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SPORTaktiv Oktober 2016

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Disc-Rennräder (im Bild

Disc-Rennräder (im Bild von BMC) sind bislang eher ein „Renner“ bei den Herstellern als beim Endverbraucher. 2017 geht das Duell „Scheiben- oder Felgenbremse“ in die nächste Runde. RENNRAD SCHEIBE ODER NICHT SCHEIBE ... Rennradler scheinen doch eher konservativ zu sein – zumindest was die Technik angeht. Obwohl die meisten Hersteller schon seit zwei bis drei Jahren immer mehr Renner mit Scheibenbremsen anbieten, setzen sich die Disc-Bikes am Markt bislang eher zögerlich durch. Der ebenfalls als nicht besonders fortschrittlich bekannte Weltradsport-Verband UCI hat die Scheiben-Probephase bei den Profis im Frühjahr nach einem Unfall mit einer Verletzung durch eine scharfkantige Disc gar abgebrochen; wie es nun auf der World Tour scheibenmäßig weitergeht, ist derzeit jedenfalls völlig offen. Andererseits ist unbestritten, dass Scheibenbremsen bei hohen Abfahrtsgeschwindigkeiten ein Vorteil sind. „Deutlich besseres Nassbremsverhalten, keine Reifenplatzer durch heißgebremste Felgen, bessere Dosierbarkeit“, zählt Gunnar Fehlau vom Branchenblatt „pressedienst fahrrad“ auf. Und das Gewicht sei bei den neuen Flat-Mount-Discs nur noch wenig höher als bei Felgenbremsen. Für die Hersteller scheint darum „Disc“ trotzdem die Technologie der Zukunft zu sein. „Derzeit haben wir die kuriose Situation, dass Hobbyradler bessere Räder fahren dürfen als die Profis“, sagt Geraldine Bergeron, Marketing-Managerin bei Sram. Auf der Eurobike fielen die vielen an Rennrädern montierten Bremsscheiben deutlich ins Auge. Tipps für Interessenten: Auf die Kombination mit Steckachsen achten; der Scheibendurchmesser sollte mindestens 160 mm betragen; Schnellspanner sind für die hohen Bremskräfte zu instabil, und die noch verbreiteten 140-mm-Discs auf längeren Abfahrten vor allem für schwerere Fahrer eher nicht ausreichend. RENNRAD MIT FEDERUNG Ein Trend, der sich durchgesetzt hat, sind Endurance-Rennräder mit komfortablerer Geometrie – und oft mit Scheibenbremsen. Einige Hersteller wie BMC oder Trek bauen auch dämpfende Elemente in die Rahmen ein, die den Fahrkomfort erhöhen. Specialized präsentierte vor exakt zehn Jahren mit dem „Roubaix“ den ersten Endurance-Komfort-Renner, mit Kunststoff-Einsätzen in Gabel und Sitzstrebe. Die gibt’s im neuen 2017er- Modell nun nicht mehr, dafür eine mit McLaren gemeinsam entwickelte Dämpfer-Kartusche im Steuerrohr, mit immerhin 20 mm Federweg, und dazu eine flexende Carbon-Sattelstütze. E-BIKE INTEGRATION GEFRAGT „2016 ist das Jahr der E-Bikes“, freut sich Tamara Winograd, Marketing-Leiterin bei „Bosch eBike Systems“. Und Dank immer schönerer Integration von Akku und Motor wird den E-MTBs (hier von Giant) eine noch glänzendere Zukunft als bisher schon prophezeit. In dieser Klasse ebenfalls in Mode: dicke 27,5 Plus-Bereifung. 2017 geht der Boom weiter. „Immer mehr Menschen interessieren sich für diese intelligente, weil ökonomisch und ökologisch sinnvolle Form der Mobilität“, urteilt Winograd. Das war jedoch nicht immer so. Mit (aus heutiger Sicht) klobigem Design, fettem Akku unterm Gepäckträger oder am Unterrohr – so kamen die ersten E-Bikes daher. Kein Wunder, dass sich Jüngere wenig angesprochen fühlten. Das hat sich mittlerweile komplett geändert: Vor allem mit dem Siegeszug der E-Mountainbikes haben es die Hersteller geschafft, auch ein junges Publikum anzusprechen, das E-Räder nun eher als Aufstiegshilfe ansieht, wo es keine Lifte gibt. Auch das Design trägt zum Boom bei – Stichwort „Integration“: Immer weniger Elektrorädern sieht man auf den ersten Blick an, dass sie den Fahrern Unterstützung geben. Akkus werden zunehmend in (lediglich etwas dickere) Unterrohre eingebaut, Motoren in den Rahmen integriert. Und auch die Displays fügen sich zunehmend harmonisch in die Vorbauten ein. Etwa bei Haibike, dessen System „eConnect“ über eine integrierte „OnBoard Unit“ auch die Basis für die Vernetzung des Bikes schafft. Mit GPS, Bluetooth und GSM wird so Tracking, Diebstahlsicherung, Routenführung und ein automatischer Notruf bei Unfall möglich. Mehr zum Trendthema „Connected Bike“ siehe unter „Komponenten“. HALTBARE ANTRIEBE Bei den Antrieben wird heute viel mehr als früher auf die hohen Kräfte geachtet, die die Motoren auf Kette und Ritzel bringen. Achtfach-Ritzel, FOTOS: www.eurobike-show.de 58 SPORTaktiv

