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SPORTaktiv Juni 2020

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wenn das meistens

wenn das meistens bedeutet, dass die Route, wenn sie enger und steiler wird, auch anspruchsvoller wird. Überfordert sollte aber keiner sein. Im Idealfall ist man am Weg in Gedanken voll bei sich, mit sich selbst beschäftigt. Hintereinandergehend. „Es braucht beim Wandern aber auch andere Qualitäten“, so Kranzmayr. „Für die „DAS soziale Komponente sorgen die Hütte oben, der Gipfel oder vor allem der Retourweg über einen breiten Wanderweg oder die Forststraße. Hier kann man dann das Erlebte in der Gruppe besprechen, tratschen und Erlebnisse verarbeiten.“ Gemeinsam in der Gruppe. Die ideale Wanderung könnte aus diesem Kontrast bestehen: bergauf ein schmaler, enger, naturnaher Pfad, bergab ein breit angelegter Weg. 100 Alternativen sind genauso denkbar. Immer nur der schönste Pfad sei auf Dauer jedenfalls zu monoton, selbst ein durchgehend spektakulärer Grat verliert seinen Reiz. „Das ist wie bei einer Fotosafari. Am ersten Tag wird jeder Löwe fotografiert, am dritten Tag nur noch der Größte.“ Kranzmayr nennt das „Erlebnisreizwechsel“. Jetzt in Corona- und Post-Ausgangsbeschränkungszeiten sind Touristiker und Marketing besonders gefragt. „Der Markt ist kleiner geworden und zusammengerückt“, sagt Kranzmayr. „Die Wanderwochen auf den Kanaren sind vorerst genauso wenig Thema wie Marokko, Griechenland und die Türkei, viel Mitbewerb fällt also weg. Das ist gut für jene in Österreich, die sich bereits als Wanderregion aufgestellt haben.“ Aber dafür ist innerösterreichisch das Ringen um den Urlaubs- und Wandergast so richtig losgegangen. Einen Startvorteil haben jene, die von Haus aus mit einer hochattraktiven Landschaft punkten können, also in erster Linie mit Bergen und Seen. Kranzmayr spricht aber gerne auch von den „schlummernden Potenzialen“ in vielen Regionen. „Wir haben ja nix“, hört er oft in Orten, wo vermeintlich wenig Spektakuläres zu finden ist. Dabei sind da oft die besten Geschichten versteckt, man müsse sie nur mit „Gefühl und Gespür“ erzählen. Das könne man versuchen, so Kranzmayr, „über eine Kreativagentur extern anzukaufen“, oder selbst „mit viel Herzblut, Ecken und Kanten“ und authentisch zu vermitteln. „Wie funktioniert die Landschaft? Was für ein besonderes Zusammenspiel haben Berg und Tal? Das alles kann man dem Gast erlebbar machen.“ Und das sei sehr individuell und im Gasteiner Tal anders als auf der Turrach, im Joglland, im Mostviertel “ oder an der Donau. Die Besonderheit der Landschaft gilt es herauszuarbeiten. „Jedes Dorf, jedes Tal hat seinen eigenen Charakter“, ist er überzeugt, „und im Kern bin auch ich immer noch Wanderführer und will das Besondere einer Region vermitteln.“ Und dabei mache es gar nichts, wenn etwa die in den winterlichen Werbetexten oft stereotyp verwendete „romantische Pferdeschlittenfahrt durch die tiefverschneite Landschaft“ vorkommt. „Gar kein Problem. Die Pferdeschlittenfahrt kann ein Werkzeug sein, wo hinzukommen und das Besondere aus der Landschaft herauszulesen. Wieso ist das hier der schönste Ort der Welt?“ Die Pferdeschlittenfahrt als Weg zum Erlebnis. Auch die Anreise zum Urlaubsort könne schon ein wesentlicher Teil des Erlebniswertes sein. „Früher sind die Wiener mit der Bahn zur Sommerfrische auf den Semmering gefahren. Und auch heute kann man mit einer entspannten WANDER ERLEBNIS STEIGT MIT DEM SINKEN DER WEG BREITE. Zugfahrt in die Destination werben und den Leuten sagen, was sie alles vom Zugfenster aus schon sehen und erleben können.“ Wenn Kranzmayr vom Wandermarketing spricht, fallen Begriffe wie Storytelling, Wandern 4.0, Markenräume, Markenversprechen und Markenerlebnis. Er kann das auch in ganz einfache Geschichten packen. Story 1 zum Thema Empathie: „In einer kleinen Pension lag am Tisch im Zimmer ein hochwertiges Regionsmagazin, mit den richtigen, zum Betrieb passenden Seiten schon aufgeblättert. Auf der Garderobe war ein kleines Set mit Stoff, Nadel und Faden – für kleineres Flickwerk, wenn am Berg was kaputtgeht. Da ist beim Gast sofort präsent: Da hat sich jemand was gedacht dabei.“ Story 2 zum Thema Zeit und Entschleunigung: „Man muss nicht immer so schnell wie möglich ins Tal, man kann auch so lange wie möglich am Berg bleiben.“ Bei einer Wanderung hastete Kranzmayr nicht mit der Gruppe ins Tal, sondern blieb alleine und länger oben und kam dann erst gegen 18 Uhr beim Rückweg noch an einer einsamen Alm vorbei. Der Bauer dort war ver- 128 SPORTaktiv

