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SPORTaktiv Magazin Oktober 2017

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mutigen Attacken,

mutigen Attacken, waghalsigen Abfahrten, bärenstarken Sprints und extrovertierten Auftritten ist er der Popstar im Radzirkus. Zuschreibungen reichen von Showman, Model bis zum Tourminator. Er zieht Menschen in seinen Bann – so auch beim Pressetermin Ende September im Radsportmekka Osttirol, zu dem der Osttiroler Touristikchef und Radzampano Franz Theurl geladen hatte. Journalisten aus ganz Europa waren nach Lienz gepilgert – und SPORTaktiv war als exklusiver österreichischer Magazinpartner mittendrin und bat den Radstar zum Interview. Doch bevor wir zum Frage-Antwort-Spiel kommen: Anlass des Spektakels war die Eröffnung des neuen, 2,2 km langen Alban Lakata-Trails in Lienz. Der Namenspatron ist bekanntlich ebenfalls aktueller Weltmeister, im MTB-Marathon. Der Lokalmatador hatte einen etwas schweren Stand neben dem Straßenrad-Star, aber ebenfalls sichtlich viel Spaß. Und wer den sympathischen Lakata ein wenig kennt, weiß, dass er gar keinen Rummel braucht … Großartig war auch die exklusive gemeinsame Erstbefahrung des Trails, im Schlepptau der beiden Weltmeister. Gut, dass der Trail flowig angelegt ist, so hielt sich mein Rückstand halbwegs in Grenzen. Die Abfahrtsskills von Peter Sagan waren auch am Mountainbike nicht zu übersehen, bereits bei der Erstbefahrung zeigte er etliche Sprünge und Wheelies. Er sprach danach sehr angetan vom Lakata-Trail und gratulierte Franz Theurl und den Osttiroler Gastgebern. Ja, und noch eine kleine Peter-Sagan-Anekdote will ich hier nicht vorenthalten: Zur Erfrischung reichte ihm sein Betreuer einmal eine 0,25-l-Glasflasche Coke – und die öffnete er einfach mit seinen Zähnen. Ein Weltmeister mit Biss sozusagen. Peter Sagan ist und bleibt einfach ein unfassbar erfolgreicher und cooler Spitzbube … „OHNE WATTMESSUNG GEHT IM MODERNEN RADSPORT NICHTS MEHR. ES GIBT KAUM EINE EINHEIT, DIE NICHT GENAUESTENS DOKUMENTIERT WIRD.“ PETER SAGAN 27 Jahre, geboren am 26. Jänner 1990 in Zilina/ Slowakei. Erste Erfolge auf dem Querfeldeinrad (slowakischer Meister) und beim Mountainbiken (Junioren-Weltmeister im Cross Country 2008). Heute lebt der 1,84 m große und 73 kg schwere Sagan mit seiner Frau Katarina in Monaco, Ende Oktober wird er erstmals Vater. Seine bisherigen Rennradteams: Liquigas Cannondale (2010-2014), Tinkoff (2015-2016) und Bora Hansgrohe (seit 2017). www.petersagan.com Peter, nur einen Tag nach deinem dritten WM-Titel: Wie kommt’s zu deinem Besuch hier in Lienz? Mein Radteam Bora-Hansgrohe hat einen Dreijahresvertrag mit Osttirol. Damit nutzen wir die tolle Radsportregion für Teammeetings, aktive Trainingseinheiten und für diverse Pressetermine. Wo liegt deine wahre Bikeliebe: beim Mountainbike oder Rennrad? Mehr fahr ich natürlich mit dem Rennrad. Trotzdem versuch ich immer wieder aufs Mountainbike zu steigen, weil es einfach Spaß macht und auch das Gleichgewicht am Rad verbessert. Das Mountainbiken ist für viele junge Sportler der erste Schritt in den Radsport: Ich selbst habe damit begonnen und unterstütze mit meiner Peter Sagan Academy in der Slowakei auch Talente, die diesen Weg gehen. Auf wie viele Radkilometer kommst du eigentlich im Jahr? Das ist unterschiedlich, es hängt von meinem Rennprogramm ab. Aber etwas über 30.000 pro Jahr sind es schon. Wie hältst du es mit Trainingspausen, mit der Regeneration während und nach der Saison? Während der Saison von Jänner bis September gibt´s kaum lange Pausen. Meine unfreiwillige Auszeit bei der Tour de France 2017 hab ich daher gleich ge- Fotos: EXPA/Johann Groder 16 SPORTaktiv

