber unsere Brust ist breit, wir haben eine tolle Qualifikation gespielt und versuchen nun, uns mit der richtigen Mischung aus Selbstbewusstsein und Respekt so gut wie Skyrunning ist für Emelie Forsberg viel mehr als bloß ein Wettkampf: Das Erleben der Natur, das Rundumschauen in der Kulisse der Bergwelt begeistert die schwedische Ausnahmeläuferin. möglich zu verkaufen. Zum Abschied noch eine Frage, die uns alle beschäftigt: Gibt es einen Fußballgott? Also, das wurde ich wirklich noch nie gefragt. Ich glaube auf jeden Fall an Schicksal. Und ich denke, dass viele Dinge so kommen, wie sie kommen sollen. Manchmal ist es beim Fußball wie verhext. Dann hast du wieder Glück und kannst gar nichts falsch machen. Und das ... ja das will ich gerne den ‚Fußball - g ott’ nennen. Nr. 3; Juni / Juli 2016 115

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