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SPORTaktiv Magazin Februar 2018

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ERICH ARTNER, 43, ist

ERICH ARTNER, 43, ist der einzige Österreicher, der mit zwei Unterschenkel-Prothesen einen Ironman absolviert hat. DAS SCHICKSAL HAT ERICH| ARTNER ZWEI BEINE GESTELLT.| ER|STAND AN DER GRENZE ZUM| JENSEITS UND VERLOR BEIDE| UNTERSCHENKEL. HEUTE IST ER| IRONMAN-FINISHER UND EIN| „SPORTLER MIT HERZ“, DER FÜR| ANDERE IN DIE PEDALE TRITT UND| MIT SEINER ENERGIE ANSTECKT.| VON KLAUS MOLIDOR Foto: Blindtext 166 SPORTaktiv

2% UND ZWEI PROTHESEN Fotos: Sportograf.com, Erich Artner Waterhouse-Friedrichsen. So beginnt die Geschichte von Erich Artner, dem Hobbysportler. Wir schreiben das Jahr 1989. In Berlin ist gerade die Mauer gefallen und Osten und Westen wachsen wieder zusammen. Im Westen Wiens wächst ein junges Handballtalent heran. Erich Artner. Jung, fit, ambitioniert. Der Sport ist sein Leben. Bis zum 18. Dezember. Die vermeintliche Verkühlung verschlimmert sich plötzlich. Erst im zweiten Krankhaus erkennen die Ärzte den Ernst der Lage. „Im Wilhelminenspital war gerade Weihnachtsfeier und darum waren alle Ärzte anwesend“, erzählt Artner. „Der Primar hat die seltene Krankheit erkannt.“ Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom. Was mit einer bakteriellen Infektion beginnt, endet in schweren Thrombosen. Unbehandelt stirbt daran jeder. Artners Überlebenschancen: 2 Prozent. Es folgen: zehn Tage künstlicher Tiefschlaf, Operationen, Operationen, Operationen. Er überlebt. Ohne Gehirnschäden, aber auch ohne Unterschenkel, die beide amputiert werden müssen. Der Sport als Anker „Der Sport hat mir das Leben gerettet“, sagt er heute ganz entspannt und nippt an seinem Espresso. „Wäre ich damals nicht so fit gewesen, hätte ich das nicht überlebt.“ Und der Sport war es auch, der es ihm ermöglicht hat, gar nie in ein Loch zu fallen, zu hadern, depressiv zu werden. „Die Handballkollegen haben mich gefördert und gefordert.“ Auf das Turnier in Schweden – auf das er sich in den Tagen vor dem Einschnitt so gefreut hatte, nehmen sie ihn mit. Wenn er nicht mehr gehen kann, tragen sie ihn. 18 Jahre später ist aus dem jungen Handballer ein leidenschaftlicher Ausdauersportler geworden. Nach einer Karriere im Rollstuhlbasketball samt EM-Teilnahme in den Niederlanden wird er über Jugendfreund und Ö3-Mikromann Tom Walek auf Triathlon aufmerksam. „Da wusste ich: Ich will einen Ironman finishen.“ Und die Beschäftigung mit Schwimmen, Radfahren und Laufen gibt seinem Leben auch eine entscheidende Wende. Er kann sich nicht nur auspowern – „Das brauche ich einfach“ – viel wichtiger: Artner bekommt Selbstvertrauen. Hatte er sich früher geniert, am Badeteich mit Prothesen ins Wasser zu steigen, trägt er sie heute mit Stolz. „In der Wechselzone beim Triathlon haben mich Leute angeredet und gemeint, wie stark sie das finden, was ich mache.“ Früher hat er Menschen gemieden, wenn er mit seinen futuristischen Laufprothesen unterwegs war, heute spornt ihn das an. Und der Moment, als klar war: die Unterschenkel sind weg. Hat ihn der, als 15-Jährigen, nicht aus der Bahn geworfen? „In einem Alter, in dem Mädels interessant werden, war das natürlich nicht cool. Vor allem hab ich mich aber darüber geärgert, dass ich nicht mehr Handball spielen kann. Ich hab sechsmal die Woche trainiert. Das war mein Leben.“ Erst nach und nach dämmert ihm, dass er großes Glück hatte. „Ich hätte auch Gehirnschäden haben können und meine Hände hätte ich auch verlieren können.“ Alles noch dran und voll im Einsatz. Dem Ironman in Klagenfurt folgten weitere, dazu der Ötztaler Radmarathon und immer wieder Charity-Fahrten mit SPORTaktiv 167

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