wie etwa bei der neuen „EX1“-Gruppe von Sram, sind mit E-Unterstützung ebenfalls ausreichend, aber deutlich robuster als 10- oder gar 11-fach-Ritzel mit dünneren Ketten. Shimano bringt mit „Steps 8000“ die MTB-Version ihres im Vorjahr eingeführten E-Antriebs auf den Markt, der sich gut in die elektronische Di2-Schaltung des japanischen Herstellers integrieren lässt. Das 27,5-Plus-Reifenformat scheint sich bei E-Mountainbikes gut durchzusetzen, im Gegensatz zu den „Non-E-Bikes“ (wie die antriebslosen Räder neuerdings schon genannt werden): Praktisch alle Hersteller haben „E-Plus-Räder“ im Programm. Hier können die dicken Reifen ihre Vorteile auch am besten ausspielen: Die bessere Traktion macht vor allem Einsteigern das Biken leichter – und der höhere Rollwiderstand macht sich durch den Motor kaum bemerkbar. KOMPONENTEN ENTWICKLUNG ZUM „SMART BIKE“ Digitalisierung ist auch in der Bikebranche das Schlagwort und aktuell ein Riesen-Thema. Zu sehen etwa beim Eurobike-Symposium „Biken 3.0: die Zukunft vernetzten Radfahrens“, an dem Vertreter von Herstellern, Dienstleistern und Tourismusregionen interessante Einblicke gaben. Im Fokus standen die Entwicklung des Fahrrads zum „Smart-Bike“, die digitale Tourenund Reiseplanung, die Zukunft der urbanen Mobilität sowie die Möglichkeiten intelligenter Vernetzung. „Beim Trend ‚Connected Biking‘ werden herkömmliche Fahrräder ebenso wie E-Bikes mit intelligenten Assistenzfunktionen ergänzt“, sagte „Connected Bike“: Immer mehr Hersteller rüsten Räder mit „smartem“ Zusatznutzen auf. Dreh- und Angelpunkt ist das Smartphone – hier umgesetzt von „Cobi“. Mathias Ullrich von der „Pon Bicycle Group“, „und bieten so mehr Sicherheit, mehr Komfort und mehr Spaß.“ Wie das konkret aussehen kann, zeigt das smarte Bike-System „Cobi“: Musik hören, Wetterbericht abrufen, navigieren, telefonieren, Echtzeitdaten wie Geschwindigkeit und zurückgelegte Kilometer anzeigen – alles funktioniert über das eigene Smartphone, das über den integrierten Daumen-Controller am Bike sowie ein Audio-Feedback gesteuert wird. „Man braucht weder die Hände vom Lenker noch die Augen von der Straße zu nehmen“, erklärt Cobi-Gründer Andreas Gahlert. Auch andere Hersteller wie Garmin, Ciclosport, Falk Navigation, Marquardt oder Teasi haben auf der diesjährigen Eurobike ähnliche Systeme vorgestellt. Der Vernetzungsgrad ist bei „Cobi“ derzeit am stärksten ausgeprägt, und die Funktionen (darunter auch Sensorlicht, elektronische Klingel und Zusatzakku zur Laufzeit-Verlängerung beim Smartphone) sind gut durchdacht und am Alltag orientiert. Man darf gespannt sein, wie sich das Castelli gehört zu den Bekleidungsmarken, die 2017 das Thema Aerodynamik forcieren. Thema „Connected Bike“ in naher Zukunft weiterentwickeln wird. BEKLEIDUNG AERODYNAMIK UND SCHUTZ Das Thema Aerodynamik steht bei vielen Rennradherstellern weiter im Fokus, und es hat nun auch den Bekleidungssektor erfasst. Kaum ein Trikothersteller, der nicht extrawindschlüpfrige Outfits im Programm hat – sei es als Aerosuit (z. B. von Castelli), Damen-Aero-Jersey (wie das „Sequence“ von Mavic) oder aber als Bekleidungsteil mit integrierten Luftleitkanälen (wie beim „Aerotec“ von Craft). Ein neues Thema bei Rennrad- Bekleidung ist Schutz vor Sturzfolgen. Der spanische Hersteller Exteondo rüstet Trikots und Hosen an strategisch wichtigen Stellen wie Schultern, Rücken und Oberschenkeln mit dem besonders robusten Nylon-Stoff „Dyneema 2.0“ aus. Die Schweizer von X-Bionic wiederum testen derzeit Trikots und Bibs mit dem neuen Material „Black Diamond“, einer Kombination aus Titan und Bor-Carbid, die extrem abriebfest ist und selbst bei hohen Temperaturen, wie sie beim Rutschen über Asphalt entstehen, nicht schmilzt. „Black Diamond“-Trikots und -Hosen sollen im kommenden Frühjahr in die Läden kommen, verriet X-Bionic-PR-Managerin Sabine Hauptmann auf der Eurobike. Bis dahin muss man sich generell gedulden, um vieles, das auf der Eurobike jetzt vorgestellt wurde, auch kaufen zu können. Aber mit entsprechender Vorfreude ausgestattet, fällt die Winterpause gleich leichter ... WEB: eurobike-show.de Nr. 5; Oktober / November 2016 59

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