Aufrufe
vor 5 Monaten

SPORTaktiv Oktober 2020

  • Text
  • Interview
  • Hirscher
  • Intervallfasten
  • Berg
  • Sicherheit
  • Sport
  • Skitourensport
  • Tourengehen
  • Skitour
  • Skitourengehen
  • Profisport
  • Outdoor
  • Biken
  • Laufen
  • Fitness
  • Oktober
  • Magazin
  • Hersteller
  • Natur
  • Menschen

TRAINING STATT WUNDER

TRAINING STATT WUNDER BERGRETTUNGSMEDIZINER SIND SOWOHL AUS- GEBILDETE BERGRETTER ALS AUCH NOT ÄRZTE. SIE KOMMEN IM SKITOURENWINTER NATURGEMÄSS IN SITUATIONEN, IN DENEN ES UMS ÜBERLEBEN GEHT. WAS DER BERGRET- TUNGSARZT STEFAN HESCHL SKITOURENGEHERN ZUR SICHERHEIT RÄT. UND WELCHE ROLLE HARTE FAKTEN, WELCHE EMOTIONEN FÜR DIE RETTER IN DEN BERGEN SPIELEN. VON CHRISTOF DOMENIG Als am 25. Dezember 2019 ein steirischer Skitourengeher nach fünf Stunden aus einer Lawine lebend geborgen wurde, war der Begriff „Weihnachtswunder“ aufgelegt. Mit dem Wort „Wunder“ tut sich der oberste steirische Berg rettungsarzt Stefan Heschl (damals nicht im Einsatz, er freute sich aber mit den Kollegen riesig mit) dennoch etwas schwer. Obwohl die Assoziation für Laien natürlich nachvollziehbar ist. „Es waren günstige Umstände, die Rettungskette hat perfekt funktioniert“, sagt Heschl. Der Verschüttete habe die Möglichkeit zu atmen gehabt. Es gebe sie, die Fälle, wo eine Bergung nach Lawinenunfällen durch verschiedene Umstände erst sehr spät gelinge, und die dennoch gut ausgehen, wo Opfer überraschend lange Zeit überleben. Im Schnitt gibt es in Österreich 20 tödliche Lawinenunfälle pro Jahr, und die Zahl der Opfer steigt nicht, obwohl ständig mehr Skitourengeher unterwegs sind – das nur vorausgeschickt, um die Sache gleich in ein korrektes Licht zu rücken. Auf Statistiken, Daten und Fakten stützt sich auch Bergrettungsmediziner Heschl, wenn es darum geht, Verhaltensempfehlungen für Skitourengeher zu deren Sicherheit abzuleiten. „Kommt es zu einem Lawinenunfall, dann gilt es zunächst, eine Ganzverschüttung zu verhindern.“ Denn laut Statistik sterben rund 52 Prozent der Menschen, die von Lawinen zur Gänze verschüttet werden, aber nur rund 4 Prozent der Teilverschütteten. Weil Lawinenairbags derzeit die einzige wirkungsvolle Möglichkeit sind, die eine Ganzverschüttung verhindern können, appelliert Heschl, Lawinenrucksäcke zu verwenden. Und dieses Ausrüstungsteil nicht nur zu tragen, sondern die Rucksäcke auch warten zu lassen und den Umgang damit zu trainieren. „Es zeigt sich in Studien, dass eine gewisse Anzahl an Sportlern, die einen Airbagrucksack tragen, im Ernstfall nicht zum Auslösen kommt. Fotos: Martin Edlinger 116 SPORTaktiv

EINE BERGUNG KANN SO RASCH NUR DURCH KAMERADEN- RETTUNG GELINGEN. Und dass es dabei wiederum professionelle Anwender wie Bergführer oder Bergretter signifikant häufiger schaffen, ihren Airbag zu betätigen.“ Die Empfehlung lautet daher, mit dem Airbag auch regelmäßig zu üben, Probeauslösungen durchzuführen. „Die bestimmt zentralste Forschungsarbeit in der Lawinenmedizin ist jene des ‚Lawinenmedizinpapstes‘ Hermann Brugger“, erklärt Stefan Heschl. Die 1994 herausgegebene und seither mehrmals ergänzte Arbeit wertet die durchschnittlichen Überlebenszeiten von ganzverschütteten Lawinenopfern aus. Bruggers „Überlebenskurve“ von Lawinenopfern zeige ein sehr deutliches Bild – das für die Bergretter genauso wie auch für die Kameradenrettung einige wichtige Aufschlüsse bereithalte. Grob könne man drei Phasen unterscheiden, erklärt Heschl: In den ersten Minuten sind die Überlebenschancen unter einer Lawine sehr gut. „Die rasche Bergung ist daher das Hauptziel, die kann so rasch nur durch Kameradenrettung gelingen. Bergretter können nie so schnell vor Ort sein.“ Heschl appelliert, die Abläufe für einen Notfall zu erlernen und immer wieder zu trainieren. Dazu gehören die Suche mit dem Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), das Sondie- SPORTaktiv 117

Magazin

SPORTaktiv April 2016
SPORTaktiv 1 2016
SPORTaktiv Bikeguide 2016
SPORTaktiv Laufguide 2016
SPORTaktiv Winterguide 2015