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SPORTaktiv Outdoorguide 2016

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PERSONALITY Zwei Generationen, eine Leidenschaft: Simon und Reinhold Messner bei einer ihrer gemeinsamen Bergtouren. TEXT: Axel Rabenstein 12 SPORTaktiv-OUTDOORGUIDE 2016

FOTOS: privat REINHOLD MESSNER (geb. 1944) ist der bekannteste Alpinist unserer Zeit. Mit 20 Jahren hat er bereits mehr als 500 Bergtouren hinter sich, 1970 besteigt er den 8.125 m hohen Nanga Parbat als Erster über die Pupalflanke; sein Bruder Günther kommt beim Abstieg in einer Lawine ums Leben – Messner selbst überlebt mit schweren Erfrierungen. Im Jahr 1978 erreicht er den Gipfel des Mount Everest (8.848 Meter) als erster Mensch ohne die Hilfe von Sauerstoffgeräten. 1986 besteigt Messner mit Partnern den Makalu (8.463 Meter) und den Lhotse (8.501 Meter), und ist damit der Erste, der alle 14 Achttausender bestiegen hat. Später startet er Expeditionen in Wüsten, Polarregionen, durchquert u. a. zu Fuß die Antarktis. Reinhold Messner hat zahlreiche Stiftungen ins Leben gerufen und mehr als 50 Bücher veröffentlicht. Er hat drei Töchter sowie einen Sohn – und lebt in zweiter Ehe in Meran (Südtirol). SIMON MESSNER (geb. 1990) studiert Molekulare Zell- und Entwicklungsbiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Derzeit arbeitet er an seiner Masterarbeit zum Thema „Epigenetik“. Im Alter von 16 Jahren hat er das Klettern begonnen und seitdem mehr als 20 Erstbegehungen absolviert. Neben den Alpen ist er dabei auch immer wieder in anderen Regionen der Welt unterwegs, wie z. B. in Patagonien oder im Oman. Simon Messner ist ledig und lebt in Innsbruck. BLICK AUF DIE BERGE DIE BERGE STEHEN FÜR DAS ARCHAISCHE DER NATUR. Seit jeher ziehen sie uns magisch an. Aber die Zeiten ändern sich – auch im Alpinismus: Reinhold Messner (71) und sein Sohn Simon (25) verkörpern zwei Generationen des Bergsteigens. Beide haben SPORTaktiv-Redakteur Axel Rabenstein ihre persönliche Sicht auf die Welt der Berge dargelegt. Die früheste Überlieferung einer gezielten Bergbesteigung geht ins Jahr 181 vor Christus zurück, als der makedonische König Philipp V. einen namentlich nicht bekannten Balkangipfel bezwang. Im Jahr 1519 bestieg der Konquistador Diego de Ordás den 5.462 Meter hohen mexikanischen Vulkan Popocatépetl und stellte dabei einen über Jahrhunderte gültigen Höhenweltrekord auf. Kaiser Karl V. gestattete Ordás daraufhin, einen rauchenden Vulkan in seinem Wappen zu führen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich der „Alpinismus“, der – wie der Name schon sagt – in den Alpen entstand und eng mit Aufklärung und Industrialisierung zusammenhängt. „Alpinismus ist eine kulturelle Erscheinung – keine sportliche“, sagt Reinhold Messner, der wohl bekannteste Bergsteiger unserer Zeit: „Es geht um die Auseinandersetzung zwischen Berg und Mensch. Diese Aktivität hat sich in den vergangenen Jahrzehnten allerdings massiv verändert. Und damit meine ich nicht zum Positiven oder Negativen. Sie hat sich einfach nur verändert.“ REVOLUTION DER 70ER Er selbst ist als Jugendlicher noch mit Handseil und Nagelschuhen auf die Berge gestiegen. Das liege allerdings so weit zurück, dass es sich heute kaum noch jemand vorstellen könne. Nachdem Reinhold Messner in den 60er-Jahren durch zahlreiche Erstbegehungen in den Dolomiten auf sich aufmerksam gemacht hatte, veränderte er das Höhenbergsteigen – indem er die Gipfel des Himalaya im Alpinstil erreichte, mit minimaler Ausrüstung, im Alleingang oder in kleinen Teams und ohne die Hilfe von Sauerstoffgeräten. Plötzlich stand nicht mehr einzig und allein der „Sieg“ über den Gipfel im Vordergrund – sondern vor allem das „Wie“ der Begehung. Nachdem er als erster Mensch alle Achttausender bestiegen hatte, begab sich Reinhold Messner auf Expeditionen in die Wildnis; er durchquerte die Antarktis, Grönland und die Wüste Gobi. „Aus Altersgründen“ habe er sich diese neuen Herausforderungen gesucht, wie er heute sagt: „Aber auch, weil mir der Tourismus in den Bergen zu schnell zu große Flächen weggenommen hat.“ DER BERG ALS EINNAHMEQUELLE Alpinisten-Vereine hätten den Tourismus in den Bergen jahrzehntelang gezielt gefördert, weil sie nur so ihr Geschäft machen konnten. „Inzwischen werden Pisten bis zum Dach der Welt planiert, zahlungskräftige Touristen auf die höchsten Gipfel geschafft, Hubschrauber laden Material in 8.000 13

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