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SPORTaktiv Oktober 2016

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RUN SCHNELL, LAUT,

RUN SCHNELL, LAUT, ÄNSEHAUT. TEXT: Klaus Molidor 46 SPORTaktiv

LIVE DABEI SO SCHNELL KÖNNEN 42,195 KILOMETER VERGEHEN. Auch wenn man nicht Kenenisa Bekele heißt, ist der Berlin-Marathon ein einmaliges Erlebnis. Perfekte Organisation, 41.283 Teilnehmer, eine Million Zuschauer und Orte mit Geschichte lassen die Glückshormone sprudeln. Langeweile kommt auch nach mehr als viereinhalb Stunden nicht auf. FOTOS: Klaus Höfler Ein weißer Lieferwagen hält neben dem Berliner Reichstag, zwei Männer steigen aus und öffnen die Hecktüren. Mit einem Schlag wird mir klar, was da noch auf mich zukommt an diesem Wochenende. Fritz und Uwe laden einen blau-weißen Aufsteller aus dem Auto, darauf steht: „42 km“. Während die beiden das Trumm hinter das Brandenburger Tor stellen, fahren wir weiter zum Holocaust-Mahnmal – und es brodelt aus einem Lautsprecher: Das ist Hendrick, der Guide unserer Segway-Tour, der uns über Funk die Stadt erklärt. Schließlich will man auf einer Marathonreise ja auch was sehen von der Stadt, dabei aber gleichzeitig auch die Beine schonen, für das, was kommt. Welche Dimensionen das, was da kommt, hat, zeigt sich zum ersten Mal schon drei Stunden davor auf der Marathonmesse. Eine halbe Stunde vor Einlass warten im Schatten des Technischen Museums schon Hunderte Läufer auf ihre Startnummern. Die stellen sich zwar nicht in angloamerikanischer Tradition brav in Reih und Glied an, schnell geht es aber trotzdem. Dank perfekter Organisation und Aufteilung des Anmeldeprozesses in verschiedene Stationen: Am Eingang werden sechsspurig Startnummernpass und Ausweis kontrolliert, dann bekommen alle das Startsackerl mit Gutscheinen, Duschgel, Energy-Drink und Schwamm umgehängt. Weiter geht es in die Halle, in der jede Menge Schalter geöffnet sind. Chip kontrollieren, Startnummernpass abgeben, schwupp hast du die Nummer in der Hand und mit einem Berlinerischen „Allet Jute“ ist fünf Minuten nach Einlass der organisatorische Teil der Reise erledigt. Man wird halt nicht ein „Major Marathon“, der drei Viertel seiner mehr als 40.000 Startplätze verlosen muss, wenn die Organisation nicht perfekt läuft. Schon hier spürt man auch die globale Dimension dieses Laufs. 122 Nationen sind vertreten. Neben mir in der Warteschlange tönt es spanisch, französisch, russisch, vor mir steht ein Pärchen aus Südafrika, hinter mir kichern zwei Japanerinnen für ihr Selfie in die Handykamera und dazwischen immer wieder: Berliner Schnauze. Die klassische Distanz macht 41.283 Menschen aus allen Teilen der Welt zur globalen Gemeinschaft. ZWISCHEN OST UND WEST Und das gerade in einer Stadt, die jahrzehntelang als Symbol für Trennung galt; eine Stadt, von der aus eine der dunkelsten Geschichten der Menschheit geschrieben wurde. Wahrscheinlich macht auch das die Faszination dieses Marathons aus, der Lauf durch Ost und West und ganz am Ende durch das Brandenburger Tor – von den Steinen zu den Sternen quasi. Nach knapp 42 Kilometern körperlicher Anstrengung ist alles gut, wenn FOTOS: Berlin Marathon/„marathonfoto“ Nr. 5; Oktober / November ’16 47 47

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