Aufrufe
vor 1 Jahr

SPORTaktiv Outdoorguide 2018

  • Text
  • Sportaktiv
  • Natur
  • Wandern
  • Berge
  • Klettern
  • Sommer
  • Alpen
  • Gipfel
  • Outdoorguide

Akkulaufzeit, Robustheit

Akkulaufzeit, Robustheit und Wasserdichtheit waren immer die Hauptargumente für ein „richtiges“ Outdoor- GPS-Gerät. Gilt das nun nicht mehr? Es kommt stark aufs Smartphone an: Ich selbst verwende mittlerweile fast nur noch das Smartphone am Berg. Ich muss aber dazusagen, dass ich ein spezielles Outdoor-Smartphone habe: Das hat eine gewaltige Akkuleistung, ist stoßfest und wasserdicht, fällt es einmal in den Schnee, ist es dem Gerät völlig egal. Die Empfangsqualität ist etwas schlechter als beim Handheld-Gerät, aber nicht entscheidend. Dennoch ist eines wichtig zu betonen: Navigiere ich mit Smartphone und leere dabei den Akku, dann kann ich auch keinen Notruf mehr absetzen. Das ist der springende Punkt. Dessen muss man sich bewusst sein und dafür muss man vorsorgen. Ich selbst habe in der App eine Funktion eingestellt, die bei 25 Prozent Akkuleistung die App abschaltet. Wie schaut es beim Durchschnitts- Smartphone mit der Akkuleistung aus? Reicht die für Bergsportler? Mit meinem Vorgänger-Handy war nach fünf Stunden der Akku leer. Beim jetzigen komme ich, wenn ich GPS sinnvoll und selektiv einsetze, eine Woche durch. Ich kenne auch Bergführer, die verwenden ein Akku-Sleeve fürs Smartphone, das einerseits schützt und andererseits einen Zusatzakku beinhaltet. Damit wird das Gerät halt dicker. Akkupacks zum Nachladen mitzunehmen, funktioniert mittlerweile auch sehr gut (Anm.: Siehe die nachfolgende Story „Nie mehr saftlos“). Gibt es in der Funktion noch Unterschiede zwischen GPS-Gerät und Smartphone-Navigations-App? Überhaupt nicht. Bei einer guten App sind Benutzeroberfläche und Funktionen ident. Ich selbst verwende und empfehle in meinen Kursen die Twonav-App. Die lässt sich ident mit einem Twonav-GPS-Gerät bedienen und das ist mit Garmin der Marktführer. Die App kostet sechs Euro und beinhaltet schon recht viele Karten. Für den Alpenraum kann man dann die amtlichen ÖK-Karten relativ günstig dazukaufen. Auch von der haptischen Bedienung und von der Bildschirm-Darstellung sehe ich keine Nachteile mehr bei einem guten Outdoor-Smartphone gegenüber dem GPS-Gerät. Im Gegenteil: Beim Bildschirm ist mein Smartphone besser. Wie weit kommt man mit dem serienmäßigen Kartenmaterial am GPS-Gerät oder in der Smartphone-App? Grob lässt sich sagen: Basiskarten, wie sie meist vorinstalliert sind, reichen überall, wo man in der Zivilisation unterwegs ist. Zum Wandern auf Wanderwegen in den Bergen sind Vektor-Karten, beispielsweise die Garmin-Topo-Karte die richtige Lösung. Wenn ich Hochtouren oder Skitouren gehe, also Wege verlasse, dann brauche ich topografische ÖK-Karten. Haben also Outdoor GPS-Geräte über kurz oder lang ausgedient? Würde ich nicht sagen. Es hat schon nach wie vor Vorteile gegenüber vielen Smartphones. Und die Tendenz beim Handheld-Gerät geht in Richtung ganz neuer Möglichkeiten: Etwa, auch zusätzlich GSM- und Satellitenkommunikations-Empfänger zu verbauen. Überall, wo ein Mobilfunknetz ist, habe ich damit einen „klassischen“ Internetzugang, unabhängig vom Netzbetreiber. Dort, wo das normale Handynetz nicht mehr funktioniert, läuft die Verbindung über Kommunikationssatelliten wie bei einem Satellitentelefon. Ein Emergency-Knopf ist in so einem Gerät dann schon ein zusätzliches Sicherheitsnetz. Die nahe Zukunft wird auch sein, Echtzeitdaten, zum Beispiel über das Wetter, zur Verfügung zu haben. Oder Karten nicht mehr als Offlineprodukt zu beziehen, sondern „realtime“ gegen eine Jahresgebühr. MATTHIAS PILZ aus Graz ist 28, Bergsportler, Ausbildner der Naturfreunde für Klettern, Hochtouren und Skitouren, hält Kurse zur GPS-Anwendung im Outdoorsport. www.naturfreunde.at KURSTERMINE DER NATURFREUNDE 22./23. Juni: Orientieren beim Wandern, Klippitztörl (K), Naturfreundehaus 1./2. September: Orientieren beim Bergsteigen, Rauris (S), Neubauhütte 13./14. Oktober: GPS und Smartphone, Tauplitz (St) akademie.naturfreunde.at Stark entwickelt haben sich in den letzten Jahren die GPS-Outdoor-Uhren, eine Kartendarstellung beherrschen schon viele. Wofür eignen sich die? Was die Akkuleistung und die Empfangsqualität betrifft, sind die Uhren heute wirklich gut. Die Hauptanwendung sehe ich in der Aufzeichnung und im Analysieren von Aktivitäten und nicht im Orientieren. Also: Wenn ich beispielsweise die Einstiegskoordinaten von einem Klettersteig habe, dann lässt sich die Stelle damit schon gut finden – doch für anspruchsvollere Orientierungsaufgaben ist schlicht die Kartendarstellung auf der Uhr zu klein. Fotos: Matthias Pilz, iStock 114 SPORTaktiv

