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SPORTaktiv Outdoorguide 2016

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EMOTIONEN Babsi Vigl

EMOTIONEN Babsi Vigl „Spielplatz, Ruhepol und Lebensschule” Babsi Vigl, 26, aus Innsbruck (T) ist Mitglied des Naturfreunde­ Alpinkaders Es ist gerade hell geworden und ich warte sehnsüchtig auf die ersten Sonnenstrahlen. Endlich! Mit der Sonne kommt die Wärme und ich schäle mich aus meinem Schlafsack. Vorsichtig klemme ich mir den Kocher zwischen die Knie und gebe mir Mühe, den Topf nicht die Felswand hinunterfallen zu lassen. Es ist bereits der vierte Tag allein in der Wand, die Kletterei und die Seilmanöver beginnen an meinen Kräften zu zehren – der Verlust meines kostbaren Frühstücks wäre also fatal! Einige Stunden und schweißtreibende Klettermeter später stehe ich endlich glücklich und erschöpft auf dem kleinen Gipfelplateau und rolle ein letztes Mal meinen Schlafsack aus. Nach ein paar Stunden Schlaf allein unterm Vollmond stehe ich beim ersten Licht ungeduldig auf – der Abstieg wartet! Die Berge, mein zweites Zuhause Meine viertägige Solobegehung des Washington Column im Yosemite Valley zählt zu meinen bisher intensivsten Erlebnissen am Berg. Doch meine Faszination für die Berge reicht viel weiter zurück – sie spielen in meinem Leben eine Rolle, seit ich denken kann. Berge sind mein Spielplatz, mein Ruhepol, meine Schule und der Ort, an dem meine Träume entstehen und verwirklicht werden. Vor allem aber sind sie mein zweites Zuhause, egal, ob ich eine anspruchsvolle alpine Route in den Westalpen klettere oder abends schnell auf die Nockspitze hinter meiner Haustür laufe. Lange, bevor ich überhaupt ahnte, dass es Felswände gibt, die 1000 m aus dem Boden wachsen, machte ich mit dem Klettern Bekanntschaft – und damit mit einer großen Leidenschaft. Sobald ich gehen konnte, steckte mich mein Papa in einen selbst genähten Klettergurt und öffnete mir damit die Tür in eine Welt, die mich noch immer fasziniert. Die Entdeckungsreise in die Vertikale hat mich von ersten seilfreien Begehungen (mangels Kletterpartner) im Hausklettergarten mit 11 Jahren schnell in steilere und höhere Wände geführt – von meiner ersten Alpintour mit meinem Papa bis hin zu Extremklassikern in den Ost- und Westalpen. Intensives Leben im Moment Von allen Spielarten des Alpinismus begeistert mich das Klettern in langen Eis- oder Felswänden am meisten. Dabei motivieren mich besonders das Gefühl von Freiheit und das intensive Leben im Moment. Das Zusammenspiel von höchster Konzentration und einer Sensibilität für den Berg ermöglicht es, sich an Orten zu bewegen, die mental und körperlich fordern und die es mir erlauben, neue Grenzen zu entdecken. Als nächstes geht es nach Kirgistan und dann mit dem Alpinkader der Naturfreunde nach Nordindien zur Abschlussexpedition. Aber egal, ob mit Steigeisen, Kletterschuhen oder Skiern an den Füßen – die Berge werden ihren Platz in meinem Leben behalten, selbst wenn ich alt und grau bin und die Eisgeräte schon längst gegen Wanderstöcke ausgetauscht habe ... FOTOS: Babsi Vigl, Herbert Raffalt 18 SPORTaktiv-OUTDOORGUIDE 2016

Herbert Raffalt „Der Berg, die Kamera und ich” Herbert Raffalt, 51, aus Haus im Ennstal (St) ist Berg- und Skiführer, Bergfotograf und Buchautor; Kontakt: raffalt.com Schon sehr früh haben die Berge meiner Heimat mein Leben gestaltet und geprägt. Bereits als Kind verbrachte ich einen großen Teil meiner Sommerferien auf der Alm. Es war eine unbeschwerte Zeit, ohne lästige Schulaufgaben und Verpflichtungen. Natürlich musste ich bei der Arbeit mithelfen, die Kühe melken, in den Stall treiben, Wasser mit Eimern zur Hütte bringen. Den größeren Teil des Tages aber durfte ich einfach draußen sein. Ich verbrachte jede Minute damit, die umliegenden Felsen zu erklettern und die Gegend zu erkunden. Mein Aktionsradius wurde dabei immer größer. Oft war ich für viele Stunden unterwegs und besuchte die Gipfel und Bergkämme in Sichtweite der Hütte. Wie im kitschigen Heimatroman Ich erlebte, auf den Punkt gebracht, eine Kindheit wie aus einem Heimatroman. Die Tage und Wochen auf der Alm, an denen ich den Bergen und dem Himmel so nahe war, haben mein Leben geprägt und ihm eine ganz bestimmte Richtung gegeben. Aus der Liebe zu den Bergen und der Natur ist eine innige Beziehung geworden, die bis heute ungebrochen ist. Dass sich meine Leidenschaft für die Berge auch zu meinem Beruf entwickeln würde, war aber weder geplant noch vorhersehbar. Es ist auf wunderbare Weise einfach passiert. Zum einen wollte ich nie etwas anderes machen als Bergsteigen, zum anderen nahm diese Leidenschaft so viel Zeit in Anspruch, dass kaum Zeit für andere Interessen oder Ausbildungen blieb. Ein glücklicher Zufall brachte mich bereits in jungen Jahren zur Bergführerausbildung. Damit hatte ich ein berufliches Standbein und machte mich als staatlich geprüfter Berg- und Skiführer selbstständig. Mein zweites großes Interesse galt der Fotografie: Schon als Kind hatte ich Kalender gesammelt, die besten Aufnahmen ausgeschnitten und sorgfältig aufbewahrt. Die Kamera als ständiger Begleiter Dass sich das Bergsteigen mit dem Fotografieren so wunderbar in Einklang bringen lässt, ist ein Geschenk des Himmels. Seit nunmehr 30 Jahren ist die Kamera mein ständiger Begleiter; ich unternehme praktisch keine Tour, ohne zumindest einen kleinen Teil meiner Fotoausrüstung mit dabei zu haben. Ich bin mir gar nicht sicher, ob der Berg der eigentliche Beweggrund ist, zeitig in der Früh aufzubrechen oder ob mich die Aussicht auf ein besonders stimmungsvolles Bild in die Natur lockt. Wahrscheinlich ist es einfach das Zusammenspiel dieser beiden großen Leidenschaften. 19

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