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SPORTaktiv Juni 2019

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FREISCHWIMMER WIE

FREISCHWIMMER WIE TRAILRUNNING, Der Vergleich mit dem Trailrunning trifft die Sache gut, bestätigt Gottfried Eisenberger. „Open Water hat viel mit Freiheit zu tun, mit der Nähe zur Natur. Wie Trailrunning ist Freiwasserschwimmen Ausdauer- und Abenteuersport zugleich“, sagt Eisenberger. Der 25-jährige Grazer war bis 2017 Schwimmprofi mit Spezialdistanz 50 und 100 m. Davon hat er sich verabschiedet. Umso mehr fasziniert ihn Freiwasserschwimmen. Beruflich ist er IT-Unternehmer, „als Hobby“ schwimmt er bei Freiwasserbewerben mit und betreibt das Fachportal OpenWaterSchwimmen.com. Das Schwimmen im See oder Meer hat natürlich etwas andere Anforderungen als im Becken: Das betrifft die Orientierung oder den Umgang mit Strömungen, Wellen, Wind. Oder auch mit unterschiedlichen Wassertemperaturen. Beim Massenstart einschießendes Adrenalin gibt bei den Bewerben einen besonderen Kick, erzählt Eisenberger. Auch die größeren Distanzen der Bewerbe spielen eine Rolle: Bei Weltmeisterschaften wird über 5, 10 und 25 Kilometer geschwommen, bei Olympischen Spielen (Open Water ist seit 2008 olympisch) über 10 Kilometer. Eine Handvoll Österreicher – etwa der Oberösterreicher David Brandl – betreibt die Sportart auf Hochleistungsniveau. „98 Prozent der Szene sind jedoch Hobbyschwimmer“, weiß Eisenberger. NUR IM WASSER: OPEN-WATER- SCHWIMMEN IST AUSDAUER- UND ABENTEUERSPORT MIT RIESEN-LANDSCHAFTS- FAKTOR. KEIN WUNDER, DASS DIE SZENE WÄCHST. VON CHRISTOF DOMENIG Fotos: Gottfried Eisenberger 126 SPORTaktiv

EVENT-HIGHLIGHTS An die Masse richten sich vor allem die kürzeren Distanzen: Weil viele Triathleten die Open-Water-Bewerbe als Vorbereitung mitnehmen, sind 1,9 und 3,8 Kilometer bei vielen Events im Angebot, aber auch noch kürzere Distanzen, etwa 500 oder 750 Meter. Alles meist ohne Zeitlimit. Die Einstiegshürde ist also gering, manche Teilnehmer schwimmen sogar im Bruststil. „Die Szene in Österreich ist klein, aber wächst deutlich“, erzählt Eisenberger auch. Im Vergleich zu den Ausübendenzahlen ist die Eventdichte sogar erstaunlich groß, im Vorjahr listete sein Portal 35 Events in Österreich auf, heuer sind es 40 und im gesamten deutschsprachigen Raum sogar 170. Der seit 11. Juni: Vienna Swim Open Neue Donau (W) 21. Juni: Kitzbühel Swim Open, Schwarzsee (T) 30. Juni: Klopeiner-See-Überquerung (K) 6. Juli: Backwaterman Ottensteiner Stausee (NÖ) 6. Juli: Seequerung Lochau–Bregenz (V) 20. Juli: Lake Bled Open Water (SLO) 3. August: Hallstättersee-Schwimm-Marathon (OÖ) 3. August: Atterseeüberquerung, Attersee (OÖ) 3. August: Zell am See Swim Open (S) 14. August: Vollmondschwimmen, Neue Donau (W) 24. August: Fuschlsee-Crossing, Fuschl am See (S) 15. September: X-Waters Wörthersee (K) Alle Termine im deutschsprachigen Raum: www.openwaterschwimmen.com 1933 ausgetragene heimische Klassiker ist die „Atterseeüberquerung“ (2019 am 3. August): 2,5 Kilometer lang, auf 400 Teilnehmer limitiert – und binnen eines Tages ausgebucht. 350 bis 400 Starter zieht – heuer sogar am selben Tag – der Hallstättersee-Schwimm-Marathon an, rund 50 Prozent davon aus dem Ausland. Verglichen mit der „Stadtzürcher Seequerung“ sind die heimischen Topevents aber „kleine Fische“: In Zürich stürzen sich jährlich 9000 in die Fluten. Neben einer besonders schönen Landschaft stechen manche Events auch durch Originalität hervor: Am Chiemsee in Bayern und heuer erstmals auch auf der Neuen Donau (14. August) wird bei Vollmond geschwommen. Einen Freiwasserbewerb einmal zu versuchen, empfiehlt sich auch, weil der Materialaufwand klein ist. Neben Badehose und Schwimmbrille ist ein Neoprenanzug empfehlenswert, der unter 18 Grad Wassertemperatur meist vorgeschrieben und bis 24,9 Grad erlaubt ist. Der „Apfelland Schwimm Marathon“ am steirischen Stubenbergsee ging heuer Anfang Mai übrigens bei 13,8 Grad Wassertemperatur über die Bühne. Bloß zur Verwendung einer Boje oder eines „Restube“-Rettungssystems rät Gottfried Eisenberger, im Training wie in Bewerben, dringend, „weil sie tragische Unfälle einfach verhindern können“. Bojen werden im Wasser mitgezogen, das „Restube“ als Gürtel getragen und ähnlich wie ein Lawinenairbag für Skitourengeher im Notfall per Gaskartusche aufgeblasen. Fern des Ufers kann man sich daran festhalten, sich dank Signalfarbe bemerkbar machen und wird leicht gefunden. Worin sich Open-Water-Schwimmen und Trailrunning auch gleichen: Der Abenteuercharakter gewinnt mit der Länge der Distanz. Als „Urvater“ gilt der Engländer Matthew Webb, der 1875 als erster den Ärmelkanal (34 km) durchquerte. „Crossings“, Durchquerungen von großen Seen oder Meerespassagen, gelten überhaupt als Königsdisziplin. Analog zu den Bergsteiger-Seven Summits gibt’s die „Ocean’s Seven“ als weltweite Herausforderung, mit sieben Kanaldurchquerungen zwischen 14 und 44 km Länge auf fünf Kontinenten. Nicht von schlechten Eltern ist aber auch, was die Steirerin Claudia Müller am 15. August vorhat: Sie will den Wörthersee schwimmend umrunden. Das sind rund 40 Kilometer, sechs mehr als durch den Ärmelkanal, und es ist noch nie versucht worden. Das alles zu Gunsten der Krebshilfe. SPORTaktiv 127

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