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SPORTaktiv Oktober 2019

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BEI NACHT UND NEBEL WENN

BEI NACHT UND NEBEL WENN ES LÄNGER FINSTER IST UND MOUN- TAINBIKER NICHT AM ERGOMETER UND AUF DER WALZE STRAMPELN WOLLEN, FAHREN SIE MIT POWERFLUTERN DURCH DIE NACHT. EIN NICHT UNUMSTRITTENES VERGNÜGEN, WENN ES IN SENSIBLES GELÄNDE GEHT. WAS NUN? EIN ZWIEGESPRÄCH ZWISCHEN HERZ UND HIRN ÜBER DIE FASZINATION NITERIDE. PROTOKOLLIERT VON CHRISTOPH HEIGL. Die Tage werden kürzer, die Finsternis greift Raum und Biker kriegen ein Problem. Das Tageslicht geht uns aus. Für viele Radfahrer endet spätestens jetzt die Saison. Wenn es dunkel, nass und ungemütlich wird. Das Bike kommt in den Keller und wird am ersten sonnigen Aprilsonntag wieder rausgeholt. Oder? Wer sich nach dem Arbeitstag noch etwas abstrampeln will, kann sich jetzt im Wohnzimmer auf den Ergometer setzten oder auf der Walze im Stand fahren. Na ja, Biken ist das nicht. Mach das Magazin kurz zu. (Und wieder auf). „Matsch Moor Fun II“ steht bei uns auf dem Cover. Also raus aus der Komfortzone, rein in diese Natur, in der es gerade schmutzig, ungemütlich, finster wird. Spätestens an der Waldgrenze gibt es aber ein Dilemma: Mountainbiken in der Nacht mit starken Lampen spaltet die Gemüter selbst unter Enthusiasten und Hardcore-Bikern. „Geht gar nicht“, sagen die einen. „Warum denn nicht?“, ätzen die anderen. Wir lassen Herz und Hirn sprechen und hören in uns hinein. Herrlich, die Niteride-Saison beginnt. Mountainbiken bei Nacht und Nebel eröffnet eine neue Dimension, das schärft die Sinne, öffnet die Augen für das Unsichtbare. Was gibt es Schöneres, als nur im Licht seiner eigenen Lampe auf den Berg zu kurbeln? Stille, nur dein Schnaufen, ein Traum! Und dann die Singletrails wie in einem Lichttunnel heruntersurfen, super nice. Hirn, was willst du mehr? Geht’s noch? Bei Finsternis hast du im Wald nix mehr verloren. Das ist sensibelster Naturraum, da haben andere ihre Ruhe verdient. Wenn du Wild verschreckst, hat das schlimmste Folgen. Das weiß doch jedes Kind! Ach Hirni, nimm nicht alles gleich so ernst. Wir brettern ja nicht mitten durch die Fütterungsstellen. Ich muss dir ja nicht sagen, dass es auch in der Nacht normalen Verkehr gibt: Autos, Busse, Lkw, Pistenraupen, Forstarbeiten, Züge. Auch sie fahren in der Nacht durch bewaldetes Gebiet, über Passstraßen, durch einsame Landschaften. Motorenlärm und LED-Lichter des Verkehrs müssen Tiere also gewohnt sein, da kann ein einsamer Mountainbiker alle heiligen Zeiten ja wohl kein Problem sein. Fotos: Christoph Heigl 74 SPORTaktiv

Wie naiv, Herzchen. Dann frag einmal einen Jäger oder Förster! Hab ich! Und? Na ja ... Was? Also. Ich habe da einen coolen Jäger kennengelernt, ein super Typ. Und der ist auch leidenschaftlicher Mountainbiker. Ja, so was gibt es! Ich sage seinen Namen nicht. Nennen wir ihn Andi. Der kennt sich aus. Der sagt: Beim Wild muss man unterscheiden. Da gibt es das schlaue, das sich längst an den Menschen und seine blöden Autos und Marotten gewöhnt hat. Die schauen kurz auf, wenn tagsüber ein Mountainbiker auf bekannten Strecken unterwegs ist, kriegen keinen Stress und fertig. Tagsüber null Problem … Und in der Nacht? (Ganz leise) Mein Jägerfreund Andi sagt, seit er Mountainbiker und Jäger ist, sind Niterides für ihn tabu. Das macht er nicht mehr. Siehst du?! Und du emotionengeleitetes Organ findest diesen völlig richtigen Grundsatz nicht vernünftig? Erstens SPORTaktiv 75

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