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SPORTaktiv Juni 2019

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LUKAS WEISSHAIDINGER

LUKAS WEISSHAIDINGER (Spitzname: Lucky Luki) wurde am 20. Februar 1992 im oberösterreichischen Schärding geboren. Nach seiner Lehre als Maschinenbaukonstrukteur und dem Entschluss, das Diskuswerfen zu seinem Beruf zu machen, zog er nach Wien, um mit seinem Trainer Gregor Högler in der Südstadt unter besten Bedingungen trainieren zu können. Der Inhaber des österreichischen Rekords (68,98 Meter) wurde bei den Europameisterschaften 2018 in Berlin Dritter (Foto), sein größter internationaler Erfolg bisher. Mit Blick auf die WM 2019 in Doha und die Olympischen Spiele 2020 in Tokio sagt der Hobbyfotograf: „Ich will die absolut besten Werfer der Welt jagen. Und eines Tages selbst der Gejagte sein.“ „Ich bin fit, verletzungsfrei, die Zusammenarbeit mit meinem Trainer Gregor Högler fruchtet immer mehr“, sagt der in Wien trainierende Oberösterreicher im Gespräch mit SPORT aktiv. „Ich hoffe, dass die letzte Saison nur die vorläufig beste ist und die ultimativ beste noch vor mir liegt.“ Und zwar im Idealfall jedes Jahr aufs Neue. Lukas Weißhaidinger hat sich den Status erarbeitet, zusammen mit Mehrkämpferin Ivona Dadic als heißestes Eisen der österreichischen Leichtathletik-Schmiede zu gelten. Wobei die Betonung auf „erarbeitet“ liegt, denn nur auf sein Talent wollte und auf körperliche Vorteile konnte er sich beim Weg in die Weltspitze nicht verlassen. „Harte Arbeit und Leidenschaft schlagen Talent“, lautet einer der Leitsprüche des Mannes, der manchmal zu hören bekommt, dass er für einen Diskuswerfer etwas klein wäre. Wer schon mal im Schatten des 1,97 Meter großen und 147 Kilogramm schweren Athleten stand, muss da womöglich etwas schmunzeln. Doch zu manchem seiner Konkurrenten fehlen eben doch ein paar Zentimeter und somit bei der für Diskuswerfer wichtigen Spannweite, weswegen dieser Nachteil mit einer ausgefeilten Technik wettgemacht werden muss. Und genau das ist die große Stärke des Duos Weißhaidinger/Högler, das seit Anfang 2015 zusammenarbeitet. Wenn sich der studierte Maschinenbauer Högler und der Maschinenbaukonstrukteur Weißhaidinger über technische Details austauschen, „ist das für andere so, als würden sie endlich das Finale von Game of Thrones sehen können“, sagt Weißhaidinger. Pure Leidenschaft. Man könnte auch von Detailverliebtheit am Rande der Besessenheit sprechen, ohne den beiden zu nahe zu treten. Greifbares, aber streng geheimes Ergebnis dieser Obsession ist das sogenannte „KTG“. Ein KraftTrainingsGerät, das weder gefilmt noch fotografiert werden darf, „schließlich hängen Toyota oder BMW ihre kreativsten Ideen auch nicht ans schwarze Brett“, wie Lukas vergleicht. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um einen exklusiven Wurfsimulator, mit dem man bis zu 300 Mal in einer Stunde den Diskus in die Welt hinausschießen kann. Oder zumindest so tun als ob. „Draußen bräuchte ich dafür einen ganzen Trainingstag“, erklärt Weißhaidinger. „Dazu kommt, dass ich sehr spezielle Muskelgruppen trainieren kann und durch die Stärkung von Sehnen und Bändern auch Verletzungsprophylaxe betreibe. Wenn man so will, haben wir damit die eierlegende Wollmilchsau erschaffen.“ Als bei dieser kürzlich der Zylinder kaputtging, nahm Gregor Högler, der mit 84,03 Metern übrigens den österreichischen Rekord im Speerwerfen hält und auch als Sportdirektor beim Leichtathletik-Verband (ÖLV) fungiert, kurzerhand einen Pinsel und schrieb mit dem ausgetretenen Öl „70 Meter“ an die Wand. Das ist die magische Weite, das große Ziel und wohl auch das Ergebnis, das es braucht, um bei den Olympischen Spielen 2020 beim Kampf um die Me- 132

