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SPORTaktiv Juni 2018

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Die fünf Gringos stehen

Die fünf Gringos stehen bereit. Unter den Hutkrempen ihrer Helme blitzt Entschlossenheit aus den Augen, Mut und, ja, auch ein Hauch Verwegenheit. Die Pferde sind gesattelt, bereit fürs Duell. Der Gegner heißt Wellenbahn und Steilkurve. Wenige Sekunden später merken die Greenhorns, dass etwas weniger Verwegenheit und etwas mehr Beherrschung besser gewesen wäre. Radbeherrschung nämlich. Wir stehen im Anfängerparcours der Schöckl Trail Area am Fuße des legendären Grazer Schöckls. Dort werden nicht nur die Puch G auf Geländetauglichkeit getestet, sondern auch viele Mountainbiker bei diversesten Vergnügungen (siehe Renntermine) – und heute eben wir. Unser Coach Michael Gölles kann sich ein Grinsen kaum verkneifen, feuert uns aber an. Der Erste trifft den Anlieger nicht richtig, der Zweite schießt aus der Kurve, der Dritte hoppelt über die Wellen. Keiner schafft die Übung auf Anhieb, na bravo. Die SPORTaktiv-Redaktion ist ausgerückt, um (teils) erste Bikepark-Erfahrungen zu sammeln und macht zumindest in der ersten Runde nicht die beste Figur. Was braucht es, um sich als Mountainbiker in einen Bikepark zu trauen? Und was ist ein Bikepark überhaupt? GÖ UND DIE GRINGOS WER TRAUT SICH IN DEN BIKEPARK? WAS MUSS| MAN KÖNNEN?|EIN SPORTLICHER| BETRIEBSAUSFLUG|DER SPORTAKTIV-REDAKTION| AUF|DEN|STRECKEN DER SCHÖCKL TRAIL| AREA IN ST. RADEGUND BEI GRAZ.| TEXT: CHRISTOPH HEIGL FOTOS: THOMAS POLZER Perfekter Coach Ein Bikepark ist eine Anlage, im Idealfall ein ganzer Berg, wo Strecken nur für Mountainbiker angelegt sind. Keine Forststraßen, sondern schmale Trails berg ab, oft mit Steilkurven und künstlichen Hindernissen. Bergauf geht’s mit Gondel oder Sessellift. Durch den E-Bike-Boom entstehen aber auch schon Bikeparks mit sogenannten „Uphill-Flow- Strecken“. Wir fahren nur bergab und haben uns als Instruktor einen idealen Mann angelacht: Michael „Gö“ Gölles, Sportwissenschafter, Ex-Downhill-Staatsmeister und Hausherr am Schöckl. Seine beruhigende Einschätzung: „Man kann im Bikepark auch bei null beginnen, im Prinzip ist keinerlei Vorkenntnis nötig.“ Unsere Fünfergruppe ist breit aufgefächert: Vom Bike-Anfänger über Mutig-Motivierte bis hin zu Normal-Bikern ohne Bikepark-Erfahrung. Leihbikes werden ausgegeben, Knieschützer aufs Knie, Helme aufs Hirn, fertig. Wir beginnen unseren Kurs auf einem derzeit so modernen „Pumptrack“, früher hätte man BMX-Bahn gesagt. Zwei erhöhte Anliegerkurven links und rechts, dazwischen ein paar gleichmäßige Wellen. 108 SPORTaktiv

Dort (siehe oben) werden uns die ersten Grenzen aufgezeigt und unser Coach ist am Wort. „Mountainbiken ist im Gelände eine Schwungsportart“, sagt Gölles, „es geht darum, möglichst viel Schwung und Speed zu generieren.“ Sagt’s, setzt sich auf sein Bike und fährt los. Erster Anlieger, mit Pumpbewegungen über die Wellen, zweiter Anlieger, das Tempo wird höher, Wellen, fertig. Auf der kleinen 30-Meter-Bahn hat er kein einziges Mal getreten und nur über Körperbewegungen den Schwung und Speed gehalten. Erstaunlich. „Es ist ähnlich wie beim Skifahren“, bekommen wir vom Meister nun Tipps zur Grundhaltung. „Du musst zentral am Bike stehen. Früher ging man mit dem Gewicht nach hinten, bei den modernen 29er-Bikes und Enduros ist das nicht mehr nötig.“ Und siehe da, es klappt schon ein wenig besser. In den Anliegern sollen wir den Lenker auf der Kurven-Innenseite nach unten drücken und über die Pedale Druck auf den Hinterreifen aufbauen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Bei Sandra, Klaus, Arnold, Christof und Christoph fließen erste Schweißtropfen. Das Training wird auf einem flachen und kurzen Anliegerkurs fortgesetzt, wir versuchen, unsere Räder über Körperbewegungen zu steuern und zu SPORTaktiv 109

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