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SPORTaktiv Juni 2020

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GERLINDE KALTENBRUNNER

GERLINDE KALTENBRUNNER Geb. 13. Dezember 1970. Zwischen 1998 und 2011 bestieg die Oberösterreicherin aus Kirchdorf an der Krems als erste Frau der Welt alle 14 Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff. Sie ist unverändert Profibergsteigerin und Vortragende, lebt aktuell am Attersee in Oberösterreich. www.gerlindekaltenbrunner.at 120 SPORTaktiv

UMKEHREN IST KEIN VERZICHT „SICH AUF WENIGE, WESENTLICHE DINGE ZU KONZENTRIEREN, KANN SEHR ERLEICHTERND, ÖFFNEND UND BEFREIEND SEIN“ – SAGT ÖSTERREICHS BESTE BERGSTEIGERIN ALLER ZEITEN, GERLINDE KALTENBRUNNER. EIN INTERVIEW IM ZEICHEN EINER AUSSERGEWÖHNLICHEN ZEIT. VON CHRISTOF DOMENIG Fotos: Gerlinde Kaltenbrunner, Roland Haschka ie 14 höchsten Berge der Welt hat Gerlinde Kaltenbrunner hinter sich gelassen, die Berge wie auch die Natur sind ihre Welt geblieben. „Ein achtsamer, respekt- und liebevoller Umgang mit der Natur und allen Wesen ist der Grundpfeiler ihres Lebens“, so steht es in der Biografie auf ihrer Webseite. Und das spürt man auch, wenn man bloß als Wanderer mit ihr unterwegs ist. Im letzten Dezember konnte SPORTaktiv die erste Höhenbergsteigerin der Welt, die alle 14 Achttausender-Gipfel ohne künstlichen Sauerstoff besteigen konnte, bei einer einfachen Winterwanderung in der Region Seefeld in Tirol begleiten. Kaltenbrunner erzählte damals unter anderem von ihren Plänen einer sechswöchigen Unternehmung in Indien im April und Mai 2020. Aufgrund der Covid19-Pandemie konnte die Oberösterreicherin dieses Ziel logischerweise nicht verwirklichen. Das damals vereinbarte Interview ging jetzt natürlich auch in eine andere Richtung: über den Wert von Verzicht im Bergsport und im Leben, Respekt vor der Natur und Zukunftspläne in einer Zeit, die Planbarkeit kaum zulässt. Mit dem Erreichen des K2-Gipfels haben Sie den letzten der 14 Achttausender vor knapp neun Jahren erreicht und damit diesen Teil Ihres Lebens abgeschlossen. Rückblickend: Inwiefern würden Sie sagen, hat sich Ihr Leben seither verändert? Nach meiner Zeit an den Achttausendern hat sich mein Leben insofern verändert, als ich nicht mehr insgesamt bis zu fünf bis sechs Monaten im Jahr auf Expedition bin. Seither verbringe ich mehr Zeit in den heimischen Bergen und auch meine persönliche Weiterentwicklung auf mental-emotionaler Ebene hat sich verstärkt. Yoga, Bergsteigen, Klettern, mit meinen Erfahrungen andere Menschen inspirieren: Das alles liegt mir sehr am Herzen. Unter gewöhnlichen Umständen hätten Sie im heurigen April und Mai eine Expedition auf einen „schönen 6000er“ unternommen. Welcher Berg wäre genau das Ziel gewesen? Und warum gerade dieser – was macht einen Berg für Sie „schön“? Wir wären am technisch unschwierigen Kedar Dome (6831 m) im Garhwa- Himalaya im Norden von Indien, der inmitten anderer großartiger Berge wie zum Bespiel des Shivling liegt, unterwegs gewesen. Mit einigen Freunden wollte ich dort auf Skiern unterwegs sein. Ganz in der Nähe entspringt der heilige Fluss Bhagirathi, der größte Zufluss des Ganges – ein sicher sehr inspirierender Platz. Wir wollten einen Berg mit Skiern besteigen, der technisch unschwierig ist, sodass wir in dem Team, wie wir eben starten wollten, auch gemeinsam unterwegs sein können. Es sollte ein Sechstausender sein und möglichst in Indien – dort waren die meisten aus unserem Team und auch ich noch nie zum Bergsteigen unterwegs. Wie verbringen Sie in der „Corona-Zeit“ jetzt stattdessen Ihre Zeit, wie halten Sie sich fit? Auch in dieser sehr außergewöhnlichen Zeit war und bin ich so oft als möglich draußen unterwegs. Der Wald und die SPORTaktiv 121

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