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SPORTaktiv Magazin April 2017

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„Mit dem Mistral SE

„Mit dem Mistral SE habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt.“ THOMAS TRAUSSNIGG RETRO RENNRAD-SZENE Wie schaut es mit Komfort aus? „In diesem Punkt werden Stahlräder unterschätzt. Sie dämpfen ganz anders als Carbon-Räder. Und richtig gutes Material war auch damals schon sehr ausgereift“, erklärt Watzl. „Und über Stil brauchen wir gar nicht streiten“, lacht er. Und hat Recht: Wer einen Blick auf den herrlichen Zahnkranz eines Colnago aus den 1960er-Jahren wirft, vor einem alten Bianchi in der „Celeste“-Lackierung steht oder ein edles, schwarz-goldenes „Vent Noir“ mit braunem Ledersattel und mit goldenen Aufklebern sieht, versteht, was Enthusiasten wie Horst Watzl meinen. „Bequem ist es nicht, dafür sind die Holzfelgen etwas Spezielles.“ EWALD SÖLS „Das Vent Noir war in den 80ern top und ist es auch heute noch.“ MICHAEL ÜBERBACHER ODE ANS LEBENSGEFÜHL Zeitnehmung gibt es bei den Retro-Rennen zwar keine, sportlich geht es aber trotzdem zu. „Natürlich gibt es immer Leute, die das ernst nehmen und als erste im Ziel sein wollen, auch wenn es keinen Preis gibt“, sagt Watzl. Viele ambitionierte Radfahrer sehen die Veranstaltung auch als Trainingsfahrt. Dabei sind diese Rennen, sportliche Herausforderung hin oder her, vor allem eine Ode an das Lebensgefühl. „An den Labestationen gibt es nicht nur Bananen und Müsli, sondern regionale Produkte. Du kannst sitzen bleiben und jausnen, dir andere Räder anschauen und dich mit anderen Teilnehmern austauschen“, erklärt Watzl. Es gibt aber auch viele Liebhaber, die mit ihrem Stahlross im Alltag fahren. Zur Arbeit zum Beispiel. Wie der Steirer Thomas Traussnigg, der seit seiner Jugend in den 1980er-Jahren auf Rennrädern unterwegs ist. Vor ein paar Jahren hat er sich einen Kindheitstraum erfüllt und ein altes Puch Mistral SE erstanden. „Das wollte ich als Bub immer haben, leider war es damals viel zu teuer.“ Traussnigg ist bei Radmarathons am Start, hat 12-Stunden-Rennen bestritten, alles auf modernen Rädern. „Es macht aber einfach Spaß, mit dem Stahlrad zu fahren. Auch wenn es sich nicht so bequem schalten lässt und der Rahmen nicht so steif ist, wie der eines Carbon-Modells. Doch gerade das macht den Charme aus.“ Heuer will er endlich auch eines der Klassiker-Rennen bestreiten. FOTO: Thomas Polzer, In Velo Veritas/Croy 68 SPORTaktiv

