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SPORTaktiv Outdoorguide 2016

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ALPINAUSBILDUNGEN LIVE

ALPINAUSBILDUNGEN LIVE DABEI AUF KURS MIT DEM RÜSTZEUG, um abseits der Wanderwege sicher am Berg unterwegs zu sein, kommt niemand auf die Welt. Das Wissen und Können hierfür zu vermitteln, ist das Metier von Alpinschulen und -vereinen. Aber wie läuft eine Alpinausbildung tatsächlich ab? Monika Neiheisser hat für SPORTaktiv einen Kurs mitgemacht – und viel gelernt. FOTO: Monika Neiheisser TEXT: Monika Neiheisser 36 SPORTaktiv-OUTDOORGUIDE 2016

RICHTUNG GIPFEL gen die Zahl der Hilferufe ohne Verletzte, bedingt durch Überforderung, Verlaufen oder Versteigen. Als „heißer Kandidat“ ist da der Klettersteig zu nennen: Hier haben sich die Einsätze verzehnfacht, die durch sogenannte „Blockierungen“ entstehen, wenn der Klettersteiggeher weder vor noch zurück kann. Und fast immer ist das Überschätzen der eigenen Fähigkeiten die Ursache. Viele dieser Notfälle müssten aber gar nicht sein. In den unterschiedlichsten alpinen Ausbildungskursen kann jeder das nötige Know-how erlernen, das er für seine Unternehmungen am Berg braucht. Und vor allem lernt man von kompetenten Bergführern, sich selbst, seine Fähigkeiten und seine Grenzen realistisch einzuschätzen. Ich selbst möchte mich für den Bergsommer fit machen, indem ich schon Gelerntes auffrische und Neues hinzulerne – auch, wenn ich in meinem Leben schon auf einige Berge gestiegen bin. Ich entscheide mich für das alpine Ausbildungsprogramm der ASI (Alpinschule Innsbruck). „Klettersteiggehen, Klettern und Hochtouren“ stehen auf dem Programm. Der Unterricht beginnt mit Beamer und Laptop im Seminarraum eines Hotels im Kletter-Eldorado Arco am Gardasee. „Klettersteiggehen“ steht auf dem Stundenplan. Bergführer Florian Kluckner erklärt die Schwierigkeitsgrade A bis E, ruft mir die Zwei-Karabiner-Sicherung, den Partnercheck, den Sicherheitsabstand und einiges mehr in Erinnerung. Ah ja, die kraftsparende Klettermethode mit ausgestreckten Armen. M eine Bergpartnerin hängt in einer Gletscherspalte und ich muss sie bergen. Dazu habe ich soeben das Mannschaftsseil mit dem Eispickel im Schnee gesichert. Beim Anlegen der Reepschnur am gespannten Seil mittels Prusikschlingen hilft mir Bergführer Engelbert. Ich atme tief ein und ziehe sie mit aller Kraft Hub um Hub im Flaschenzugprinzip aus der Spalte. Erstaunlich einfach und kraftsparend ist das. Ganz so entspannt wird die Bergung im Ernstfall nicht vonstattengehen, denn den üben wir im Moment bloß – bei idealen Bedingungen in traumhafter Bergkulisse. Damit der Notfall hoffentlich gar nie eintritt, lernen wir auch, den Gletscher zu lesen und die Tour gut vorzubereiten. Doch es muss nicht immer eine Hochtour sein: Auch beim Wandern, Klettersteiggehen und Klettern im Gebirge lauern viele Gefahren. ÜBERFORDERTE SPORTLER Laut Statistik ereignen sich die meisten Unfälle beim Wandern. Wobei die Zahl der Verunfallten seit Jahren konstant bleibt, trotz ungebrochenen Wanderbooms. Verdreifacht hat sich hinge- REIN IN DIE SCHLUCHT Der Praxistest lässt nicht lange auf sich warten. Wir hängen uns im Klettersteig Rio Sallagoni ein, einem mittelschweren Schluchtensteig, der sich über den gleichnamigen Fluss entlang schlängelt. Bereits der Einstieg hat‘s in sich. An der senkrechten Klammwand suche ich mit meinen Füßen auf rutschig feuchten Metallbügeln Halt, während sich meine Hände ans Stahlseil klammern – mit angewinkelten Armen. Ich erinnere mich ans vorhin Gehörte, versuche, mich bewusst zu entspannen und hänge mich mit gestreckten Armen ans Sicherungsseil. Wow, echte Entlastung für die Bizepse. Auch Neulinge in Sachen Klettersteig sind in der Gruppe mit dabei – und bald werden ernsthafte Zweifel bei der anspruchsvollen Einstiegspassage spürbar. Doch Florian gibt allen Tipps und Vertrauen. So hangeln wir uns weiter, um von einem Steigbügel zum anderen zu gelangen – immer auf die vorschriftsmäßige Sicherung des Klettersteigsets am Sicherungsseil mit zwei Karabinern achtend, während unter uns der Rio Sallagoni zu Tal rauscht. Nach einer halben Stunde wird ein Notausstieg auf der linken Seite sichtbar, doch Florian verspricht: „Das schwierigste Stück liegt bereits hinter uns“. Also klettern alle weiter, 37

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