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SPORTaktiv Oktober 2020

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Um drei Uhr im Finstern

Um drei Uhr im Finstern aus dem Bett, von vier bis 13 Uhr als Zimmerer in der Schicht arbeiten und danach drei bis vier Stunden trainieren: Das war bisher ein durchaus typischer Tagesablauf für den besten Österreicher im Skibergsteiger-Gesamtweltcup der letzten drei Jahre. Doch damit ist es nun vorbei. Armin Höfl aus dem steirischen Krakaudorf in der Nähe von Murau rückt mit 1. Jänner 2021 im Heeres-Leistungszentrum des österreichischen Bundesheeres ein und kann damit nun de facto als Berufssportler leben. Nach dem Vorarlberger Daniel Zugg und dem Salzburger Jakob Herrmann ist er der dritte Österreicher, dem sich diese Möglichkeit bietet – somit sind alle drei Mitglieder im Männer-Nationalkader der ÖSV-Sparte Skibergsteigen nun Profis. Armin Höfl ist Jahrgang 1989 und mit 31 Jahren gerade einmal ein paar Monate jünger als Marcel Hirscher. Höfl wird also zu einem Zeitpunkt Profi, zu dem Österreichs erfolgreichster Alpinskifahrer seine beispiellose Karriere bereits seit eineinhalb Jahren beendet hat. Natürlich hinkt der Vergleich ein wenig, erreichen Athleten in den Ausdauersportarten doch später ihre Leistungsspitze. Andererseits zeigt es schon auch die unterschiedlichen Voraussetzungen auf. Denn trainieren wie Profis, aber gleichzeitig seine Existenz mit einem 40-Stunden-Brotberuf absichern: Das ist in einer Randsportart wie Skibergsteigen immer noch ganz normal. „Klar hab ich eine Riesenfreude über den Platz beim Bundesheer“, sagt Höfl – der es außerdem mit einer von der Sporthilfe unterstützten Crowdfunding-Aktion geschafft hat, in der Saisonvorbereitung auf 2020/21 praktisch schon eine Profiexistenz führen zu können, um die Zeit zum Einrücken Anfang Jänner Fotos: Bernhard Hörtnagl, Andreas Renner/Skimo Austria, kk 152 SPORTaktiv

UPDATE AM 25. 9.: Mit Druckabgabe unserer Ausgabe wurde bekannt, dass Armin Höfl mit dem Rennrad stürzte und sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzog! Der Steirer ist auf einer riesigen Ölspur ausgerutscht. Höfl wurde im Krankenhaus Friesach operiert – der Verlauf der Rehabilitation, möglicher Comeback-Zeitpunkt: völlig offen. Ein geknickter Armin Höfl am Telefon: „Mein erster Rückschlag im Sport. Ich bin jetzt einmal nur dankbar, wenn Sport in absehbarer Zeit wieder möglich ist. Ich werde mich zurückkämpfen.“ Alles Gute dafür! 2021 zu überbrücken. Denn auch wenn ihm Sponsoren wie Atomic oder Buff seit seinem Karrierestart die Treue halten, wäre das sonst undenkbar. Als Nebeneffekt wird auch für die Familie etwas mehr Zeit bleiben, erzählt Höfl: Sohn Luca ist soeben drei geworden und verlangt nach seinem guten Recht, Zeit mit dem Papa verbringen zu können. Armin Höfl ist nicht nur als Profi, sondern als Sportler generell ein Spätberufener: „Mit 21 war ich gerade Single und hab mir ein Hobby gesucht – und deshalb mit Sport begonnen: Radfahren im Sommer und Skitouren im Winter“, erzählt er. Als sportliche Vorbildung stand er in der Kindheit und Jugend regelmäßig auf Alpinskiern, fast jeden Wintertag vom Alter von 3 bis ungefähr 15. Den Ausdauersport entdeckte er jedoch wirklich erst mit 21 für sich, als ihn das Fortgehen nicht mehr so freute. Wenn er sich in eine Sache verbeißt, dann ist Armin Höfl nur schwer davon abzubringen, wie er erklärt: „Ich hab mir bald Ziele gesetzt, einen brutalen Ehrgeiz entwickelt.“ Sein Heimrennen auf Tourenskiern ist der Preberlauf gleich hinter der steirisch-salzburgerischen Landesgrenze und als Höfl sah, dass der Salzburger Lokalmatador Hans Wieland den Lauf in unter einer Stunde schaffte, wollte er das auch können. 2014 schaffte er es, die Stunde auf den Preber zu unterbieten, und 2015 startete er erstmals im Weltcup. Im Vorjahr stellte Höfl beim Preberlauf einen neuen Fabel-Streckenrekord auf – in 46:52 Minuten. Im Weltcup sind ein vierter und ein fünfter Platz die bislang besten Platzierungen des Steirers – im Gesamtweltcup war er zuletzt dreimal bester Österreicher. „Es fehlt nicht viel zur Weltspitze“, weiß Höfl – und gerade das letzte „Alzerl“ sollte mit der neuen Profiexistenz drin sein. „Die Ausdauer ist zwar ziem- VORFREUDE UND GÄNSEHAUT ARMIN HÖFL BEGANN MIT 21 JAHREN MIT SPORT UND WIRD MIT 31 PROFI-SKIBERGSTEIGER. DER STEIRER IST AUCH EIN BEWEIS, DASS ES IM ÖSTERREICHISCHEN WETTKAMPF-SKIBERGSTEIGEN, SECHS JAHRE NACH DER EINGLIEDERUNG IN DEN ÖSTERREICHISCHEN SKIVERBAND, SPÜRBAR AUFWÄRTSGEHT. VON CHRISTOF DOMENIG SPORTaktiv 153

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