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SPORTaktiv Outdoorguide 2016

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GEFAHR & RISIKO

GEFAHR & RISIKO „VOLLKASKO“ GIBT ES NICHT! Zum Abschluss dieser Praxis-Serie wollen wir mit Martin Edlinger erarbeiten, was die Statistik über Gefahren im Bergsport aussagt und was man davon lernen kann. Nun war bereits viel von Sicherheit im Bergsport die Rede. Um die Sache mit den Gefahren aber ins rechte Licht zu rücken, wollen wir hier mit dem Naturfreunde-Experten noch einen kurzen Blick auf die Unfallstatistik werfen. Wie viel passiert wirklich – und welche Fehler stecken dahinter, wenn etwas passiert? Die Zahlen: „Laut Statistik des Kuratoriums für alpine Sicherheit verunfallten zuletzt in Österreich ganzjährig ca. 8.000 Personen im alpinen Gelände, davon ca. 2.500 im Sommer. Übers gesamte Jahr enden rund 300 Unfälle tödlich, allein in der Sommersaison 2015 sind 154 Sportler in den Bergen gestorben. Nach Sportarten aufgeschlüsselt, passiert im Sommer beim Wandern und Bergsteigen der Großteil der tödlichen Unfälle.“ Sieht man sich die Statistik noch genauer an, dann sieht man auch, dass nur ein Viertel der Unfälle aufgrund alpiner Gefahren passieren (Steinschlag, Blitzschlag etc.) – „der Hauptteil, drei Viertel, ist überwiegend vom menschlichen Verhalten beeinflusst.“ Hier aufzuklären, zu warnen, vorzubeugen – das machen alpine Vereine wie die Naturfreunde, die Bergrettung und viele andere Organisationen regelmäßig. Und die Präventionsarbeit zeige auch Wirkung, meint Martin Edlinger: „Wir verzeichnen zwar insgesamt eine leichte Zunahme der Alpinunfälle. Gleichzeitig ist die Zahl der Sportler in den Bergen deutlich gestiegen – womit die nur leichte Zunahme in Summe sogar positiv zu werten ist.“ Trotzdem ist Leichtsinn nicht angebracht. Aufgegliedert nach Sportarten zeigt die Statistik dieses Bild: WANDERN UND BERGSTEIGEN: In den alpinen Sommersportarten passieren beim Wandern mit ca. 1.000 Verunfallten mit Abstand die meisten Unfälle. 99 Personen starben im Vorjahr beim Wandern – Hauptunfallursache waren Stürzen, Stolpern und Ausrutschen, dicht gefolgt von internistischen Notfällen, meistens aufgrund von Herz-Kreislauf-Problemen. ALPINE HOCHTOUREN: Auf Hochtouren zeigt sich, dass die Zahl der Unfälle besonders eng mit den Wetterbedingungen sowie anderen äußeren Verhältnissen verknüpft ist. An der Spitze der Unfallursachen stehen auch hier der Sturz, das Stolpern und das Ausrutschen, an zweiter Stelle aber folgt der „klassische“ Spaltensturz. Sechs Personen kamen 2015 auf Hochtouren in Österreich ums Leben. Drei Viertel der Bergunfälle sind eng mit falschem Verhalten verknüpft – nur ein Viertel geht auf alpine Gefahren zurück. Naturfreunde-Experte Martin Edlinger ist aber auch überzeugt: „Das Verantwortungsbewusstsein der Bergsportler entwickelt sich zum Positiven.“ FOTO: istock 32 SPORTaktiv-BIKEGUIDE 2016

KLETTERSTEIGGEHEN: Immer wieder hört man vom Ansteigen der Rettungseinsätze auf Klettersteigen. „Die schweren bzw. tödlichen Unfälle blieben über die letzten Jahre aber konstant – was angesichts des großen Zulaufs zu den Klettersteigen positiv zu bewerten ist. Bewusstseinsbildung ist aber dennoch nötig, etwa um die vielen Fälle von Entkräftung zu reduzieren, die auch ohne Verletzungen Rettungseinsätze nötig machen.“ Hauptunfallursache auf Klettersteigen ist Überanstrengung, gefolgt von Sturz/Stolpern/Ausrutschen; sechs Personen starben im Vorjahr bei Klettersteig unfällen in Österreich. MOVE FREELY, EXPAND YOUR PLAYGROUND KLETTERN: Die Anzahl der tödlichen Kletterunfälle (zuletzt neun österreichweit) ist in den letzten Jahren tendenziell zurückgegangen, die allgemeinen Unfälle dagegen sind gestiegen, weiß Martin Edlinger: „Die tödlichen Kletterunfälle ereigneten sich 2015 alle beim Alpinklettern – die meisten Unfälle mit Verletzten aber beim Sportklettern, dicht gefolgt von Unfällen auf sanierten alpinen Mehrseillängenrouten.“ „VOLLKASKO-MENTALITÄT“ Was wir immer wieder einmahnen, sei hier auch erwähnt. Für den Fall, dass etwas passiert, benötigt man unbedingt eine Freizeitunfallversicherung, um nicht von hohen Folgekosten (z. B. durch Hubschrauberbergungen) überrascht zu werden. Gleichzeitig sollte man nicht vergessen, dass es in hohem Maß an einem selbst liegt, Bergsport sicher zu betreiben. Eine um sich greifende „Vollkasko-Mentalität“ von Freizeitsportlern – soll heißen: sich einfach nicht verantwortlich fühlen – wird von Bergrettern immer wieder beklagt. In den Bergen gibt es aber ebenso wenig eine Vollkaskoversicherung wie einen „Reset-Knopf“. Martin Edlinger, neben seiner Tätigkeit bei den Naturfreunden auch selbst Bergretter, umschreibt es abschließend so: „Denkt einfach daran, dass ihr euch in den Bergen in einem Umfeld bewegt, in dem Eigenverantwortung das Wichtigste ist. Wer das begriffen hat, ist schon auf einem guten Weg, mit Spaß und Sicherheit die Natur und den Bergsport zu genießen!“ ©SALOMON SAS. ALL RIGHTS RESERVED. PHOTOS: CHRISTOFFER SJÖSTRÖM. 33 #SALOMONOUTDOOR

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