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SPORTaktiv Outdoorguide 2018

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ZWISCHEN TRANCE UND

ZWISCHEN TRANCE UND BALANCE MICHAEL KEMETER GEHT OBERKÖRPERFREI ZUR ARBEIT. MIT WAGHALSIGEN KLETTER- ROUTEN OHNE SEIL UND MIT BASE-JUMPS SORGT ER FÜR SCHLAGZEILEN. ANGST HAT ER NIE. ÜBER VERTRAUEN, ELF MONATE IM BUS UND EINEN TYPEN MIT NERVEN AUS STAHL. VON CHRISTOPH HEIGL Im chinesischen Fernsehen nennen sie ihn „Austrian Spiderman“, als er außen an der Fassade auf ein 268 Meter hohes Gebäude klettert und von dort mit dem Fallschirm runterspringt. In den USA hat er den Spitznamen „The Daredevil“. Und dann sitzt er da, der Bursche aus Tragöß (St), mit seinen langen blonden Locken, blauen Augen und dem freundlichen Lachen. So soll ein Spinnenmann aussehen? Ein Teufelskerl? Michael Kemeter hält aktuell noch einen seiner sieben Weltrekorde und mehrere Erstbegehungen. Als Slackliner balancierte er in seinem Heimat- Fotos: Michael Kemeter/Alexandre Buisse 118 SPORTaktiv

FREE-SOLO KLETTERN IM ALLEINGANG OHNE HILFS- UND SICHERUNGS- MITTEL BASE-JUMPING SPRINGEN MIT FALLSCHIRM VON FESTEN OBJEKTEN (BASE = BUILDING, ANTENNA, SPAN, EARTH) SOLO-BASE-KLETTERN BZW. BASE-SOLOING KOMBINATION AUS FREIKLETTERN UND BASE-JUMPING ort 250 Meter weit über den berühmten Grünen See, zwischen Klein- und Großglockner, zwischen Heißluftballons und zwischen Ocean-Race-Segelbooten. Manchmal verwendet er ein Sicherungsseil, aber nicht immer. Auf seiner Homepage scrollt man lange, um alle Erstbegehungen und Rekorde zu erfassen. Seit einigen Jahren ist Kemeter auch Basejumper und Wingsuit-Flieger. Für einige seiner Youtube-Videos sollte man keinen empfindlichen Magen haben. Für einige seiner Aussagen auch nicht. Zu Hause in den Bergen Der 30-Jährige, am Berg meist oberkörperfrei, lebt nicht nach herkömmlichen Konventionen. „Die meiste Zeit im Jahr bin ich im Bus unterwegs und an den schönsten Plätzen“, erzählt er von seiner Idealvorstellung des Lebens. „Es ist zwar schwer, davon leben zu können, aber es geht sich gerade so mit null aus.“ Bis ins Letzte vermarkten, wie viele Kollegen in der Sportbranche, will sich Kemeter eben nicht. Apropos Kollegen: Als einer von aktuell ganz wenigen kombiniert Kemeter Freiklettern ohne Seil (free solo) mit Basejumpen aus der Felswand. „Viele „MEIN SCHWIERIGSTES PROJEKT? ES IST IMMER DER ERSTE SCHRITT.“ haben damit aufgehört oder sind verstorben“, sagt Kemeter. „Ich habe in den letzten Jahren sehr viele gute Freunde verloren.“ Bumm. Solche Sätze sitzen. Und provozieren unweigerlich Fragen. Kemeter weicht diesen Fragen nicht aus. „Was ich mache, ist gefährlich, das ist mir voll bewusst“, sagt er. „Aber ich bin in diesem Moment 100-prozentig bei mir, ganz klar im Kopf. Es gibt kein Stürzen. Ich kann mir nicht einmal 0,1 Prozent Zweifel oder Angst leisten, weil ich 100 Prozent für das Gelingen des Projektes brauche. Aber es kann etwas passieren und ich bin bereit zu handeln.“ Sehr viele unterstützen ihn, was ihm sehr wichtig ist. „Die Familie ist mitgewachsen und hat Verständnis dafür.“ Vertrauen ist ein Schlüsselwort. „Ich habe Vertrauen in meine Fähigkeiten, das in 300 Meter Höhe zu schaffen, was ich auch am Boden kann.“ Wer Kemeter auf atemberaubenden Videos sieht, wie dem Slackline-Dreh zum Lost Arrow Spire im Yosemite-Nationalpark (USA), ungesichert Hunderte Meter über dem Boden, bekommt selbst schweißnasse Hände und sieht ihn danach kurz und befreit jubeln. Genugtuung? „Nein, das SPORTaktiv 119

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