Aufrufe
vor 4 Monaten

SPORTaktiv Magazin Oktober 2017

  • Text
  • Eurobike
  • Sport
  • Regenerieren
  • Sportaktiv

NATURFREUND AUS LEIDEN-

NATURFREUND AUS LEIDEN- SCHAFT SEIT 1. JULI HABEN DIE NATURFREUNDE ÖSTERREICH EINEN NEUEN GESCHÄFTS­ FÜHRER. WIR BATEN GÜNTER ABRAHAM ZUM „VORSTELLUNGS­ GESPRÄCH“ – ÜBER EINEN „SOMMER VOLLER BERGUNFÄLLE“, SEINE ZIELE MIT DEN NATURFREUNDEN, UND DIE „VIP-LOUNGE NATUR“, DIE JEDEM ZU­ GÄNGLICH SEIN SOLLTE. INTERVIEW: GERHARD POLZER Foto: Thomas Polzer 98 SPORTaktiv

Wie fühlt sich das an, wenn man knapp 90 Tage als Geschäftsführer der Naturfreunde im Amt ist und gleich mit einem „Rekordsommer“ an Bergunfällen konfrontiert wird? Mit solch einer Dramatisierung sollte man vorsichtig sein. Fakt ist, dass in der langjährigen Statistik die Bergunfälle tendenziell sogar leicht rückläufig sind. Warten wir einmal ab, was die Statistik für das Jahr 2017 wirklich auswirft. Die vielen negativen Schlagzeilen täuschen also? Wir haben jedes Jahr im Juli und August immer eine Spitze an Bergunfällen und entsprechend viele dramatische Nachrichten. Daher entsteht auch dieses Gefühl in der Öffentlichkeit, dass generell in den Bergen immer mehr passiert. Wenn aber tatsächlich ein Ansteigen der Unfallzahlen erkennbar ist: Welche Ursachen kann es dafür geben? Die Hauptursache für Bergunfälle liegt eindeutig in der Vorbereitung! In der Bergdynamik muss sich jeder mit sich selbst beschäftigen und sein eigenes Maß an Belastungsmöglichkeit finden, und das logischerweise bereits in der Planung einer Tour. Mit Einbeziehung von Weglänge, Wegzeit, Höhenmetern, Wetterlage. Hier passieren die meisten Fehler, allein schon, weil meist der Ehrgeizigste für die ganze Gruppe die Tour plant. Der Bergsport ist auch vielfältiger und actionreicher geworden. Natürlich, vor allem das E-Mountainbike ist da eine treibende Kraft, leider auch mit erheblichem Verletzungspotenzial. Denn die Menschen kommen mit dem E-Bike plötzlich in Regionen, die sie sich nicht zuvor mit einem mühsamen Aufstieg erarbeiten mussten. Und bei der Abfahrt, mit einem schweren Rad und fehlender Technik, sind sie dann völlig überfordert. Welche Rolle spielt das Klettern und vor allem das Klettersteiggehen? Klettern und Bouldern verlangen entsprechende Technik und Wissen, haben also eine natürliche Einstiegsbarriere. Diese fehlt oft bei den Klettersteigen, die Leute glauben: „Da kann ich mich eh am Seil anhalten.“ Dass sie trotzdem klettern und körperlich toptfit sein müssen, wird ihnen erst bewusst, wenn sie mittendrin stecken und nicht mehr weiter können. Viele sagen, es passiert so viel, weil eben immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind. Das wäre aber grundsätzlich positiv, oder? Stimmt, der Bergsport erlebt generell einen absoluten Hype. Und zwar auf vernünftige Weise: Immer mehr Menschen suchen in den Bergen nicht das Abenteuer und das Extreme, sondern Ausgleich und Entschleunigung. Hochinteressant ist da eine aktuelle Umfrage des ASKÖ, wonach unter den jungen Menschen zwischen 15 und 26 Jahren das „Wandern, Walken und Laufen“ mit 51 Prozent überlegen an der Spitze der Hitliste aller Sportarten liegen. Das sagt die Gruppe, die man eher zu den Skateboardern oder Freerunnern zählen würde. Wie ist das zu erklären? Unsere Jugend ist stark reizüberflutet, durch die Digitalisierung, soziale Medien, die Schule. Da wird der Berg wieder zum Zufluchtsort, wo sie Ruhe finden. ,,DER BERG WIRD WIEDER ZUM ZUFLUCHTSORT, UM RUHE ZU FINDEN. GERADE FÜR DIE JUNGEN.“ Und, dass sie wieder etwas gemeinsam mit Freunden unternehmen können, verstärkt diesen Hype noch. Wie reagieren die Naturfreunde auf diesen „jungen“ Trend? Wir wollen mit Schwerpunktaktionen über unsere 460 Ortsgruppen schon in den Schulen beginnen, die Kids fürs Wandern zu begeistern. Es ist sozusagen ein Bildungsauftrag: Gemeinsam mit den Schulen erarbeiten wir erlebnisreiche Wanderungen, erkunden den Lebensraum Wald und bieten mit den Lehrern kompetenzorientiertes Lernen. Den „Wandertag“ wieder attraktiv zu machen, ist eines unserer großen Ziele. Sicher nur ein Ziel von vielen, die Sie mit den Naturfreunden in den nächsten Jahren erreichen wollen? Unser vorrangigstes Ziel ist das Wachstum der Mitgliederzahl. Da stagnieren wir seit Jahren bei rund 150.000 – bei einem wachsenden Markt! Das heißt, dass es nicht wirklich zu den Bergsportlern durchgedrungen ist, was sie SPORTaktiv 99

Magazin

SPORTaktiv April 2016
SPORTaktiv 1 2016
SPORTaktiv Bikeguide 2016
SPORTaktiv Laufguide 2016
SPORTaktiv Winterguide 2015