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SPORTaktiv Outdoorguide 2018

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JUDY GIACOMELLI aus Zell

JUDY GIACOMELLI aus Zell am Ziller ist Berg wanderführerin im Tiroler Zillertal. Kontakt: judy@aon.at WOLFGANG KINZ aus Faistenau führt Wandergäste in der Salzburger Fuschlsee-Region im Salzkammergut. www.wanderguide.at BERGE, BLUMEN, SICHERHEIT WANDERN KANN (FAST) JEDER. MIT EINEM BERGWANDERFÜHRER GEMEINSAM AUF WANDERTOUR ZU GEHEN, IST DENNOCH EINE FEINE SACHE. VON CHRISTOF DOMENIG Fotos: Wolfgang Kinz, Judy Giacomelli 66 SPORTaktiv

Manche wandern einfach gern, wollen sich aber möglichst nicht um „Nebengeräusche“ kümmern – wie Tourenplanung, Orientierung oder die Frage, wo es die beste Mittagsjause gibt. Und andere wandern ebenfalls gern, kennen sich in der Natur richtig gut aus und haben Freude daran, anderen die Schönheiten der Berge und der Natur noch etwas näher zu bringen. Perfekt, wenn sich zwei solche finden: nämlich Bergwanderführer und Gast. Den Beruf des Bergwanderführers gibt es schon lang. Die Ausbildung dazu wird etwa bei der Dachorganisation der heimischen Bergsportverbände VAVÖ seit 1978 angeboten. Doch erst in den letzten Jahren kommen auch Touren mit Bergwanderführern so richtig in Mode. Und was unterscheidet Bergführer und Bergwanderführer? Schon einiges. Das erkennt man bereits, wenn man die Ausbildung als Vergleichswert heranzieht. Während sich eine Ausbildung zum Bergführer über rund drei Jahre zieht, gilt es bei der Bergwanderführer-Ausbildung des VAVÖ ein viertägiges Grundmodul sowie ein ebenso langes Intensivmodul mit einer Abschlussprüfung zu absolvieren. Wer will, kann sich danach noch im rund eine Woche dauernden Winterkurs fortbilden. So ausgebildet und geprüft, darf man – in den meisten Bundesländern – Menschen gegen Entgelt auf gesicherten Wegen führen. In einigen Bundesländern braucht es noch eine Zusatzprüfung, in Tirol etwa beim Bergsportführerverband Tirol. Weiters benötigen Bergwanderführer eine Haftpflichtversicherung für ihre spezielle Tätigkeit. Die Kompetenz des Bergwanderführers endet dort, wo im Sommer gesichert werden muss, weil Absturzgefahr herrscht. Und im Winter im lawinengefährlichen Gelände. Hier beginnt die Zuständigkeit des Bergführers. Nur nicht oberlehrerhaft So weit die Theorie. Doch wie läuft der Alltag eines beruflichen Bergwanderführers in der Praxis ab? Dafür haben wir zwei von vielen Hunderten heimischen Bergwanderführern befragt. Judy Giacomelli aus Zell am Ziller im Tiroler Zillertal ist im Winter selbstständige Skilehrerin und mit einem Bergführer verheiratet. Als ideale Ergänzung zum „Familienunternehmen“ hat sie 1995 die Prüfung zur Bergwanderführerin abgelegt: „Ich liebe den Sport, die Natur, und den Umgang mit Menschen. Und meine schöne Heimat“, erzählt sie von ihrer Motivation. Im Sommer arbeitet Judy heute in erster Linie für ein Hotel, „wir haben ein Vitalprogramm und bieten drei bis vier geführte Wanderungen pro Woche an.“ Ihre Aufgabe: „Gäste sollen einfach die Natur und die Umwelt genießen können. Alles Organisatorische, von der Tourenplanung über den Check von Busverbindungen bis zur Planung der Hütteneinkehr, übernimmt der Wanderführer. Natürlich gilt es auch, unterwegs auf die Sicherheit zu achten.“ Morgens holt Judy ihre Gäste beim Hotel ab. So wie es auch ihr Berufskollege Wolfganz Kinz im Salzkammergut, in der Fuschlsee-Region (Salzburg) tut. „Beim Weggehen geht man die Ausrüstung durch: Schuhe, Regenausrüstung, Sonnenschutz, Brille. Wie viel jeder zu trinken mithat.“ Gerade die benötigte Flüssigkeitsmenge werde von Gelegenheits-Bergsportlern gern unterschätzt – Wolfgang hat immer Wasser für zwei andere dabei. Dass man bei all dem nicht oberlehrerhaft, sondern mit Charme auftritt, versteht sich von selbst. Wolfgang führt Wandergruppen mit maximal acht Teilnehmern, das ist noch überschaubar und es bleibt genügend Zeit für jeden. Denn wer sich einer Gruppe anschließt, möchte in der Regel auch angemessen betreut werden. „Oft sind es Familien, die mit Wanderführer gehen. Oder Personen ab 50. Meinem Gefühl nach geht es den meisten einerseits um das persönliche Gefühl der Sicherheit, nicht allein zu gehen. Und andererseits macht es vielen mehr Spaß, in einer Gruppe als allein zu gehen.“ Ein wenig Psychologe zu sein, gehört für einen erfolgreichen Bergwanderführer schon dazu. „Man braucht schon ein SPORTaktiv 67

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