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SPORTaktiv Magazin April 2017

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TRAVEL WELTWEIT SERIE

TRAVEL WELTWEIT SERIE MIT UNSERER SERIE „WELTWEIT“ WOLLEN WIR EINEN BLICK ÜBER DIE GEWOHNTEN GREN- ZEN HINAUS WERFEN – GEOGRAFISCH UND THEMATISCH. DIESMAL: ZU BESUCH IN EINEM THAILÄNDISCHEN KLOSTER, DAS FÜR IMMER MEHR STRESSGEPLAGTE DER WESTLICHEN WELT ZUR ANLAUFSTELLE WIRD. SCHLÜSSEL ZUM GLÜCK TEXT: Stefanie Rabenstein 124 SPORTaktiv

MEDITATION UND ASKESE etablieren sich zunehmend als Gegenbewegung in einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint. Die „Besinnung aufs Innere“ liegt heute in vielen Varianten im Trend der westlichen Welt. Um diesem Trend aber einmal ganz nahe zu kommen, ist unsere Redakteurin Stefanie Rabenstein nach Osten gereist – nach Bangkok, und hat dort mit einem Meister der Meditationskunst gesprochen. FOTOS: Stefanie Robenstein Bangkok ist anders. Die Taxis sind bunt, der Verkehr verrückt. Es ist laut, grell und hektisch. Aber Bangkok kann auch anders: Es ist sozusagen das „Mekka“ des Buddhismus – mit unzähligen Tempeln und buddhistischen Klöstern. Einer dieser spirituellen Rückzugsorte ist der Wat Mahathat. 200 Mönche leben hier. Und auch einige weibliche buddhistische Nonnen. Als wir die Anlage betreten, ist es, als würden wir von der Atmosphäre des Tempels aufgesaugt. Die weißen Gebäude und Tempel mit den orange-roten Ziegeldächern erstrahlen im Kontrast zum blauen Himmel. Schilder weisen auf das klostereigene Meditationszentrum hin. Hier kann man sich auch als westlich Gestresster einmieten und das Meditieren praktizieren – ob für vier Stunden oder vier Jahre spielt dabei keine Rolle. Bezahlt wird nichts. Stattdessen wird gespendet, was man sich leisten kann. Von Meditationswilligen mitzubringen sind lediglich weiße Kleidung (ein Inbegriff für Reinheit) sowie Seife, eine Zahnbürste, ein Kamm, ein Handtuch und ein Schlafsack. FREUNDLICHER EMPFANG Im Meditationszentrum werden wir von einem Mönch in Empfang genommen, der uns auffordert zu warten – auf den Mönch Phra Mahawattana. Er sei ein großer Lehrer und habe Zeit, ein Gespräch mit uns zu führen. Nach wenigen Minuten steigt Phra Mahawattana die Stufen aus dem Untergeschoss herauf. Hinter ihm liegt eine Tür, durch die wir einen Blick auf mehrere, vor allem westliche Meditierende erhaschen können. Während wir in einen separaten Raum geführt werden, erklärt uns Phra Mahawattana, dass sich die Meditationsschüler während ihres Aufenthaltes an klare Regeln halten müssen: Mobiltelefone sind verboten, es darf nicht gesprochen werden (außer mit dem Meditationslehrer), und auch das Verlassen des Geländes ist nicht gestattet. „Nur so kommen die Menschen hier auch wirklich an“, sagt er. Der Raum, in dem wir unser Interview führen dürfen, umfängt uns mit goldenem Schimmer. Man bittet uns, auf dem tiefblauen Teppich Platz zu nehmen. Der Mönch setzt sich im Schneider- oder besser gesagt Lotussitz auf eine erhöhte Stufe. Hinter ihm glänzt eine goldene Buddha-Statue. „Manche kommen nach der ersten Meditationssitzung niemals wieder. Viele aber kommen immer wieder oder bleiben deutlich länger als geplant.“ PHRA MAHAWATTANA, MÖNCH & MEDITATIONSLEHRER Phra Mahawattana sagt uns, er sei 47 Jahre alt. Schwer einzuschätzen, irgendwie wirkt der Mann wie alterslos. Seine Statur ist klein, die Körperglieder sind zierlich und doch kraftvoll. Seine Bewegungen und Gesten sind geschmeidig und überlegt. „Meditation hält jung“, sagt er und lacht. Sein Gesicht drückt ruhende Stärke aus. Die Fältchen um die Augen und ein Grübchen in der Wange verraten, dass er viel lächelt. Man glaubt fast wahrzunehmen, dass ihn eine stille aber kraftvolle Aura umgibt, aber wahrscheinlich – so meldet sich sofort die westliche Vernunft – ist das nur Einbildung. Oder der goldene Schein der Buddha-Statue im Hintergrund? ACHT-STUNDEN-TAG Seit sieben Jahren unterrichte er Meditationsschüler, sagt Phra Mahawattana. Wir fragen ihn nach deren üblichem Tagesablauf. „Es wird ausschließlich um 6 und um 11 Uhr morgens gegessen – und zwar das, was die Gläubigen spenden. Am Nachmittag um 15 Uhr darf dann noch einmal getrunken werden. Man soll sich ja auf sich selbst konzentrieren und nicht auf das Essen“, erklärt er und lächelt dabei friedlich. „Der Rest des Tages besteht aus Meditation: von 7 bis 10 Uhr, von 13 bis 16 Uhr und noch einmal von 18 bis 20 Uhr. Für einen Meditationsanfänger ist das natürlich schwierig“, sagt er und lacht von Neuem. Man müsse sich langsam an diese Zeiten herantasten. „Manche kommen, vielleicht auch deshalb, niemals wieder“, erklärt er sanft. „Aber viele kommen immer wieder oder bleiben deutlich länger als geplant.“ Dabei kämen immer mehr westliche, gestresste Menschen zu ihm. „Was all diese Menschen verbindet, ist die Suche nach dem inneren Frieden. Manche suchen sogar nach dem wahren Glück oder nach dem Sinn des Lebens“, erklärt der Mönch. „Ich versuche, allen Sinnsuchenden zu erläutern, dass innere Ruhe und der innere Friede der Schlüssel zum Glück sind.“ DER „AFFENGEIST“ Die meisten Menschen, die zu ihm kämen, hätten sehr viel Stress und würden sich vor allem danach sehnen, ihren „monkey mind“ in den Griff zu bekommen. Dieser Begriff ist fester Bestandteil der buddhistischen Lehre und drückt aus, dass der Geist, also die Gedanken, sprunghaft, unruhig, launenhaft und unkontrollierbar sind. Mit diesem „Affengeist“ lasse sich keine Ruhe finden, man stehe un- Nr. 2; April / Mai 2017 125

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