NIE MEHR SMARTPHONE UND CO. WOLLEN IM BERGSPORT MIT STROM VERSORGT WERDEN. UNSER TECHNIK-EXPERTE MATTHIAS PILZ ERKLÄRT, WELCHE MÖGLICHKEITEN ES DAZU GIBT. SAFTLOS I. LADEN AUF SCHUTZHÜTTEN In Österreich sollte man nicht unbedingt damit kalkulieren, sein Smartphone auf einer Schutzhütte aufladen zu können. Vor allem nicht zu „Stoßzeiten“. Im Notfall und bei Übernachtung wird es der Hüttenwirt wohl nicht verwehren. Matthias Pilz: „In der Schweiz oder in Frankreich ist die diesbezügliche Mentalität eine andere – dort wirst du beim Ankommen gleich darauf hingewiesen, wo du dein Handy laden kannst.“ Nachsatz: „Positive Ausnahmen sind natürlich auch in Österreich zu finden.“ II. AKKUPACKS Die Stromspeicher für unterwegs funktionieren heute schon sehr gut. Auch mehrtägige Touren abseits jeder Infrastruktur lassen sich damit gut über die Runden bringen. Wichtig ist, den benötigten Strombedarf realistisch einschätzen zu können und vorauszuberechnen – und entsprechend viele Akkupacks einzupacken: „Dann sind Akkupacks, was das Verhältnis aus Packmaß, Gewicht und Leistung angeht, für mich die sinnvollste Lösung“, sagt Pilz. III. SOLARPANEELE Hier kommt es laut den Erfahrungen unseres Experten auf die Preisklasse an. Hochpreisige Solarpaneele funktionieren heute sehr gut und liefern auch bei weniger optimalen Bedingungen zuverlässig Strom. Dafür sollte man sich allerdings schon in der Preisklasse um 500 Euro umschauen. Bei günstigeren Paneelen ist man von den äußeren Bedingungen stärker abhängig. Solarpaneele haben gegenüber Akkupacks einen deutlichen Nachteil, was Gewicht und Packmaß betrifft. Pilz: „Ideal eingesetzt sind sie auf Expeditionen, die von einem Basislager aus unternommen werden, wo man sie nicht immer mitnehmen muss.“ SPORTaktiv 115

Magazin

SPORTaktiv April 2016
SPORTaktiv 1 2016
SPORTaktiv Bikeguide 2016
SPORTaktiv Laufguide 2016
SPORTaktiv Winterguide 2015