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SPORTaktiv Outdoorguide 2018

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ZEITLOSES GLÜCK

ZEITLOSES GLÜCK OUTDOORSPORTARTEN SIND BEI DER JUNGEN GENE- RATION GERADE WIEDER SEHR BELIEBT. ANDERERSEITS GIBT ES BERGFEXE, DIE FAST IHR GESAMTES LEBEN IN DEN BERGEN VERBRACHT UND DEM BERGSPORT GEWIDMET HABEN. WAS GENERATIONENÜBERGREIFEND AN DEN BERGEN FASZINIERT – DEM HABEN WIR MIT VIER UNTERSCHIEDLICHEN BERGBEGEISTERTEN NACHGESPÜRT. VON CHRISTOF DOMENIG 18 SPORTaktiv

HELMUT (82) UND MARKUS BENDLER (34) Onkel und Neffe aus Kirchdorf in Tirol: Was der zweifache Gesamt-Weltcupsieger und zweifache Weltmeister im Eisklettern Markus Bendler an seinem Onkel bewundert – und umgekehrt. Fotos: Maloja, Kaiserbachtal/Kitzbüheler Alpen Markus Benlder in der Wand (links): „Die Natur ist ein Geschenk.“ Sein Onkel Helmut bestieg schon 1959 das Matterhorn. Helmut Bendler ist 82 und geht unverändert auf Bergtouren. Zum Beispiel auf den Stripsenkopf oder im Winter mit Tourenskiern aufs Kitzbüheler Horn. Markus Bendler ist Helmuts Neffe, zweifacher Weltcup-Gesamtsieger im Klettern und zweifacher Eiskletter-Weltmeister. Zahlreiche Erstbegehungen stehen in seiner Vita. Die ganz großen Herausforderungen hat er zugunsten seines Klettershops, des Rock’n’Roll Mountain Stores in Kirchdorf, zurückgestellt. „Ich klettere drei, vier Mal in der Woche, schon auf hohem Niveau. Aber ohne Druck und muss mir nichts mehr beweisen.“ Onkel und Neffe sind mit dem Wilden Kaiser und dem Kaisergebirge vor der Haustür aufgewachsen. „Mit acht hat mein Vater mich und die zwei älteren Brüder zum ersten Mal mitgenommen. Aufs kleine Törl im großen Griesner Kar. Die zehn Kilometer Anreise bewältigten wir mit dem Fahrrad. Der Weg war mir zu lang, zu hoch und zu anstrengend – aber ich war stark beeindruckt von den riesigen Felsgestalten“, erinnert sich Helmut. 1959, mit 23 Jahren, stand Helmut Bendler am Matterhorn, Anreise mit zwei Freunden im VW Käfer. Später war er in Ostafrika, Ecuador, Nepal unterwegs. Oder bestieg mit Skiern den 5642 m hohen Elbrus im Kaukasus. Er sieht sich rückblickend als Bergsteiger, nicht Kletterer, „mein Ziel waren die Gipfel“. „Mein Vater ging mit uns wandern. Aber er war, im Gegensatz zu seinen Brüdern, ein kompletter Gegner des Kletterns“, erklärt Markus Bendler. „Gut möglich, dass die Unternehmungen meines Onkels einen Eindruck gemacht haben“. Mit 8, 9 Jahren hat Markus sich mit seinem älteren Bruder an erste Klettertouren gemacht. Heimlich, „wir haben gesagt, dass wir ins Schwimmbad gehen.“ Markus’ Bruder war talentierter, „aber das war ein Ansporn für mich, und so hat sich alles entwickelt“. Die Bäckerlehre hat Markus schon nach dem Sport ausgewählt: „Da konnte ich in der Nacht arbeiten und am Tag klettern.“ Das Alter von 15 bis 20 sieht Markus Bendler im Rückblick als „intensivste Zeit“. Zwischen 20 und 30 war die Zeit der großen Erfolge. „Seine Einstellung, Zielstrebigkeit und Performance haben mich sehr beeindruckt“, erzählt Helmut. „Der Onkel war der in der Familie, der meinen Unternehmungen die meiste Aufmerksamkeit geschenkt hat. Die Eltern haben sich auch gefreut, aber sie hatten nicht so den Bezug dazu wie Helmut“, meint Markus. Über seine Leistungen hat Markus Bendler nie Buch geführt oder sie groß dokumentiert, „stattdessen hab ich alle Erinnerungen im Kopf“. Die Berge und Naturschauspiele wie den Schleierwasserfall, die ihn sein Leben lang begleitet haben, sieht er heute mit ganz anderen Augen als in der Jugend, als „ein Geschenk, dass wir mitgekriegt haben“. „Die Berge haben bei mir nichts an Anziehungskraft eingebüßt. Auch im fortgeschrittenen Alter wecken sie Neugier und Bewunderung. Nur der Respekt, der wurde deutlich größer“, sagt Helmut Bendler. Sein Neffe Markus hat im Moment kein großes Ziel vor Augen. „Die großen Ziele entwickeln sich von selber. Oder vielleicht doch: bis ins Alter die Freude und die Fitness zu haben, um am Berg unterwegs zu sein. Da ist Helmut schon ein Vorbild für mich.“ Und er sagt auch mit Blick auf seinen Onkel: „Bergsport ist definitiv zeitlos. Die Mittel und Wege ändern sich. Aber die Beweggründe sind vor 50 Jahren die gleichen gewesen, und sie werden auch in 50 Jahren die gleichen sein.“ SPORTaktiv 19

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