Überhaupt nur auf seinem alten Rad ist Michael Überbacher aus Frohnleiten in der Steiermark unterwegs. „Ich hab das Vent Noir von Puch restaurieren lassen und habe nur dieses eine Rennrad, Baujahr 1982. Das war damals ein Top-Rad und fährt sich auch heute noch super.“ Ersatzteile für die alten Renner finden sich immer noch auf Flohmärkten und in diversen Internetforen. KLASSIKER NEU AUFGELEGT Wer aber kein Schrauber ist und keine Muße hat, nach Stahlrädern zu suchen, kann sie seit ein paar Jahren sogar wieder neu kaufen. Bianchi bietet zum Beispiel ein „Eroica“-Stahlrad in der klassischen Form und Lackierung an. Tommasini und De Rosa haben Klassik-Rennräder aus Stahl und mit Rahmenschaltung ebenfalls wieder im Programm. Auch Puch hat den „Vintage“-Trend gefüttert. „Aber die meisten“, sagt In-Velo- Veritas-Organisator Watzl, „wollen einfach ein echtes altes Rad und kein neues, das auf alt gemacht ist.“ Und schon geraten sie wieder ins Schwärmen, die Klassik-Liebhaber Watzl, Durst, Traussnigg und Überbacher. „Einen Stahlrahmen kannst du reparieren“, loben sie. „Wenn ein Carbon-Rahmen kaputt ist, ist er kaputt.“ Außerdem würden die alten Räder mehr aushalten. „Mit ein bisschen Pflege hält das ewig“, sagt Watzl. Ein noch viel älteres Rad hat Ewald Söls zu Hause stehen. Er hat in seiner Sammlung ein Fahrrad der Marke „Styria“ stehen. 120 Jahre ist es alt und aus der Zeit, als Johann Puch noch bei Styria gearbeitet hat und nicht sein eigenes Unternehmen hatte. Das Singlespeed-Rennrad hat keinen Leerlauf, dafür noch Holzfelgen und -griffe. „Wirklich bequem ist es nicht“, sagt Söls. Rennen fährt er damit auch keine. Aber beim Tweed-Run, den Vintage-Radausfahrten, die aus London kommend mittlerweile in ganz Europa regelmäßig stattfinden, ist er dabei. So verschieden die Räder und ihre Besitzer auch sein mögen, in einem sind sich alle Stahl-Freunde einig: Über Stil lässt sich nicht streiten. Hannes Durst aus Wien ist Stammgast bei der „In Velo Veritas“ und liebt seine Stahlrennräder. IN VELO VERITAS! Das Klassik-Rennrad- Event im Weinviertel (NÖ) feiert sein fünfjähriges Jubiläum. FOTOS: Weinviertel Tourismus Package-Tipp zur „in velo veritas“ Termin: 8.–12. Juni 2017 • 4 ÜN im Hotel Drei Königshof**** in Stockerau • 5-Gang-Menü • Trainingsausfahrt mit dem Veranstalter-Team von „in velo veritas“ (10. Juni) • Tag in Retz: Retzer Erlebniskeller, Retzer Windmühle, Weinverkostung • 1 Flasche Weinviertel DAC als Souvenir • 1 „in velo veritas“-Kappe als Souvenir PREIS: € 359,– p. P. im DZ INFOS UND BUCHUNGEN: Weinviertel Tourismus GmbH. Tel. 0 25 52/35 15-0 www.weinviertel.at AM 11. JUNI 2017 bildet Stockerau die Kulisse für das fünfjährige Jubiläum des Events mit dem klingenden Namen „in velo veritas“. Das Motto lautet wie folgt: sportlich radeln auf historischen Rennrädern. Essen und Trinken sind bekanntlich beim Radfahren auch unverzichtbare Grundlagen und so wird regionale Kulinarik bei den Labstationen großgeschrieben. Das passt auch zur Umgebung, dem wunderschönen Weinviertel. Drei Distanzen stehen zur Wahl. Die Langdistanz mit 210 km ist genau richtig für alle mit viel Ausdauer. Auch auf der 140 km langen Strecke sind Kondition und Sitzfleisch gefordert, die 70-km-Runde kann im Vergleich dazu etwas gemütlicher angegangen werden. Gefahren wird ausschließlich mit klassischen Rennrädern bis Baujahr 1987/88. Eine Rahmenschaltung am Oberrohr wird vorausgesetzt, offene Züge sind erwünscht. Zu den Rädern passendes Outfit wird geschätzt. Für alle, die Interesse haben mitzufahren, aber kein geeignetes Rad haben, besteht die Möglichkeit, eines zu leihen. Zeitnehmung gibt es keine – Spazierfahrten ergeben sich erfahrungsgemäß trotzdem nicht ... ANZEIGE Nr. 2; April / Mai 2017 69

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