Zwei Weltmeister scharren in den Startlöchern – Alban Lakata und Peter Sagan (rechts) SPORTaktiv traf den Radsport-Star der Gegenwart in Lienz nützt und meinen ersten Sommerurlaub seit sieben Jahren genossen. Meine mit Abstand wichtigsten Regenerationstipps sind: relaxen und ausreichender Schlaf. Besteht dein Training nur aus Radfahren oder auch aus Krafttraining, Stretching, und anderen Sportarten? Krafttraining ist in jedem Fall wichtig, besonders Stabilisationsübungen für den Rumpf. Da trainiert man schon so einiges. Mehr natürlich in der Vorbereitung auf die Saison, aber das aufgebaute Niveau muss man dann auch über die Saison hinweg halten. Trainierst du immer streng sportwissenschaftlich mit Watt- und Pulssteuerung? Es ist schon auch wichtig, auf seinen Körper zu hören. Aber im modernen Radsport geht ohne Watt definitiv nichts mehr. Es gibt so gut wie keine Einheiten mehr, bei denen nicht alles genauestens dokumentiert wird. Vielleicht gerade noch die ersten paar Ausfahrten nach der Trainingspause im Herbst. Deine Frau Katarina vertreibt Bio-Nahrungsmittel. Hast du spezielle Ernährungstipps für die SPORTaktiv-Leser? Ich denke, das Wichtigste ist seinen eigenen Weg zu finden. Das ist wie überall im Leben: Niemand gleicht einem anderen, jeder Mensch funktioniert anders, und es ist wichtig das zu erkennen und zu akzeptieren. Für ein gesundes Leben ist eine entsprechende Ernährung sehr wichtig. Für manche funktioniert Low- Carb, für andere nicht. Ich denke, man sollte Unterschiedliches ausprobieren und lernen, was einem persönlich gut tut. Auf der Team-Homepage www.bora-hansgrohe.com gibt’s übrigens gesunde Rezepte zum Nachkochen mit Videoanleitung von mir höchstpersönlich. Seit 2017 läuft dein neuer Sagan- Merchandising-Shop. Läuft er gut an, was ist der Topseller? Es läuft gut, ja. Aber ich hatte noch keine Zeit, mir das alles genau anzusehen. Die Saison ist ja bis 24. September noch gelaufen, da musste ich mich zuerst mal auf die Rennen konzentrieren. Seit Sommer bist du „Global Ambassador for Biking Cities“. Was sind die Beweggründe deines Engagements? Ich denke, dass das eine wichtige Initiative ist. Radfahren ist nicht nur als Sport wichtig, es hilft auch, unsere Umwelt zu schützen. Wenn wir uns alle mehr mit dem Rad bewegen, dann wird die Gesellschaft fitter und gesünder, und gleichzeitig helfen wir der Umwelt. Ist doch klar, dass ich als Weltmeister da gerne dabei bin! Abschließend zur Causa Scheibenbremsen am Rennrad: bist du dafür? Ich verhalte mich hier neutral, die UCI soll endlich einheitlich entscheiden: entweder fahren alle im Peloton ohne oder alle fahren mit Scheibenbremsen. Mir selbst ist es egal. Mir fällt nur auf, dass das unterschiedliche Bremsverhalten für brenzlige Rennsituationen sorgt, und das sollte nicht sein. SPORTaktiv 17

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