IN LUKIS KOPF MUSS REIN, DASS ER ZU DEN BESTEN WERFERN DER WELT GEHÖRT, JEDEN SCHLAGEN KANN. daillen mittendrin statt nur dabei zu sein. „Solche Symboliken sind ganz wichtig, um zu verinnerlichen, dass ich diese Weite unbedingt schaffen will.“ Eine andere: Am Trainingsgelände in der Südstadt wurde genau bei dieser Marke ein kleines Bäumchen gepflanzt, das Lukas bei jedem Wurf zeigt, wohin die Reise des Diskus’ gehen soll. „Man kann es mit einem Fußballer vergleichen. Wenn es keinen Elfmeterpunkt gibt, weiß er auch nicht, von wo aus er den Ball schießen soll.“ Anekdoten, die zeigen, wie ernst es Lukas Weißhaidinger ist, bei der WM im September in Doha und bei den Spielen in Tokio auf das Treppchen zu kommen. „In Lukis Kopf muss rein, dass er zu den Besten der Welt gehört, jeden schlagen kann. Bei einer WM oder Olympia gibt es keine Wunder“, sagt Högler. Beim Diamond-League- Auftakt in der Hauptstadt von Katar Anfang Mai hat sich das Duo mit den speziellen Bedingungen vor Ort vertraut gemacht und wichtige Erkenntnisse gewonnen. „Bei unserem Meeting wurde die Klimaanlage beim Wettkampf Lukas Weißhaidinger und Ivona Dadic präsentieren die neuen ÖLV-Prämien für Olympia und Weltmeisterschaften. ausgeschaltet, bei den asiatischen Meisterschaften wenige Wochen zuvor blieb sie an. Ein Athlet hat mir verraten, dass die Disken dann ein ganz anderes Flugverhalten haben. Darauf muss ich vorbereitet sein.“ Vermeintliche Kleinigkeiten, die am Ende den Unterschied zwischen Gold und Blech, zwischen Sieg und Enttäuschung ausmachen können. Und bei denen es sich Lukas nur schwer verzeihen könnte, wenn er sie im Vorfeld übersehen würde. Denn mit den Aussagen eines Christoph Harting, die der deutsche Olympiasieger vor wenigen Wochen in der Sport Bild tätigte, kann er überhaupt nichts anfangen. Auszüge: „Richtig Spaß am Werfen hatte ich zuletzt mit 14.“ Oder: „Ich war ein Vollidiot, dass ich mich mit zwölf für die Sportschule und gegen das Mathe-Gymnasium entschieden Der Schwede Daniel Stahl warf heuer bereits über 70 Meter. „Ihn gilt es zu schlagen“, sagt Weißhaidinger. habe.“ Oder: „Die Leute denken: Man muss doch eine gewisse Freude oder Leidenschaft dafür empfinden, wenn man das macht. Nein! Muss man nicht.“ Weißhaidinger wählt die Worte mit Bedacht. „Ich respektiere Christoph Harting als Werfer, er hat in Rio einen fantastischen Wettkampf abgeliefert. Aber so, wie er sich in den letzten zwei Jahren präsentiert hat, passt es zu seinen Aussagen. Wenn Gregor und ich keine Beispiele dafür sind, was im Sport mit Leidenschaft alles möglich ist – wer dann?“ Dazu passt, dass Högler mehr als einmal Angebote aus Sportpolitik und Wirtschaft hatte, die deutlich lukrativer wären als Trainer von Lukas Weißhaidinger zu sein. „Aber er meinte zu mir: Lukas, wir haben noch Ziele und Träume, die wir erreichen wollen. Unser Weg ist noch lange nicht zu Ende“, erzählt Weißhaidinger, der sich mit Anfang 20 selbst die Frage gestellt hat, ob er dem Geldver- SPORTaktiv 133

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