wundert: „Mit dir stimmt jo wos net“, habe er festgestellt. „Du bist spät dran und hatscht net.“ Sofort kamen die beiden ins Gespräch, der Bauer zeigte ihm sogar seine kleine Käserei – bleibende Eindrücke, weil Zeit war. Story 3 zum Thema Zeit und Reife: Als Wanderführer erkundete Kranzmayr die Insel Lanzarote und scoutete passende Routen und Geschichten für seine Gäste. Stunden- und tagelang kraxelte er durch ödes Lavagestein und fand: nichts. Am Abend des dritten Tages war er knapp am Verzweifeln. „Da habe ich im Streiflicht des Sonnenunterganges kleine, begehbare Wege in der Lava entdeckt und dadurch ein ganzes Wegenetz gefunden.“ Seine Erkenntnis: „Man muss reif sein, bis die Landschaft den Reiz und die Besonderheit offenbart.“ Und jeder Weg zum Erlebnis wird. DIE EUROPÄISCHE WANDER- TOURISMUS-AKADEMIE: Die Akademie versteht sich als Bildungspartner von Organisationen wie Tourismusregionen, Angebotsgruppen und Vereinigungen. Ziele: Markenerlebnis und Qualität steigern. „In den gesättigten Tourismusmärkten ist heute eine strahlkräftige Differenzierung von den Marktteilnehmern notwendiger denn je. Die Faktoren: ein begeisterndes (Marken-) Erlebnis und eine bedarfsorientierte Basisleistung. Kenntnis um schlummernde Potentiale und deren kreative Nutzung ist gefragt.“ Die Akademie unterstützt Wandertouristiker mit neuen Denkansätzen. www.wandertourismus-akademie.eu Andreas Kranzmayr (Bild) ist Geschäftsführer „Alpines Wandermanagement“ in Klagenfurt. Spezialist für Wandertourismus. Kern: Wie mache ich Wandern zum Markenerlebnis? www.alpines-wandermanagement.at Fotos: Hersteller OUT DOOR VON DEN SOCKEN Merinowolle sorgt in Kombination mit einer hochwertigen Hightech- Faser für perfektes Klima manage ment. Die „CEP Outdoor Light Merino Mid Cut Socks“ bieten zudem eine leichte Kompressionswirkung, was für mehr Ausdauer und Trittsicherheit sorgt. www.cepsports.com NEWS SEHEN UND GESEHEN WERDEN „Fusor“ heißt die – auch optisch verglasbare – Multisportbrille von EVIL EYE aus Österreich. Das Ventilationssystem leitet die Feuchtigkeit ab und verringert so das Beschlagen der Filter. Durch die gewölbte Rahmenform bietet sie ein extrem weites Sichtfeld. www.evileye.com KLETTERKIDS Der EDELRID-Finn ist ein Klettergurt für die Kletterstars von morgen – für erste Kletterversuche von Kindern am Fels wie in der Halle. Es gibt ihn in zwei Größen und er ist nachhaltig und ressourcenschonend nach dem bluesign-System produziert. www.edelrid.de SPORTaktiv 129

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