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SPORTaktiv Juni 2018

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CLAUDIA MÜLLER AUS

CLAUDIA MÜLLER AUS STAINZ (STEIERMARK) DISTANZIERT ALS EXTREMSCHWIMMERIN MITUNTER DIE BESTEN MÄNNER. UND SIE IST ALS SPORTLERIN DER BESTE BEWEIS, DASS EIN ALLZU OFT GEBRAUCHTER SPRUCH JA DOCH STIMMEN MUSS: „GEHT NICHT, GIBT’S NICHT“. GRENZEN DAVONSCHWIMMEN VON CHRISTOF DOMENIG Aufgefallen ist uns Claudia Müller beim 24-Stunden-Schwimmen in Bad Radkersburg, dem jährlichen Event zu Gunsten von Licht ins Dunkel. 2017 hat sie mit 69,7 Kilometern, und 2016 mit 64,8 Kilometern gewonnen und dabei jeweils den besten Mann distanziert. 2015 hatte Müller mit 58,2 Kilometern bereits „normal“ die Damenklasse für sich entschieden. Dass Frauen in sportlichen Wettbewerben die besten Männer hinter sich lassen, kommt schon selten vor. Doch welche sportliche Geschichte – und vor allem auch: welche Lebensgeschichte sich hinter der Leistung der 48-Jährigen Kinderbetreuerin und Hobby-Leistungssportlerin steckt, das ahnt man zunächst nicht. Schon der Start ins sportliche Leben verlief für Müller ungewöhnlich: „Mit sechs Jahren hab ich mir das Schwimmen selbst beigebracht. Wir waren fünf Kinder, ich das dritte und die beiden älteren Geschwister sollten im Schwimmbad auf mich aufpassen. Doch das hat sie nicht wirklich interessiert“, erzählt Müller schmunzelnd. „Auch das Kraulschwimmen hab ich dann etwas später selbst erlernt, durch Abschauen und Nachahmen.“ Das Schwimmbad war der Treffpunkt der Stainzer Kinder – und die kleine Claudia offenbar talentiert. Ihre Schwimmleistungen fielen auf, es stand sogar im Raum, nach der Volksschule von Stainz ins 30 Kilometer entfernte Graz zu pendeln, und die Schule mit Leistungssport zu verbinden. „Das war finanziell bei fünf Kindern aber dann doch nicht drin.“ Lange Zeit auf Krücken Mit 16 änderte sich Claudia Müllers Leben: Eine Hüftdysplasie, eine Fehlbildung beider Hüftgelenkspfannen, zwang die Jugendliche zu beidseitigen Operationen. Dabei wird der Hüftkopf durch trennt, der Heilungsverlauf danach ist langwierig. Nach jeder der beiden Operationen konnte sich die Steirerin Fotos: C. Müller, Parktherme Bad Radkersburg 142 SPORTaktiv

CLAUDIA MÜLLER ist 48 und Kinderbetreuerin. Ihre Leidenschaft: lange Schwimmund Ausdauersportdistanzen. sechs Monate lang nur mit Hilfe von Krücken fortbewegen. Sport war sogar bis zum Alter von 20 unmöglich. Und der Gang blieb auch danach „auffällig“. „Mehr als drei Kilometer wirst du nie laufen können“, sagte ihr Arzt. Mit 21 kam ihr Sohn auf die Welt – was andere wohl noch weiter von jeder sportlichen Betätigung wegbringen würde. „Aber ich habe mich immer gern bewegt. Ich bin viel Rad gefahren, habe meinen Sohn hinten aufs Rad raufgesetzt.“ Auch geschwommen ist sie wieder viel. „Und das Laufen hat mich, trotz ärztlicher Warnung, auch nie losgelassen.“ Mit 27 Jahren fiel sie aufgrund ihres Gangbilds einem anderen Arzt auf, „der hat mir ein Übungsprogramm gegeben, und mich zu weiterer Bewegung ermutigt. Und ich habe gemerkt: Je mehr ich mich bewege, desto besser geht es mir.“ „Profi“ – unter Anführungszeichen 2007, mittlerweile 36-jährig, schloss sich Müller dem Hobby-Ausdauersportverein Greisdorfer Wurzelhupfer an. 2008 schrieb ihr der damalige Vereins- SPORTaktiv 143

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